VÖM-Pressekoferenz: Bilanz 2018 und Ausblick 2019
Mengenschwankungen und weiterer Ausbau der Qualitätsstrategie

2018: Differenzierte Entwicklung am Milchmarkt

Nachdem das Jahr 2017 einen dringend notwendigen Aufholprozess am Milchmarkt gebracht hat, war das Jahr 2018 vor allem durch größere witterungsbedingte Anlieferungsschwankungen geprägt, die in weiterer Folge auch eine Preisvolatilität bewirkten. Während zu Beginn des Jahres die Anlieferung noch mehr als 10% über dem Vorjahreswert lag, war ab Mitte des Jahres aufgrund der Dürresituation ein Rückgang bei der Anlieferung zu bemerken, der bis in die ersten Monate des Jahres 2019 anhielt.

Qualitätsstrategie weiter ausgebaut

Im Jahr 2018 setzten die österreichischen Molkereien weitere Meilensteine in der Qualitätsstrategie, vor allem in den Bereichen Tierwohlstandards und Nachhaltigkeit.

Außenhandel deutlich gestiegen

Die Exporte im Jahr 2018 konnten um 4,1% auf € 1,23 Mrd. zulegen, die Importe von Milchprodukten stiegen auf € 831 Mio., der Außenhandelssaldo erhöhte sich somit auf € 401 Mio.

Schwierige Wettbewerbssituation für österreichische Molkereien

„Für die österreichischen Molkereien war der Markt geprägt von einer schwierigen Wettbewerbslage infolge der hohen Handelskonzentration und weiters von Kostensteigerungen, die den Molkereien nicht im entsprechenden Ausmaß abgegolten wurden.“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Dir. Helmut Petschar zur aktuellen Situation auf den Milchmärkten.

Interventionsmengen und Dürresituation bestimmen Markt

Das Jahr 2018 startete mit einer zweistelligen Anlieferungssteigerung. Ab Mitte des Jahres sank die Anlieferung unter der des Vorjahres, dies vor allem aufgrund der Dürresituation in wesentlichen Produktionsgebieten Österreichs, wie auch in den wichtigen europäischen Produktionsgebieten. Die Butterpreise zeigten im Jahr 2018 eine insgesamt gute Entwicklung, wenn auch die Preise unter den Vorjahreswerten lagen. Sie bestimmten aber im Wesentlichen den Erzeugerpreis, der mit einer etwas geringeren Schwankung den Bauern ausgezahlt wurde. Der Abstand zwischen Fett- und Eiweißnotierungen konnte erst nach Räumung der Interventionslager verringert werden. Insgesamt wurden mittlerweile über 380.000 Tonnen Magermilchpulver aus der Intervention verkauft. Erst mit Räumung der Interventionsbestände legte der Magermilchpulverpreis etwas zu, liegt aber nach wie vor auf einem niedrigen Niveau.

Erzeugermilchpreise mit geringen Rückgängen

Die Erzeugermilchpreise kamen über das Jahr 2018 mit einem durchschnittlichen Auszahlungswert von 41,78 Cent (2017 42,33 Cent) (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen inkl. USt) um 1,3% unter den Werten des Vorjahres zu liegen. Für gentechnikfrei hergestellte Qualitätsmilch wurden Durchschnittserlöse von 33,73 (4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, ohne USt) erzielt (- 0,9%). Insgesamt kann somit von einer weitgehenden Stabilisierung auf den Milchmärkten gesprochen werden. Die Werte im Feber 2019 lagen bei 42,97 Cent/kg (natürliche Inhaltsstoffe inkl. USt) bzw. 34,35 Cent/kg (konventionelle Milch 4,0% Fett, ohne USt).
Über das gesamte Jahr verzeichnete die Anlieferung ein Plus von 2,3% auf € 3,4 Mio. Tonnen. Deutlich gestiegen ist die Biomilch, diese erreichte mit einem Anteil von 17,9% einen neuen Rekordwert von 569.000 t. Auch in unseren wichtigen Außenhandelsländern ist der Bioanteil deutlich gestiegen, wenn auch dort auf einem deutlich niedrigeren Niveau (ca. 3,5% in Deutschland!).

Umsätze der Molkereien leicht gesteigert

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2018 um ca. 3,0% auf € 2,8 Mrd. gestiegen. Zuwächse gab es mengenbedingt und im Export. Das Ergebnis der österreichischen Molkereien vor Steuern (EvS) bezogen auf den Umsatz kam im Jahr 2018 mit 0,6% auf einem sehr niedrigen Niveau zu liegen, das heißt, dass aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks die getätigten Investitionen daraus nicht finanziert werden konnten.

Durchschnittliches Milchgeld gestiegen

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Landwirt lag mit € 53.290,- um € 2.454,- über dem Vergleichswert des Vorjahres und brachte trotz geringer Preisrückgänge eine leichte Verbesserung bei den bäuerlichen Einkommen, die neben der Produktion viele weitere wertvolle Leistungen abgelten.

Strukturwandel geht weiter

Die Anzahl der Lieferanten ging im Jahr 2018 von 27.600 auf 26.600 um 3,6% zurück. Mit 20 Kühen je Betrieb im Durchschnitt haben wir in Österreich im EU-Vergleich überschaubare und kleine Strukturen. Auch die durchschnittliche Milchlieferleistung von 6.363 kg je Kuh liegt deutlich unter den Vergleichswerten der intensiven Milchproduktionsländer. Dies verdeutlicht die nachhaltige Produktionsweise in der österreichischen Milchwirtschaft. Die durchschnittliche Milchanlieferung je Landwirt stieg von 120 auf 127,5 Tonnen.

Höherer Gesamtverbrauch von Milchprodukten in Österreich

2018 war beim Absatz von Milchprodukten gemäß RollAMA eine differenzierte Entwicklung feststellbar. Mehr Absatz gab es bei Käse und Butter, kleinere Rückgänge bei Trinkmilch und Fruchtjoghurts, insgesamt ist auch ein höherer Milcheinsatz in Verarbeitungs- und Fertigprodukten feststellbar.

Exporte weiter gestiegen

Österreichs Milchwirtschaft konnte im Jahr 2018 im Außenhandel einen neuen Rekordwert mit einem Gesamtexportwert von € 1,23 Mrd. verbuchen. Ebenfalls gestiegen sind die Importe auf € 831 Mio., was ein positives Außenhandelssaldo von € 401 Mio. ergibt. Damit leistet die heimische Milchwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung in den ländlichen Regionen. Dies entspricht einer Exportquote von 44% und einer Importquote von knapp 30%, und zeigt, wie hoch der internationale Wettbewerb am Milchmarkt ist, vor allem aber untermauert es die Argumentation der heimischen Milchwirtschaft nach einer praktikablen und wirkungsvollen Herkunftskennzeichnung.

Käse wichtigstes Exportprodukt

Wichtigstes Außenhandelsprodukt ist Käse: 152.000 Tonnen wurden um € 617 Mio. exportiert, 121.000 Tonnen um € 476 Mio. importiert. Gestiegen sind sowohl Importe als auch Exporte, wobei die Durchschnittserlöse im Export leicht zulegen konnten und die Importpreise leicht zurückgingen. Zweitwichtigste Exportgruppe sind flüssige Milchprodukte, hier kam es exportseitig zu einem Rückgang auf 655.000 Tonnen oder € 289 Mio.. Gefallen sind die Versandmilchmengen, was Hinweise auf die höhere Verarbeitungstiefe in Österreich gibt. Gestiegen sind jedoch die Importe im Ausmaß von 207 Mio. Tonnen um € 111 Mio.. Drittwichtigste Gruppe ist der Bereich fermentierte Milchprodukte wie z.B. Joghurt. Hier gab es leichte mengenmäßige Rückgänge bei leicht steigenden Preisen im Export, ähnlich gab es rückläufige Importmengen. Die Molkeexporte sind bei leicht rückläufigen Mengen auf € 104 Mio. gestiegen, die Importe an Molkeprodukten betrugen € 47 Mio.. Bei Butter kam es zu Importen von 17.500 Tonnen, während 3.700 Tonnen exportiert wurden.
Wichtigste Export- und Importländer waren Deutschland und Italien. Besondere Steigerungen waren im Export nach China mit einem Gesamtwert von € 28,4 Mio. festzustellen, China hat sich mittlerweile zum weltweit wichtigsten Milchimportland entwickelt. Wesentlich konnten auch die Exporte in angrenzende MOEL-Länder gesteigert werden.

Qualitätsstrategie auch im Außenhandel

Die hohe Qualität der heimischen Milchprodukte ist immer stärker ein wichtiges Verkaufsargument im Ausland. Die österreichische Qualitätsstrategie wird auch international immer mehr geschätzt.

Qualitätsstrategie weiter ausgebaut

Die österreichische Milchwirtschaft ist stolz auf die hohe Qualität ihrer Milch und Milchprodukte. Im abgelaufenen Jahr wurde die heimische Qualitätsstrategie weiter ausgebaut, vor allem im Bereich Tierwohl. Hier gibt es neue Tierwohlstandards, die weit über die gesetzlichen Erfordernisse hinausgehen. Auch wurde in die Bereiche Nachhaltigkeit und Fütterung investiert. In Österreich ist der Verzicht auf Soja aus Übersee Standard, weiters der Verzicht auf den Einsatz von bedenklichen Pflanzenschutzmitteln. Durch die nachhaltige Produktion ist Österreich auch das Land mit dem EU-weit geringsten CO2-Output je kg Milch (Studie der Europäischen Kommission, Joint Research Center 2001). Die hohe Qualität der heimischen Milch dokumentiert sich in einer immer stärker steigenden Produktdifferenzierung, vor allem mit Programmen mit höchsten Standards z.B. im Bereich Nachhaltigkeit und regionaler Produktion.

Investitionen, Innovationen und Verarbeitungsqualität

Ebenfalls investiert wurde in den Molkereien in moderne Produktionskapazitäten im Ausmaß von ca.     € 155 Mio., um dadurch die Produktqualität und die Wertschöpfung in Österreich zu steigern. Schließlich gelang es den heimischen Molkereien Innovationen auf den Markt zu bringen, sei es im Bereich Verpackung durch die Glasflasche oder durch Käsespezialitäten auf höchstem, international prämiertem Niveau. Mit dieser kompromisslosen Qualitätsstrategie ist Österreich in vielen Bereichen führend. Der Konsument hat damit die beste Gewähr für höchste Qualität und Vielfalt. Die Milchwirtschaft erwartet dafür, dass diese erhöhten Leistungen eine Abgeltung erfahren, um auch dauerhaft gesichert zu sein.
„Österreich entwickelt sich damit immer mehr zu einem Land mit hoher Käsekultur, die immer breitere Resonanz findet.“, so Dir. Helmut Petschar.

Schwierige Wettbewerbssituation in der Lebensmittelkette

Die nach wie vor steigende Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel hat mittlerweile zu einer öffentlichen Diskussion betreffend unfaire Handelspraktiken und Bekämpfung diverser Auswüchse geführt. Für die heimische Milchwirtschaft ist es eine stetige Herausforderung, für objektiv höhere Qualitätsstandards eine entsprechende Abgeltung zu erhalten. Hier konnten im abgelaufenen Jahr nicht alle Ziele erreicht werden, es bleibt zu hoffen, dass diese Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene ein neues Bewusstsein und eine wirksame Verbesserung für Verarbeiter und letztlich die heimischen Milchbauern bringen werden. Bedauerlich aus Sicht der Milchverarbeiter und der Milchbauern ist, dass der Marktanteil der Handelsmarken zulasten der Herstellermarken weiter ansteigt.

Brexit: Schäden vermeiden

Das Thema Brexit hat für die Milchwirtschaft eine hohe Relevanz, zumal das Vereinigte Königreich mit ca. 480.000 Tonnen Käse und 90.000 Tonnen Butter und großen Rohmilchmengen der größte Importeur von Milch- und Milchprodukten in der Europäischen Union ist. Daher ist weiterhin ein geordneter Zugang zum britischen Markt von besonderer Bedeutung. Angesichts des nicht vorhersehbaren Ausgangs der Brexitdiskussion im Vereinigten Königreich bereitet sich die Milchwirtschaft auf einen harten Brexit vor, erwartet aber von den politischen Verhandlungen möglichst rasch Klarheit betreffend künftigem Marktzugang nach Großbritannien. Dieser hat aus Sicht der Milchwirtschaft oberste Priorität.

Maßnahmenprogramm für die heimische Milchwirtschaft

Die heimische Milchwirtschaft hat aufgrund der hohen Qualität der Produkte und der hohen ernährungsphysiologischen Wertigkeit der Milchprodukte nach wie vor Potential im In- und Ausland, das insbesondere durch folgende Maßnahmen realisiert werden kann:

  • Passende Rahmenbedingungen für die österreichische Milchwirtschaft, die auf Nachhaltigkeit und Qualität setzt, im Rahmen der Neugestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik
  • Verbesserung der Wettbewerbssituation der Landwirte und Lebensmittelverarbeiter in der Lebensmittelkette, vor allem durch eine Vermeidung von unfairen Handelspraktiken und systematischer wettbewerbsrechtlicher Nachteile,
  • Unterstützungsmaßnahmen bei strukturbedingten höheren Kosten (z.B. Milchanfuhrkosten),
  • Maßnahmen zur Absicherung und zum weiteren Ausbau des Milchstandorts Österreich als wesentlicher Wirtschaftszweig und Stabilitätsfaktor im ländlichen Raum,
  • Unterstützung beim Ausbau und der Modernisierung der Be- und Verarbeitungsanlagen, um dadurch mehr Beschäftigung und Wertschöpfung im Land zu haben,
  • Schaffung von günstigen Außenhandelsregelungen,
  • wirksame und praktikable Herkunftskennzeichnung, die auch Importprodukte umfasst,
  • Vermeidung von negativen Auswirkungen aus dem Brexit,
  • Unterstützung von Qualitätsproduktion und Tierwohlstrategien,
  • Praxisorientierte Umsetzung bei der Antiplastikstrategie

Aussichten 2019

Der Milchmarkt 2019 ist insgesamt nicht schlecht gestartet. Die geräumten Interventionslager sowie international gute Nachfrage geben derzeit etwas Hoffnung für den Milchmarkt. Gefahren lauern in einem ungeordneten Brexit und den damit möglichen Marktverwerfungen, sowie in möglichen internationalen Handelskriegen.
„Der wesentliche Teil der weiteren Entwicklung für die heimische Milchwirtschaft ist die Bereitschaft des österreichischen Handels und der heimischen Konsumenten, die Qualitätsstrategie der heimischen Milchwirtschaft mitzutragen und dass diese auch eine entsprechende Abgeltung erfährt. Dies umfasst auch die gestiegenen Kosten, mit denen die heimischen Milchverarbeiter und Milchbauern im heurigen Jahr konfrontiert sind.“, schloss Dir. Petschar.

 

Weitere Informationen:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/90664-2558, eMail: voem@netway.at