VÖM-Pressekonferenz: Bilanz 2017 und Ausblick 2018
2017 Aufwärtstrend am Milchmarkt - 2018 neue Herausforderungen

2017: Milchmarkt erholt sich infolge hoher Butterpreise

Nach zwei extrem schwierigen Jahren für die Molkereiwirtschaft kam es im Herbst 2016 zu einer Trendwende auf den internationalen Milchmärkten. Rückläufige Anlieferungsentwicklungen in wichtigen Produktionsländern der Europäischen Union aufgrund der tiefen Auszahlungspreise, zusätzliche Marktmaßnahmen seitens der Europäischen Union sowie eine bessere ernährungsphysiologische Bewertung von Butter bzw. Milchfett führten gegen Ende 2016 / Anfang 2017 zu einer Stabilisierung des Milchmarktes, vor allem die Nachfrage von Butter bzw. Milchfett war enorm, während für Milcheiweiß und Magermilchpulver nach wie vor eine extrem schwierige Marktsituation vorherrscht.
 „Nach der zweijährigen Krise am Milchmarkt konnten damit die Einkommen der heimischen Milchbauern endlich wieder stabilisiert werden“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Dir. Helmut Petschar zur aktuellen Situation auf den Milchmärkten.

2018: Hohe Milchmengen drücken Preise

In Folge der höheren Auszahlungspreise kam es ab Ende 2017 europaweit wieder zu Mehranlieferungen. Dies führte mittlerweile zu einer Korrektur der Butterpreise. Die Preise am Eiweißmarkt kamen nicht vom Fleck, hier bestehen nach wie vor Überschüsse mit äußerst tiefen Preisen. Die positive Entwicklung am Markt war letztlich alleine durch die Butterpreise getragen. 2018 verursacht die hohe Mehranlieferung neue Herausforderungen, die einzelne Molkereien zu Mengenbegrenzungsmaßnahmen veranlasst hat. Die Milchauszahlungspreise mussten in den letzten Wochen etwas zurückgenommen werden.

Außenhandel deutlich gestiegen

Die Exporte konnten im Jahr 2017 deutlich zulegen, sie erreichten wieder das bisherige Rekordniveau von 2014, dem Jahr vor der letzten Milchkrise, gestiegen sind ebenfalls die Importe, besonders bei Eigenmarken des Lebensmittelhandels und für die Weiterverarbeitung.

Österreichische Qualitätsstrategie weiter ausgebaut

Die heimische Milchwirtschaft hat auch im letzten Jahr weitere Maßnahmen zur Schärfung der Qualitätsstrategie gesetzt, vor allem im Bereich Tierwohl, bei nachhaltiger Fütterung und beim Verzicht auf den Einsatz von bedenklichen Pflanzenschutzmitteln. „Eine kompromisslose Qualitätsstrategie wird als notwendig erachtet, um den gestiegenen Anforderungen der Konsumenten gerecht zu werden, sie soll auch bestmögliche Voraussetzungen in der Vermarktung der Produkte im Export schaffen“, ergänzte Petschar.

2017 Trendwende am Milchmarkt

Die europaweit tiefen Milchpreise 2016 und Anfang 2017 führten zu einer deutlichen Angebotsverknappung am Markt, dies wurde durch die politisch unterstützten Mengenreduktionsmaßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene unterstützt, was in weiterer Folge vor allem bei Butter zu Knappheiten führte und die Butterpreise im zweiten Halbjahr 2017 auf Rekordhöhen brachte. Diese hohen Butterpreise waren nicht von langer Dauer, mittlerweile gab es Preiskorrekturen, zuletzt konnte aber am Buttermarkt wieder eine kleinere Stabilisierung verbucht werden. Die tiefen Milchpreise und die politischen Mengenreduktionsprogramme führten zu einer zusätzlichen Verknappung der Angebotsmenge, ab Sommer 2017 stiegen die Anlieferungsmengen in Österreich und in vielen Ländern Europas wieder. Insgesamt konnte im Jahr 2017 eine sehr hohe Volatilität am Markt festgestellt werden.

Schwieriger Eiweißmarkt

Der große Mengendruck und tiefe Preise besonders am Eiweißmarkt der Jahre 2016 und 2017 veranlassten die europäische Kommission zu Interventionskäufen von über 380.000 Tonnen Magermilchpulver, damit konnten die Märkte etwas entlastet werden, diese Mengen drücken aber derzeit am Markt. Selbst während der Zeit mit den höheren Milchpreisen Ende 2017 konnte die Kommission nur sehr geringe Mengen Magermilchpulver zu tiefen Preisen absetzen. Heuer hat die EU Kommission bisher trotz massiver Unterschreitung des Interventionspreises keine neuen Magermilchpulvermengen aufgekauft.

Umsatz der Molkereien gestiegen

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2017 mit ca. 2,7 Mrd. Euro um 10,2 Prozent gestiegen, dies aufgrund höherer Verarbeitungsmengen, vor allem aber aufgrund höherer Verwertungspreise, besonders bei fetthaltigen Produkten.

Weiterhin knappe Ertragslage bei den Molkereien

Das Ergebnis vor Steuern (EvS) bezogen auf den Umsatz der heimischen Milchverarbeiter kam im Jahr 2017 mit ca. 1,4% auf einem niedrigen Niveau zu liegen.

Anlieferung um 3,1 % gestiegen

Die österreichische Milchanlieferung ist im Jahr 2017 um insgesamt 3,1% gestiegen. Während in den ersten Monaten noch Rückgänge zu verbuchen waren, kam es besonders gegen Ende des Jahres zu deutlich stärkeren Überlieferungen. Im Jänner 2018 wurde eine Mehranlieferung im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,2% festgestellt. Dies veranlasste mehrere Molkereien zu Mengenbegrenzungsmaßnahmen, um auch der geänderten Vermarktungslage Rechnung zu tragen.

Biomilch mit deutlichem Wachstum

Einen besonderen Anstieg konnte im Bereich Biomilch festgestellt werden, mit einer Produktion von 526.000 Tonnen konnte der Biomilchanteil auf 16,4% (+54.000 Tonnen) gesteigert werden, ca. 50% der gesamten Mehranlieferung im Jahr 2017 erfolgte im Biobereich, was die hohe Umweltorientierung der heimischen Milchwirtschaft unterstreicht. Österreich hat europaweit die höchsten Biomilchanteile.

Erzeugermilchpreise um 19 % gestiegen

Die Erzeugermilchpreise sind 2017 von 35,41 Cent auf 42,12 Cent/kg um 19% gestiegen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. MwSt.). Der Wert für Milch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiß exkl. MwSt. und Qualitätszuschläge stieg von 28,09 auf 34,05 Cent. Diese Preisanstiege sind vor dem Hintergrund der Preisrückgänge in den vorangegangenen zwei Jahren zu sehen und verweisen auf die hohe Volatilität am Milchmarkt, ein großes Problem für die gesamte Lebensmittelkette.

Durchschnittliches Milchgeld gestiegen

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der österreichischen Molkereien an die heimischen Landwirte lag mit € 50.585,- um 27,4% über dem Vergleichswert des Vorjahres, und brachte für die heimischen Milchbauern nach zwei sehr schwierigen Jahren eine dringend benötigte Verbesserung bei den bäuerlichen Einkommen.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2017 von 28.500 auf 27.600 Landwirte um ca. 3,2% zurück, mit 19,7 Kühen im Durchschnitt und einer durchschnittlichen Milchlieferleistung von 6.100 kg je Kuh wirtschaftet der heimische Milchbauer im EU Vergleich höchst extensiv und in kleinen Strukturen. Die durchschnittliche Milchanlieferung je Landwirt stieg von 112 auf 120 Tonnen.

Höherer Gesamtverbrauch von Milchprodukten in Österreich

2017 war auf dem heimischen Milchmarkt eine insgesamt positive Absatzentwicklung feststellbar, dies vor allem bei Käse und Naturjoghurts.

Exporte gestiegen

Österreich konnte im Jahr 2017 im Außenhandel deutliche Zuwachse erreichen: Mit einem Exportwert von 1,18 Mrd. EUR (+4,7%) konnten die bisherigen Rekordzahlen des Jahres 2014, dem letzten Jahr vor der Milchkrise, wieder erreicht werden, gestiegen sind aber auch die Importe, diese betrugen 2017 781 Mio. EUR (+8,6%). Insgesamt konnte die heimische Milchwirtschaft einen positiven Exportsaldo von 402 Mio. EUR erreichen, vor allem gegen Ende des Jahres gab es deutliche Zuwächse beim Außenhandelssaldo.

Käse wichtigstes Exportprodukt

Wichtigstes Außenhandelsprodukt der Milchwirtschaft ist Käse, hier wurden 142.000 Tonnen um 576 Mio. EUR zum Durchschnittspreis von 4,07 EUR je kg exportiert, während 113.000 Tonnen um 447 Mio. EUR (Durchschnittspreis 3,97 EUR je kg) importiert wurden. Zweitwichtigste Produktkategorie sind flüssige Milch und Milchprodukte. Hier wurden im Export 305 Mio. EUR erlöst, während 82 Mio. EUR für Importe ausgegeben wurden.
Butter ist ein traditionelles Importprodukt, hier standen 3.800 Tonnen Exporte 17.500 Tonnen Importe gegenüber, die Exporte erbrachten 20,5 Mio. EUR (Durchschnittspreis 5,38 EUR je kg), während für die Importe 90,5 Mio. EUR zu bezahlen waren (5,17 EUR je kg Durchschnittspreis). Die Kategorie Milch und Rahm eingedickt (vor allem Trockenmilchprodukte) erbrachte mit 11.000 Tonnen im Export 42 Mio. EUR bei Durchschnittspreisen von 3,83 EUR pro kg, während 33.000 Tonnen Importprodukte 61 Mio. EUR kosteten (Durchschnittspreis 1,89 EUR pro kg).

Qualitätsstrategie auch im Außenhandel

Die österreichische Milchwirtschaft setzt auch im Außenhandel auf die Qualitätsstrategie. „Die Entwicklungen im Jahr 2017 haben gezeigt, dass auch im Ausland mit Qualitätsprodukten Erfolge zu erzielen sind, die hohen Qualitätsstandards der heimischen Milchwirtschaft sind eine gute Ausgangsbasis für die weitere Exportentwicklung“, so Petschar.

Österreichische Qualitätsstrategie weiter ausbauen

Die österreichische Milchwirtschaft hat auch im Jahr 2017 ihre Qualitätsstrategie weiter ausgebaut: Schwerpunkte waren hier Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls durch verschiedene Maßnahmen der einzelnen Molkereien sowie durch den Gesetzgeber, die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Fütterung, vor allem durch den Verzicht auf Soja aus Übersee um damit den Regenwald in diesen Regionen zu schützen, weiters den Verzicht auf den Einsatz von bedenklichen Pflanzenschutzmitteln. Damit soll den Erwartungen der Konsumenten nach nachhaltigen und unbedenklichen Produkten entgegengekommen werden, auch will man so den ökologischen Fußabdruck der heimischen Milchwirtschaft weiterhin verbessern.
Von besonderer Bedeutung waren in dem letzten Jahr: die Steigerung des Biomilchanteils auf 16,4%, Österreich liegt im EU-weiten Vergleich hier an erster Stelle, weiters die Einführung von besonders nachhaltigen Milchsortimenten mit regionalem Bezug bzw. durch besondere Produktionsauflagen sowie Produkt- und Verpackungsinnovationen. „Mit dieser hohen Differenzierungsstrategie im Qualitätssegment soll die besondere Wertigkeit heimischer Milchprodukte gegenüber Standardprodukten aus dem Ausland zusätzlich abgesichert werden, so Dir. Helmut Petschar.“

Schwierige Situation in der Lebensmittelkette

Die hohe Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel, der hohe und wachsende Anteil von Eigenmarken und bisher noch nicht umgesetzte Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbssituation in der Lebensmittelkette ergeben für die Milchbauern und Milchverarbeiter insgesamt eine sehr schwierige Situation. Es bleibt zu hoffen, dass die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Kommission betreffend strengerer Handhabung gegen unfaire Handelspraktiken und die diesbezüglichen Maßnahmen in Österreich durch die Veröffentlichung von Leitlinien dazu ehestbald wirksam werden.

Österreichisches Regierungsprogramm mit positiven Ansätzen

Das österreichische Regierungsprogramm erhält eine Reihe von positiven Ansätzen zur Verbesserung der Situation am Milchmarkt. Die österreichische Milchwirtschaft hofft, dass diese in Abstimmung mit der heimischen Milchwirtschaft zügig umgesetzt werden:

  • Maßnahmen zum weiteren Ausbau der Qualitätsstrategie
  • Herkunftskennzeichnung, die auch Importprodukte umfasst
  • eine Verbesserung der Wettbewerbssituation für Lebensmittelverarbeiter und Landwirte, insbesondere durch konsequente Vermeidung unfairer Handelspraktiken und verbesserte wettbewerbsrechtliche Möglichkeiten
  • Weiterentwicklung der AMA Marketing als serviceorientierte Marketingorganisation für die heimische Milchwirtschaft
  • Entbürokratisierungsmaßnahmen und Entlastung von strukturbedingten höheren Kosten (z.B. Unterstützung bei Milchtransportkosten)
  •  Maßnahmen zur Absicherung und zum weiteren Ausbau des Milchstandorts Österreich als wesentlichen Wirtschaftszweig und Stabilitätsfaktor im ländlichen Raum
  • Unterstützung beim Ausbau und der Modernisierung der Be- und Verarbeitungsanlagen
  • Schaffung von weiteren Außenhandelsmöglichkeiten durch geeignete internationale Abkommen und Unterstützung bei der Öffnung von Exportmärkten
  • Geeignete Rahmenbedingungen in der österreichischen und EU-Agrarpolitik zur Stärkung einer starken und wettbewerbsorientierten Milchwirtschaft

Aussichten 2018

Die weitere Entwicklung am Milchmarkt wird einerseits von der internationalen Entwicklung der Angebots- und Nachfrageverhältnisse abhängen, die auch in Österreich die Richtung vorgeben werden. Zunächst stärken die aktuellen Entwicklungen am Butter- und Fettmarkt die Situation, die gute Konjunktur der Weltwirtschaft und gute Exporte lassen auf steigenden Konsum hoffen, Gefahr kommt vom starken Euro, weiters von Maßnahmen durch einzelne Handelspartner und den nach wie vor hohen Interventionsbeständen an Magermilchpulver. Insgesamt wird weiter mit einer hohen Volatilität am Markt zu rechnen sein.
„Zu einem wesentlichen Anteil wird die Entwicklung der heimischen Milchwirtschaft aber von der Bereitschaft des österreichischen Handels und der heimischen Konsumenten abhängen, inwieweit die höheren Qualitäten der heimischen Milchprodukte im Einkaufsverhalten mitgetragen und abgegolten werden,“ schloss Petschar.

 

Weitere Informationen:
 Mag. DI Johann Költringer
 VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
 Tel.: 01/90664-2558, eMail: voem@netway.at