Österreichische Milchwirtschaftliche Tagung in Saalfelden: Die österr. Milchwirtschaft 2006

1. Positive Bilanz für die österreichische Milchwirtschaft  

Eine durchaus positive Bilanz zur aktuellen Entwicklung der österreichischen Milchwirtschaft im Jahr 2006 legte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, DI Hans Steiner. So ist es den österreichischen Molkereien gelungen, sowohl auf den Heimmärkten als auch im Ausland beachtliche Erfolge einzufahren. Die Exportquote wurde gesteigert und auch die Preise für die österreichischen Milchbauern konnten anders als in den meisten EU-Mitgliedsstaaten verbessert werden, was auch einen positiven Beitrag zur Einkommensentwicklung bei den österreichischen Milchbauern bedeutet. 

 

2. Österreichischer Milchmarkt 2006: Stabile Entwicklung 

Die Marktlage am österreichischen Milchmarkt kann weitgehend als stabil bezeichnet werden. Am Inlandsmarkt gab es keine großen Bewegungen, im Export konnten neuerlich positive Impulse verzeichnet werden, die auch positive Signale auf den österreichischen Milchmarkt, z.B. im Biobereich, bewirkt haben. 

 

3. Positive Entwicklung bei den Bauernpreisen 

Anders als in anderen EU-Mitgliedsländern konnte im heurigen Jahr der Auszahlungspreis an die Bauern nicht nur stabil gehalten werden, sondern im ersten Halbjahr auch um 0,9 % nach oben bewegt werden. Gleichzeitig gab es im benachbarten Ausland, z.B. In Deutschland, ein Minus von 1,6 %, in Bayern ein Minus von 2,7 %, was die gute Performance der österreichischen Milchwirtschaft unterstreicht. Für die Bauern ist weiters die Milchprämie von ca. 3,60 Cent pro Kilogramm für das Jahr 2006 von Bedeutung, was in Summe eine erfreuliche Verbesserung der bäuerlichen Einkommen in der Milchwirtschaft ergeben wird.  

Den österreichischen Molkereien ist es somit seit Inkrafttreten der EU-Marktordnungsreform mit bisher drei institutionellen Preisabsenkunken gelungen, die Erzeugerpreise stabil zu halten, die Milchprämie sorgte zusätzlich für dringend erforderliche Einkommenszuwächse. 

Der Strukturwandel in der Milchwirtschaft setzt sich weiterhin fort. Im Jahr 2006 liefern 48.200 Milchbauern (2005: 51.000) im Durchschnitt 54,3 Tonnen an 90 Be-und Verarbeitungsbetriebe mit 104 Betriebsstätten. Dort wiederum wird mit ca. 4.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 1,76 Mrd. € erwirtschaftet. Dies bedeutet, dass in Österreich ein überschaubarer Strukturwandel stattfindet, Strukturbrüche konnten trotz der deutlich kleineren Strukturen im Vergleich zum Ausland vermieden werden, auch ist beachtlich, dass die österreichische Milchwirtschaft trotz der kleineren Strukturen mit deutlich erhöhten Kosten, z.B. in der Milcherfassung plus 1,5 Cent im Vergleich zu Bayern und Deutschland dennoch bessere Auszahlungspreise erwirtschaftet.  

 

4. Österreichs Milchwirtschaft setzt auf Qualitätsprodukte 

Die Entwicklung in der Produktion von Milchprodukten zeigt eindeutig auf, dass immer mehr höherwertige Milchprodukte gefragt werden. So ist z.B. im Bereich der flüssigen Milchprodukte die Produktion von sogenannten Mischtrunkerzeugnissen, die den modernen Verbrauchertrends optimal entsprechen, weiterhin steigend, auch im Käsebereich setzen die österreichischen Hersteller mit Erfolg auf höhere Qualitäten, dies gleichfalls bei Butterspezialitäten.  

Eindeutiger Indikator dafür ist, dass im Außenhandel grundsätzlich höherwertigere Produkte exportiert werden, importiert wird vielmehr billigere Massenware, die dann im Lebensmittelhandel als Billigprodukte oder in der Verarbeitungsindustrie konkurriert. Österreichs Milchwirtschaft ist es auch gelungen ihre Strukturbedingungen für eine diversifizierte Produktion mit Spezialqualitäten auszunutzen.  

 

5. Export: Weiterhin sehr erfolgreich 

Der milchwirtschaftliche Außenhandel ist auch im heurigen Jahr wieder sehr positiv angelaufen. So konnte im ersten Halbjahr dieses Jahres ein neuerlicher Exportrekord bei Milchprodukten mit 397 Mio. Euro erzielt werden (+ 12,1 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres), importiert wurden Milchprodukte im Wert von 208 Mio. Euro (+ 8,5 %). Daraus resultiert ein neuer Exportrekordsaldo im Ausmaß von 189 Mio. Euro für die ersten sechs Monate dieses Jahres, was ein Plus von 16,3 % bedeutet. Diese Zahlen belegen eindeutig, dass die österreichische Milchwirtschaft auch im Export weiterhin erfolgreich ist. Die deutlichsten Zuwächse im Export gab es vor allem bei Sauermilch und anderen fermentierten Produkten, bei Käse konnte ein neuer Rekordwert erreicht werden. Importseitig gab es vor allem Zuwächse bei Butter sowie bei Käse.  

 

6. Kostensteigerungen in der österreichischen Milchwirtschaft 

Vor allem auf Grund der hohen Energie- und Rohstoffpreissituation ist die österreichische Milchwirtschaft mit massiven Kostensteigerungen konfrontiert, die auf Grund der besonders knappen Kalkulation in den Molkereien von diesen nicht mehr getragen werden können. Es ist daher zu erwarten, dass die einzelnen Molkereien in absehbarer Zeit Preisanpassungen vornehmen werden müssen.  

 

7. EU-Markt 

Die Milchanlieferung ist in der EU im heurigen Jahr trotz der um 0,5 % erhöhten Quote unter den Erwartungen geblieben, man rechnet derzeit, dass die Anlieferung im Vergleich zum Vorjahr sogar auf einen Wert von 131 Mio. Tonnen leicht zurückgehen wird. Ob die EU-Produktionsquoten im heurigen Milchwirtschaftsjahr insgesamt erreicht werden können, ist derzeit fraglich. Dies brachte auch eine Entspannung auf dem Markt. Die Europäische Kommission hat diese Gelegenheit sowie die weltweit entspannte Preissituation dazu genutzt, die Exporterstattungen massiv zu reduzieren bzw. in einzelnen Bereichen bereits ausgesetzt. 

Der Rückgang in der Milchmenge am EU-Markt bei gleichzeitiger wachsender Nachfrage auf dem EU-Markt hat trotz leicht rückläufigen Exporten dem europäischen Milchmarkt Stabilität verliehen. Trotz massiver Einsparungsmaßnahmen bei Erstattungen für eiweißbetonte Produkte wird vor allem im Fettbereich noch länger eine höhere Marktstützung erforderlich sein. 

 

8. EU-Marktordnungspolitik: Stabilität auf dem Milchmarkt nicht gefährden! 

Nachdem die WTO-Verhandlung zur internationalen Handelsliberalisierung vorläufig unterbrochen sind und derzeit niemand weiß, ob bzw. wie hier weiterverhandelt werden soll, ist es höchst an der Zeit, dass die EU nicht weiterhin einseitige Liberalisierungsschritte setzt, die die Stabilität am europäischen Milchmarkt gefährden könnten. So ist vielmehr Vorsorge zu tragen, dass einzelne Marktordnungsinstrumente der Milchmarktordnung nicht einseitig aufgegeben werden, denn diese werden bei ungünstiger Marktentwicklung wieder dringend notwendig sein (z.B. Exporterstattungen). Auch darf die EU nicht einseitige Liberalisierungsschritte zu wichtigen Außenhandelspartnern setzen, wenn diese kein Entgegenkommen ihrerseits signalisieren. Schließlich geht es darum, dass zu einem anstehenden Midterm Review der gemeinsamen Agrarpolitik, der unter dem Namen „Healthcheck“ im nächsten oder übernächsten Jahr zu erwarten ist, Planungssicherheit für den Milchmarkt gegeben wird und nicht weitere Liberalisierungsschritte, etwa mit der Abschaffung der Quote, wie dies von mehreren Mitgliedsstaaten leichtfertig gefordert wird, gesetzt werden. Die Europäische Union sollte auch weiters dafür Vorsorge tragen, dass europäische Milchprodukte im Welthandel nicht benachteiligt werden und den Exporteuren eine entsprechende Unterstützung für die Markterschließung zuteil wird.  

 

9. Ernährungspolitik 

Auf europäischer Ebene sind eine Reihe von wichtigen ernährungspolitischen Vorhaben in Vorbereitung: die österreichische Milchwirtschaft begrüßt eine sachlich fundierte Vorgangsweise in der Ernährungspolitik, Milch ist ein hervorragendes Lebensmittel, das von der Natur mit vielen wichtigen Nährstoffen ausgestattet ist. Technologische Fortschritte in der Milchverarbeitung und die Entwicklung innovativer Produkte bringen für das Lebensmittel Milch neue und verbesserte Absatzchancen, die auch für die österreichische Milchwirtschaft als neue Chance gesehen wird. Neue Regularien sollten zu einer sachlichen Konsumenteninformation führen, sie muss aber administrierbar sein, darf für Milchprodukte nicht diskriminierend sein und muss unnötige Bürokratie vermeiden. 

Milch wird auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag in einer gesunden Ernährung spielen, ein höheres Ernährungsbewusstsein eröffnet für Milchprodukte neue Chancen. 

 

10. Österreichischen Weg weiter fortsetzen 

Der österreichischen Milchwirtschaft ist es auch unter Anerkennung im Ausland seit dem EU-Beitritt gelungen, sich auf den Märkten - trotz härtesten internationalen Wettbewerb - erfolgreich den Platz zu erkämpfen. Dies gelang durch hohe Qualität in der Produktion, beginnend am Bauernhof, in der Verarbeitung sowie im Handel, durch Regionalität, durch Kooperationen sowie durch Innovationen. Die bisherigen Erfolge sind uns Ansporn, diesen Weg auch weiterhin zum wohl der Milchbauern und Verbraucher umzusetzen.