VÖM-Pressekonferenz: Lebensmittelmärkte im Umbruch
Milchwirtschaft: Bilanz 2007 und Ausblick 2008

2007: Ein Jahr mit dynamischer Entwicklung

Das Jahr 2007 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr mit sehr dynamischer Entwicklung. Ab der zweiten Hälfte des Jahres kam es zu einer deutlichen Belebung des Marktes. Die österreichische Milchwirtschaft konnte von den steigenden Preisen mitpartizipieren und den Milchbauern, die zumeist auch die Eigentümer der Molkereien sind, deutlich bessere Preise auszahlen. Trotz höherer Preise konnten der Inlandsabsatz leicht und die Exporte deutlich gesteigert werden.

 

Umsatz verbessert, Ergebnis weiterhin knapp

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten 2007 die 2 Milliarden-Schwelle und konnten damit um ca. 10 Prozent zulegen. Die Milchanlieferung lag 2007 mit 2,66 Mio. t um 0,4 Prozent unter dem Niveau von 2006. Das EGT konnte von 1,1 Prozent auf 1,4 Prozent des Umsatzes leicht gesteigert werden, ist im Vergleich zu anderen Branchen noch immer äußerst knapp bemessen. Der Cash Flow stieg von 4,5 Prozent auf 4,9 Prozent. Der Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch konnte von 65,06 Cent auf 70,9 Cent gesteigert werden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ. Die Molkereien waren neben höheren Rohstoffkosten mit massiven Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Verpackungen und Transport konfrontiert, die zusätzlich auf die Ertragsspanne drückten.

 

Erzeugerpreise deutlich verbessert

Die österreichischen Molkereien konnten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) von 33,48 Cent/kg im Jahr 2006 auf 37,80 Cent/kg im Jahresdurchschnitt 2007 steigern (+ 12,9 Prozent). Besonders markant war die Steigerung der Preise zum Jahresende (Dezember 2006: 36,65 Cent/kg, Dezember 2007: 47,64 Cent/kg, + 30,0 %), damit lagen die Milchpreise erstmals wiederum leicht über den Preisen vor dem EU-Beitritt vor 14 Jahren.

 

Positive Einkommensentwicklung für die Bauern

Die österreichischen Molkereien sind sehr froh, damit den österreichischen Bauern eine dringend notwendige Verbesserung ihrer Einkommen zu ermöglichen, auch um die erhöhten Gestehungskosten bei Futtermittelpreisen und anderen Vorleistungen auszugleichen. Es wird daher auch versucht, nach Möglichkeit das Auszahlungspreisniveau weiterhin beizubehalten.

 

Österreichische Milchpreise aktuell über EU-Durchschnitt

Österreichs Milchpreise folgten im letzten Jahr dem internationalem Markttrend nach oben. Der renommierte internationale Milchpreisvergleich von LTO Niederland ergibt für Österreich für 2007 einen Vergleichswert von 33,73 Cent/kg (Basis 4,2 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß bei 500.000 kg Jahresanlieferung, ohne USt.) und liegt damit über dem Durchschnitt der übrigen internationalen Molkereien mit 32,18 Cent/kg, dies trotz erhöhter Erfassungskosten für die österreichischen Molkereien. Während in benachbarten Regionen mit Beginn des Jahres 2008 bereits Abwärtstendenzen beim Milchpreis zu vermelden waren, konnten die österreichischen Molkereien die ersten Monate des Jahres den Milchpreis halten bzw. weiter ausbauen, ein Bestreben, das auch für die Zukunft bestmöglich versucht wird.

 

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2007 von 45.800 auf 43.500 (- 5 %) zurück. Die Anzahl der Kühe hat sich um ca. 1 Prozent verringert, deren Leistung hat sich weiter erhöht, damit beträgt die durchschnittliche Milchablieferung 61.000 kg pro Jahr und Milchbauer.

 

Preisentwicklung mit internationalen Ursachen

Die Ursachen für die markante Preisentwicklung im abgelaufenen Jahr sind global und mehrschichtig. Zum einen gibt es eine allgemein steigende Tendenz auf den Rohstoffmärkten; seit etlichen Jahren ist weltweit die Nachfrage für Milch stärker gewachsen als das Angebot, die Lagerbestände sind aufgebraucht, auch in der EU gibt es keine Interventionsbestände mehr. Die Nachfrage wächst vor allem in den wirtschaftlich dynamischen Drittmärkten. Dazu wurde die Lage durch Witterungsprobleme in wichtigen Exportregionen verschärft. Zusätzlich ist zu sehen, dass die Weltbevölkerung in den letzten 10 Jahren um 800 Millionen Einwohner zugenommen hat und sich in aufstrebenden Ländern auch die Ernährungsgewohnheiten zu einem höheren Milchverbrauch verändert haben. Allgemein wird mittel- und längerfristig mit höheren Preisen gerechnet.

 

Erstattung und Intervention eingestellt

Die Europäische Union hat am 17. Juni 2007 alle Ausfuhrerstattungen sowie Interventionskäufe gestrichen. Derzeit wird aus der EU in Drittländer ca. 7% des gesamten Milchäquivalentes exportiert - dies ohne Stützungen und mit hohen Euro Kursen.

 

Österreichische Marktentwicklung 2007 positiv

Trotz höherer Preise gab es im abgelaufenem Jahr bei Milchprodukten eine positive Marktentwicklung, vor allem in der weißen Palette (plus 3 Prozent) und Butter (plus 3,5 Prozent), während in der bunten Palette und in der gelben Palette mit 1,3 Prozent leichte Rückgänge zu verzeichnen waren.

 

Milchprodukte trotz Preisanpassungen günstig

Trotz der Preisanpassungen im abgelaufenen Jahr sind Milchprodukte z.B. im Preiseinstiegsbereich für die österreichischen Konsumenten sehr günstig: Trinkmilch kostet ungefähr gleich viel wie vor 15 Jahren (+ 0,8 Prozent), Butter ist um 24 Prozent und Emmentaler um 9 Prozent billiger, gleichzeitig ist aber der Verbraucherpreisindex seit 1993 um 30 Prozent gestiegen.

 

Molkereiprodukte keine Inflationstreiber

Während die netto Einkommen um 71% stiegen, lag der Index für Nahrungsmittel bei plus 38,7 Prozent und davon jener für Molkereiprodukte bei + 19,4 Prozent. Damit ist offensichtlich, dass Molkereiprodukte keineswegs als Preistreiber zu betrachten sind.

 

Erfolgsstory Milchexport geht weiter

Auch im Jahr 2007 konnte die österreichische Milchwirtschaft neuerlich mit ihren hervorragenden Produkten auf den Exportmärkten punkten.

 

Österreichs Molkereien konnten die Exporte – nach vorläufigen Zahlen der Statistik Austria - von 783,9 Mio. Euro auf 888,3 Mio. Euro um 104,4 Mio. Euro oder 13,3 Prozent steigern. Dies bedeutet, dass 44,4 Prozent der milchwirtschaftlichen Umsätze im Ausland erzielt werden. Die Importe sind von 433,6 Mio. Euro auf 506,2 Mio. Euro (+ 72,6 Mio. Euro oder um 16,7 Prozent) gestiegen. Daraus rechnet sich ein gestiegener positiver Außenhandelssaldo von 382,1 Mio. Euro, + 32 Mio. Euro oder + 9,1 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr.

 

Höhere Veredelung bei Flüssigmilchexporten

Der Export von Milch und Rahm konnte weiterhin gesteigert werden (mengenmäßig: + 3,1 %, wertmäßig: + 18,0 %), während die Importe mengenmäßig um 2,0 % zurückgingen. Im Export konnten mit einem Plus von 14 Prozent deutlich höhere Durchschnittserlöse erwirtschaftet werden. Die österreichische Milchwirtschaft setzt intensiv auf den Export von veredelten Produkten. Die Ausfuhr von sogenannter Tankmilch ist weiterhin rückläufig, sie betrug im Jahr 2007 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes der österreichischen Milchwirtschaft.

 

Fermentierte Produkte mit starkem Wachstum

Der Export von fermentierten und gesäuerten Milchprodukten konnte im letzten Jahr von 140.000 t auf 159.000 t (+ 13,5 Prozent) gesteigert werden, während bei den Importen 40.950 t statt 38.500 t (+ 6,3 Prozent) zu verzeichnen waren. Damit zeigt sich, dass die österreichischren Molkereien in der Bunten Palette auch im Ausland weiterhin sehr erfolgreich sind.

 

Butterimporte rückläufig

Trotz weiterhin hohem Importniveau konnte bei den Butterimporten erstmalig ein Rückgang um 3,3 Prozent auf 12.900 t vermerkt werden, die Exporte konnten jedoch um 21 Prozent auf 3.100 t gesteigert werden. Der hohe Anteil an Importbutter ist vor allem aus den Einfuhren für Eigenmarkenprodukten des Handels sowie für die Verarbeitungswirtschaft zu erklären.

 

Käse wichtigstes Außenhandelsprodukt

Nach wie vor wichtigstes Außenhandelsprodukt ist Käse mit einem Exportwert von 346,7 Mio. Euro (+ 9,1 Prozent). Importiert wurden Käseprodukte um 298 Mio. Euro (+ 18,9 Prozent). Auffallend war im abgelaufenen Jahr vor allem der hohe Anstieg von Importen von „Billigkäse“ aus dem EU 15-Raum (+ 14,6 Prozent), während die Exporte mengenmäßig nur um 2 Prozent gesteigert werden konnten. Die Österreicher setzen in diesem Segment vor allem auf hochqualitative Ware, so liegt der durchschnittliche Exportwert 10 Prozent über dem Importpreis. Weiters erfreulich im Käsebereich ist die starke Steigerung (+ 28,5 Prozent) der Exporte in die Beitrittsländer.

 

Positive Außenhandelsbilanz mit Beitrittsstaaten

Die österreichische Milchwirtschaft konnte im abgelaufenen Jahr erstmalig ein positives Außenhandelssaldo mit den Beitrittsstaaten erzielen. Exporten im Ausmaß von 60,5 Mio. Euro standen Importe von 38,3 Mio. Euro gegenüber, was einen positiven Saldo von 22 Mio. Euro ergibt. Erfolgreich in den Beitrittsstaaten waren vor allem österreichischer Käse in Ungarn, Slowenien und der Tschechischen Republik. Wichtigste Position bei den Importen waren fermentierte Produkte, vor allem aus Polen und Tschechien.

 

Aussichten 2008

 

 

Quotenpolitik der EU kritisch gesehen

Angesichts rückläufiger Notierungen für Milchwelthandelsprodukte hat die österreichische Milchwirtschaft kein Verständnis für die von der EU bereits beschlossene Quotenaufstockung im heurigen Jahr um 2,5 Prozent, zumal höhere Mengen natürlich einen entsprechenden Preisdruck bewirken könnten. Die Vorschläge der Europäischen Kommission zum Auslaufen der Milchquoten im Jahr 2015 und die weiteren Quotenaufstockungen werden kritisch gesehen, hier ist ein Konzept gefragt, wie auf liberalisierten Märkten die Milchproduktion in berg- und benachteiligten Gebieten dauerhaft gesichert werden kann. Zuerst müssen auf diese Fragen die Antworten gegeben werden, erst dann könnten weitere Liberalisierungsschritte gesetzt werden. Im Zuge der Diskussion zum Health Check der Europäischen Union – hier wird die laufende Agrarpolitik einer Überprüfung unterzogen – dürfen auch die Marktmechanismen der EU Marktordnung nicht weiter geschwächt werden. Gefahren für die Milchwirtschaft lauern zusätzlich bei den laufenden WTO-Verhandlungen.

 

 

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf Qualitätsprodukte

Österreichs Milchwirtschaft setzt weiterhin auf die Produktion hochwertiger Milchprodukte, Biomilch, gentechnikfreie Produktion, Regionalität und hohe Veredelungsstufen sind deutliche Zeichen für die hohe Qualität der österreichischen Milchprodukte, die in Zukunft weiter ausgebaut werden soll. Wir setzen bei diesen Strategien auf unsere Partner im Handel sowie auf die österreichischen Konsumenten um diese Vorhaben auch wirksam umsetzen zu können.

 

  

 

                Weitere Informationen:

                Mag. DI Johann Költringer

                 VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter

              Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at