VÖM-Pressekonferenz: Bilanz 2006 und Ausblick 2007
Geht die Zeit billiger Nahrungsmittel zu Ende?

 

2006: Ein Jahr mit     stabiler Entwicklung

Das Jahr 2006 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr mit stabiler  Entwicklung.  Während  der  Inlandskonsum  verhalten  war, konnte auf den Exportmärkten neuerlich zugelegt werden. Die dritte Absenkung der Interventionspreise im Rahmen der EU-Agrarreform war vor allem bei Butter spürbar. Positive Entwicklungen zeigten der Käsemarkt sowie der Markt für ESL-Milch.

 

Umsatz verbessert,  Ergebnis verschlechtert

Die Umsätze der Milchverarbeiter konnten 2006 mit 1,84 Milliarden Euro (2005: 1,76) um 5 Prozent zulegen. Die Milchanlieferung lag 2006 mit 2,673 Mio. to um 2,0 Prozent über dem Niveau von 2005. Das EGT lag bei 1,1 Prozent (2005: 1,5). Auch der Cash Flow verringerte sich von 5,4 Prozent auf 4,5 Prozent. Der Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch konnte um  2,5 Prozent auf 64,03 Cent verbessert werden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ. Kostensteigerungen waren in den Bereichen Energie, Verpackungen und Transport zu verzeichnen. In Anbetracht dieser Entwicklung sind Anpassungen der Milchproduktenpreise erforderlich.

 

Erzeugerpreise verbessert

Gut geschlagen haben sich die österreichischen Molkereien im letzten Jahr bei den Bauernmilchpreisen. Der Vergleichswert für Milch mit 4,2 Prozent Fett und 3,35 Prozent Eiweiß exkl. Mehrwertsteuer, ein Wert, der den tatsächlichen Inhaltsstoffen am Nächsten kommt, konnte von 29,29 Cent/kg auf 29,83 Cent/kg erhöht werden. Dies stellt eine sehr gute Leistung der österreichischen Milchwirtschaft dar, waren doch im internationalen Vergleich, z.B. Bayern, Deutschland, u.a. EU-Länder, durchwegs Preiseinbußen bei den Milchauszahlungspreisen zu verzeichnen. Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, weil es im Juli 2006 zu einer neuerlichen Absenkung der Interventionspreise für Magermilchpulver um 5 Prozent sowie für Butter um 7 Prozent gekommen ist.

 

Einkommensentwicklung für Landwirte verbessert

Die österreichischen Milchverarbeiter freuen sich, dass die Milchauszahlungspreise für unsere Bauern somit auch im dritten Jahr – trotz der institutionellen Preisabsenkungen - gehalten bzw. verbessert werden konnten. 2006 gab es neuerlich eine positive Entwicklung bei den bäuerlichen Einkommen durch eine Erhöhung der Preise als auch durch die Milchprämie der EU. „Diese Verbesserung ist auch äußerst notwendig, um die noch immer vorhandenen deutlichen Strukturnachteile und Kostensteigerungen abzufedern“, stellte Geislmayr fest.

 

 

Österreichische Milchpreise über EU-Durchschnitt

Österreichs Milchpreise liegen über dem EU-Durchschnitt, dies ergeben sowohl die offiziellen Daten der Europäischen Kommission, die allerdings noch nicht für alle Mitgliedsstaaten vorliegen, als auch der renommierte internationale Milchpreisvergleich der LTO Niederlande. Er kommt für das abgelaufene Jahr auf 27,89 Cent pro Kilogramm im Durchschnitt (Preisbasis 4,2 Prozent Fett, 3,35 Prozent Eiweiß, ohne Steuern, Anlieferung 350.000 Kilogramm/Jahr), der österreichische Wert auf gleicher Basis liegt bei 29,83 Cent pro Kilogramm (+1,94 Cent/kg). Die ZMP errechnet für Deutschland bei Standardmilch (3,7 Prozent Fett/3,4 Prozent Eiweiß) einen Rückgang von 27,60 Cent/kg auf 27,35 Cent/kg (- 0,91 %), während der österreichische Vergleichswert hier von 27,95 Cent/kg auf 28,54 Cent/kg um 2,11 Prozent gestiegen ist. Der österreichische Preis liegt damit 1,19 Cent über dem in Deutschland.

 

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2006 von 48.200 auf ca. 45.000 (- 6,5 %) zurück. Das durchschnittlich erlöste Milchgeld je Milchlieferant lag bei 19.891,-- Euro, zusätzlich erhält jeder Landwirt im Schnitt 2.050,-- Euro Milchprämie. Diese Milchprämie wurde durch Umwandlung von Exportstützungsmitteln finanziert und wird ab heuer von der tatsächlichen Milchlieferung entkoppelt. Die Gesamteinnahmen je Milchbauer aus der Milchwirtschaft sind dadurch nach Abzug der Superabgabe von 18.747,-- Euro auf ca. 21.370,-- Euro (+ 14,0 %) gestiegen.

 

 

Marktentwicklung 2006

Während der heimische Milchmarkt im abgelaufenen Jahr beim Verbrauch eine verhaltene bis stabile Entwicklung zeigte (Daten aus RollAMA), in den einzelnen Segmenten mit durchaus unterschiedlichem Ergebnis, so konnten die österreichischen Molkereien im abgelaufenen Jahr trotz des hohen Wettbewerbs vor allem auf den Exportmärkten erfreuliche Zuwächse erlangen.

 

Weiße Palette - Inland

Die Weiße Palette zeigte im abgelaufenen Jahr eine deutliche Verschiebung: Traditionelle Frischmilch hatte eine rückläufige Mengenentwicklung von minus 13,9 Prozent, dafür konnte die länger frische ESL-Milch um 39 Prozent zulegen. Insgesamt zeigte die Weiße Palette einem wertmäßigen Rückgang von 1,9 Prozent, mengenmäßig von 3,4 Prozent. Mengenmäßige Rückgänge gab es auch bei der sogenannten Bunten Palette (minus 3,5 Prozent) und der Gelben Palette.

 

Käse - Inland

Bei Käse gab es mengenmäßig eine leicht positive Entwicklung auf 64.800 Tonnen (+ 0,6 Prozent) mit einem wertmäßig stabilen Ergebnis. Insgesamt konnten im Lebensmitteleinzelhandel im abgelaufenen Jahr laut RollAMA Milchprodukte im Wert von 1,3 Milliarden Euro abgesetzt werden.

 

Bei näherer Betrachtung der Vertriebswege im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel zeigt sich, dass der Diskont nach wie vor erheblich zulegt. Neben einer positiven Entwicklung des Biomilchabsatzes und einer stabilen Entwicklung bei anderen Biomilchprodukten, entstehen eine Reihe von neuen Vermarktungsschienen für Milch mit speziellen Qualitätskriterien.

 

Erfolgsstory Aussenhandel geht weiter

Weiterhin äußerst erfreulich hat sich im Jahr 2006 die Entwicklung des milchwirtschaftlichen Aussenhandels gezeigt. Exporten von 786 Mio. Euro (+ 8,1 %) standen Importe im Ausmaß von 424 Mio. Euro (+ 3,5 %) gegenüber. Der daraus resultierende Aussenhandelssaldo konnte auf 362 Mio. Euro um 14 Prozent erhöht werden. Der Aussenhandelssaldo der österreichischen Milchwirtschaft hat sich nunmehr seit dem Jahr 1994 auf das zwanzigfache des Ausgangswertes gesteigert. Mit einer Exportquote von 42,7 Prozent und einer Importquote von 23 Prozent hat sich die österreichische Milchwirtschaft in der Europäischen Union als wichtiges Milch-Exportland etablieren können und trägt damit auch einen wesentlichen Beitrag zum positiven Aussenhandelssaldo der österreichischen Lebensmittelwirtschaft bei.

 

Export flüssige Produkte

Der Export flüssiger Milchprodukte konnte vor allem durch eine deutliche Zunahme von Verarbeitungs-produkten auf 213 Mio. Euro (+ 11,8 %) gesteigert werden.

 

Export fermentierte Milchprodukte

Fermentierte Milchprodukte wurden im Ausmaß von 158 Mio. Euro (+ 22 %) exportiert, Zuwächse gab es auch bei den Importen um 10 Prozent auf nunmehr 45 Mio. Euro, somit allerdings deutlich weniger als bei den Exporten.

 

Auffallend sind in diesem Bereich vor allem die Importe renommierter internationaler Hersteller mit Produktionsstätten in Polen und Tschechien, die auf dem österreichischen Markt mit großem Werbedruck vermarkten. Dennoch beträgt der Wert der exportierten Ware dieser Kategorie mehr als das dreieinhalbfache der Importe.

 

Aussenhandel

Butter

Der Import von Butter blieb mengenmäßig auf hohem Niveau bei 13.200 to (- 0,25 %). Leichte Zuwächse gab es auch bei den Exporten auf 2.600 to bzw. 9,5 Mio. Euro. Der hohe Import bei Butter resultiert aus den im letzten Jahr nach wie vor erfolgten Importen für Eigenmarken der Handelsketten sowie für die Verarbeitungswirtschaft.

 

Käse – wichtigster Exportartikel

Wichtigster Sektor für den milchwirtschaftlichen Aussenhandel ist der Käsemarkt. Hier konnten die Exporte von 85.000 to auf 87.000 to erhöht werden, ebenfalls die Exporterlöse (+ 2,4 %). Bei den Importen gab es einen mengenmäßigen Rückgang um 5 Prozent auf 72.500 to, mit Erlösen von 247 Mio. Euro. Nach wie vor exportiert Österreich deutlich mehr und höherwertigeren Käse als importiert wird.

 

 

Aussenhandel mit neuen
Mitgliedsstaaten

Der Aussenhandel mit den neuen Mitgliedsstaaten zeigt eine sehr dynamische Entwicklung. Die Exporte konnten um über 30 Prozent auf 35,9 Mio. Euro gesteigert werden, bei den Importen gab es einen Zuwachs um 15,9 Prozent auf nunmehr 38,6 Mio. Euro. Österreich ist damit auf gutem Weg den bestehenden Aussenhandelssaldo mit den neuen Mitgliedsstaaten ins Positive zu drehen, er konnte im letzten Jahr mehr als halbiert werden. Importzuwächse gab es nach wie vor bei fermentierten Milchprodukten (+ 40,8 %), bei den Exporten gab es die größten Zuwächse bei Käse (+ 35 %) sowie bei fermentierten Milchprodukten (+ 58 %). Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass für die österreichische Milchwirtschaft der Aussenhandel sehr wichtig ist und Österreich mit seiner Qualitätsstrategie auf ausländischen Märkten erfolgreich unterwegs ist.

 

Ausblick 2007

 

 

 

 

 

 

Milchquote so lange als möglich beibehalten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Intervention: keine weitere Reduktion

Für die Milchwirtschaft steht im heurigen Jahr der Healthcheck mit einem Vorschlag zur Milchquote ins Haus. Es gibt derzeit in der europäischen Kommission und unter vielen Mitgliedsländern die Meinung, das Milchquotenregime nach 2015 nicht zu verlängern und bereits vor dem Auslaufen der Quote schon frühzeitig Liberalisierungsschritte zu setzen.

 

„Die österreichischen Milchverarbeiter fordern die Verhandler auf, keine derartigen Maßnahmen zu setzen, die die Milchmärkte nachhaltig destabilisieren könnten und somit den Produktionsstandort Österreich mit seinen schwierigen Standortbedingungen benachteiligen würden. Gleichfalls dürfen bei den noch immer nicht

 

abgeschlossenen WTO-Verhandlungen den internationalen Handelspartnern keine weiteren Marktvorteile zugestanden werden. Schließlich gilt es für eine positive Entwicklung der heimischen Milchwirtschaft verbesserte Standortbedingungen zu schaffen, z.B. durch ein entsprechendes Angebot im Förderungsbereich oder durch verbesserte rechtliche Voraussetzungen in der Milchlogistik“, betonte Geislmayr.

 

Anfang Juli d.J. steht die vierte Absenkung der Interventionspreise für Butter ins Haus. Die österreichschen Milchverarbeiter erwarten sich bei der Intervention, dass dieses wichtige Marktinstrument in ihrer Wirksamkeit abgesichert und nicht leichtfertig ausgehöhlt wird. Ohne Intervention könnte der nunmehr ins Gleichgewicht gekommene EU-Milchmarkt bei normaler Anlieferungsentwicklung und international ungünstiger Entwicklung leicht wieder aus dem Gleichgewicht geraten.

Vom derzeit diskutierten Minipackage zur Reform der Milchmarktordnung erhoffen die österreichschen Molkereien eine Harmonisierung der Rechtsstandards in den einzelnen Mitgliedsstaaten. In Österreich muss das MOG bis 1. Juli repariert werden. Wir hoffen, dass es dabei zu keiner Verspätung kommt.

 

Im Bereich der Ernährungspolitik steht eine Reihe von Änderungen ins Haus, die auch für die Milchwirtschaft sehr wichtig sind. Hier geht es darum, in der Umsetzung all dieser Maßnahmen Voraussetzungen zu schaffen, die den

 

 

hohen ernährungsphysiologischen Wert der österreichischen Milchprodukte für unsere Konsumenten auch offensichtlich machen und so den Konsumenten eine verbesserte und zweckmäßige Information über den Wert gesunder Lebensmitteln ermöglichen.

 

Zum Schluss darf noch erwähnt werden, dass sich bereits heute der Großteil der österreichischen Milchbauern bereit erklärt hat, auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten und sich dafür auch eine entsprechende weitere Preisverbesserung erwartet.

 

 

 

 

 

                                                Weitere Informationen:

 

                                                Mag. DI Johann Költringer

                                                VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter

                                                Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at