VÖM-Pressekonferenz: Österreichs Milchwirtschaft hat im Jahr 2005 erfolgreich gewirtschaftet

2005: Ein Jahr mit stabiler Entwicklung

Das Jahr 2005 war für die österreichische Milchwirtschaft neuerlich ein Jahr mit stabiler Entwicklung. Während der Inlandskonsum verhalten war, konnte auf den Exportmärkten neuerlich zugelegt werden. Die zweite Absenkung der Interventionspreise im Rahmen der EU- Agrarreform war vor allem bei Butter deutlich spürbar. Positive Entwicklungen zeigten der Käsemarkt sowie der Markt für Frischeprodukte.

 

Betriebswirtschaftliche Ergebnisse der Molkereien 2005

Die Umsätze der Milchverarbeiter konnten 2005 mit 1,76 Milliarden Euro (2004: 1,74) leicht zulegen. Die Milchanlieferung lag 2005 mit ca. 2,62 Mio. to in etwa auf dem Niveau von 2004. Das EGT lag bezogen auf die Betriebsleistung bei 1,3 % (2004: 1,7). Der Cash Flow verringerte sich leicht von 5,5 Prozent auf 5,1 Prozent. Der Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch konnte um 1,5 Prozent auf 62,82 Cent verbessert werden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ. Den Betrieben ist es somit großteils gelungen, die Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Verpackungen und Transport abzufangen.

 

Erzeugerpreise verbessert

Vorbildlich geschlagen haben sich die österreichischen Molkereien im letzten Jahr bei den Bauernmilchpreisen. Der Vergleichswert für Milch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß inkl. Mehrwertsteuer, ein Wert, der den tatsächlichen Inhaltsstoffen am Nächsten kommt, konnte von 32,93 Cent auf 33,02 Cent leicht erhöht werden. Dies stellt eine hervorragende Leistung der österreichischen Milchwirtschaft dar, waren doch im internationalen Vergleich, z.B. Deutschland, Holland, Frankreich u.a. EU- Länder, durchwegs Preiseinbußen bei den Milchauszahlungs-preisen zu verzeichnen. Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, weil es im Juli 2005 zu einer neuerlichen Absenkung der Interventionspreise für Magermilchpulver um 5 Prozent sowie für Butter um 7 Prozent gekommen ist.

 

Zusätzlich ist zu beachten, dass im Jahr 2005, die Milchprämie auf 2,36 Cent angehoben wurde (2005: 1,18 Cent), woraus sich für die Landwirte eine Verbesserung beim Milchgeld um ca. 1,2 Cent ergab.

 

„Die österreichischen Milchverarbeiter freuen sich über diese erfreuliche Entwicklung beim Milchauszahlungspreis, der somit für unsere Bauern im Jahr 2005 um 1,2 Cent, aber auch schon im Jahr 2004 um 1 Cent je Kilogramm verbessert werden konnte. Damit konnte auch eine positive Entwicklung bei den bäuerlichen Einkommen aus der Milchwirtschaft erzielt werden. Insgesamt ist es der Milchwirtschaft seit Inkrafttreten der Agrarreform gelungen, die Interventionspreisabsenkungen weitgehend abzufangen, während die Milchprämie sogar zu Erlösverbesserungen geführt hat“, erklärte Steiner.

 

Österreichische Milchpreise über EU-Durchschnitt

Österreichs Milchpreise liegen auch über dem EU-Durchschnitt, dies ergeben sowohl die offiziellen Daten der Europäischen Kommission, die allerdings noch nicht für alle Mitgliedsstaaten vorliegen, als auch der renommierte internationale Milchpreisvergleich der LTO Niederlande, der die Auszahlungspreise der wichtigsten europäischen Molkereien gegenüber stellt. Er kommt für das abgelaufene Jahr auf 28,53 Cent pro Kilogramm im Durchschnitt (Preisbasis 4,2 Prozent Fett, 3,35 Eiweiß, ohne Steuern, Anlieferung 350.000 Kilogramm), der österreichische Wert auf gleicher Basis liegt bei 29,29 Cent pro Kilogramm (+ 0,76 Cent). Die ZMP er-rechnet für Deutschland bei Standardmilch (3,7 Prozent Fett/3,4 Prozent Eiweiß) einen Rückgang von 27,96 Cent/kg auf 27,60 Cent/kg   (- 0,36 Cent/kg).

 

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten fiel im Jahr 2005 von 51.000 auf nunmehr ca. 48.000, was einen Rückgang um ca. 6 Prozent bedeutet. Das durchschnittlich erlöste Milchgeld je Milchlieferant lag bei 18.006,-- Euro, abzüglich Zusatzabgabe bei 17.587,-- Euro, zusätzlich erhält jeder Landwirt im Schnitt ca. 1.305,-- Euro Milchprämie von der EU. Die Gesamteinnahmen je Milchbauer aus der Milchwirtschaft konnten somit 2005 von 17.330,-- Euro auf ca. 18.892,-- Euro (+ 9 Prozent) verbessert werden.

 

Marktentwicklung 2005

Die Absatzentwicklung auf dem heimischen Milchmarkt zeigte im abgelaufenen Jahr eine insgesamt stabile, in einzelnen Bereichen allerdings differenzierte Entwicklung, wobei sich die österreichischen Produkte gegenüber dem verstärkten Importdruck von Billigware gut behaupten konnten.

 

Weiße Palette

Wertmäßig konnte bei der Weißen Palette insgesamt ein Plus von 2 Prozent, mengenmäßig ein Minus von 1 Prozent erzielt werden, wobei Frischmilch mengenmäßig bei minus 8 Prozent / wertmäßig minus 2 Prozent zu liegen kam. Starke Zuwächse gab es vor allem bei ESL-Milch (57 Prozent Menge / 68 Prozent bei Wert) sowie bei Naturjoghurt (8 Prozent bei Menge / 13 Prozent bei Wert). Das Wachstum bei Milchmischgetränken wurde im letzten Jahr etwas gebremst, die Erklärung dafür könnte im verregneten Sommer liegen. Der Butterabsatz konnte in Österreich gehalten werden, zu beachten ist hier, dass Konkurrenz-produkte Margarine und andere pflanzliche Fette deutliche Einbußen zu verzeichnen hatten.

 

Käse

Bei Käse gab es eine positive Entwicklung bei der Produktion (+ 3 Prozent). Leicht rückläufig war der Inlandskonsum mit – 2,1 Prozent in der Menge und – 1,3 Prozent im Wert. Positiv entwickelten sich Schnittkäse und Hartkäse, rückläufig waren Schmelzkäse und Frischkäse.

Insgesamt konnten im Lebensmitteleinzelhandel im abgelaufenen Jahr Milchprodukte laut Roll AMA im Wert von 1,324 Milliarden Euro abgesetzt werden, gleich viel wie im Vorjahr.

 

Kooperation mit Handel erforderlich

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Frischekampagne

Österreichs Milchwirtschaft ist nach wie vor mit einer stark konzentrierten Handelslandschaft in Österreich konfrontiert. Während der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel in der Entwicklung seit Jahren stagniert, gewinnen die Diskonter zunehmend an Bedeutung. Die hohe Flächen-expansion der Diskonter in den vergangenen Jahren verstärkte den Druck auf den klassischen LEH sowie auf die Markenartikelunternehmen. Der hohe Anteil an Aktionen in den vergangenen Jahren brachte keine verstärkte Kundenbindung zwischen Konsumenten und dem traditionellen Handel.

 

 

Österreichs Milchwirtschaft sieht im Handel den Partner, um den heimischen Konsumenten österreichische Qualität gezielt anzubieten, die Milchwirtschaft freut sich daher, dass es gelungen ist, in Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt Austria Marketing GmbH die neue „Frischekampagne“ weitgehend flächendeckend umzusetzen, damit soll das wichtigste Kaufmotiv der Konsumenten bei Milchprodukten, die Frische, durch heimische Qualität besonders betont werden.

 

Österreichs Milchwirtschaft Qualitätsführer

Österreichische Milch und Milchprodukte sind Qualitätsführer unter allen Lebensmittelgruppen, so eine Umfrage von Fessel im Auftrag der AMA. Dieses soll auch so bleiben, das ist jedenfalls das ständige Bemühen der österreichischen Milchwirtschaft, wenn es um Innovationen und die Hebung der Qualität österreichischer Produkte geht. Wir glauben, dass auf einem zunehmend liberalisierten Markt ohne Grenzen ein Vorsprung für heimische Produkte nur durch Innovation und Qualität gehalten werden kann. Daher sehen die österreichischen Milchverarbeiter auch ihre Verantwortung in den gestiegenen Qualitätsanforderungen der Verbraucher, z.B. in den Segmenten Bio oder Gentechnikfreiheit, engagiert mitzuarbeiten.

 

Exporte gesteigert, Importe verringert

Eine erfreuliche Außenhandelsbilanz konnte im Jahr 2005 verzeichnet werden. Einem neuen Exportrekord im Ausmaß von 725 Millionen Euro (714 im Jahr 2004) standen Importe im Ausmaß von 408 Millionen Euro (427) gegenüber. Dies bedeutet einen neuerlichen Rekordsaldo im Ausmaß von 317 Millionen Euro (287,7), welches die österreichische Milchwirtschaft auf den ausländischen Märkten im abgelaufenen Jahr erwirtschaften konnte.

 

Positive Aussenhandelsbilanz

Die österreichische Milchwirtschaft ist daher auch maßgeblich daran beteiligt, dass die österreichische Lebensmittelwirtschaft im abgelaufenen Jahr erstmalig in ihrer Geschichte ein ausgeglichenes Aussenhandelssaldo erwirtschaften konnte. Gesamtexporten im Ausmaß von 5,96 Milliarden Euro standen Importe von 5,93 Milliarden Euro gegenüber (Zolltarifkapitel 1-24 inkl. Tabak). Die Exportquote der Milchwirtschaft lag bei 41 Prozent (41 Prozent), die Importquote bei 23 Prozent (24 Prozent).

 

Export flüssige Produkte

Ein strukturell rückläufiges Segment stellt der Export flüssiger Milchprodukte dar, diese gingen von 609.000 Tonnen auf 565.000 Tonnen zurück, vor allem der Bereich Tankwagenexporte. Zugelegt hat hingegen der Export von abgepackter Ware. Es gelingt österreichischen Molkereien immer mehr, fertig verarbeitete Ware zu exportieren.

 

Fermentierte Milchprodukte

Bei fermentierten Milchprodukten, Joghurt etc., konnten die Exporte auf hohem Niveau wertmäßig von 129 Millionen Euro auf 131 Millionen Euro gesteigert werden. Gestiegen sind in diesem Segment die Importe von 37 Millionen Euro auf 41 Millionen Euro, die stärksten Zuwächse sind aus den neuen Mitgliedsstaaten Polen und Tschechien zu verzeichnen.

 

Molke und Molkeprodukte

In diesem Segment gab es eine Steigerung von 28 Millionen Euro auf 34 Millionen Euro, mengen- und wertmäßige Zuwächse waren dafür die Gründe.

 

 

Butter

Neuerlich gestiegen sind die Importe von Butter, von 12.300 Tonnen auf 13.400 Tonnen, wobei die Preise für die importierte Ware von 3,14 Euro/kg auf 2,88 Euro/kg gefallen sind. Gesteigert werden konnten auch die Exporte, dies allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau von 2.200 Tonnen  auf 2.500 Tonnen, allerdings bei deutlich besseren Preisen (3,77 Euro/kg). Verwendung fanden Importprodukte vor allem in der weiterverarbeitenden Wirtschaft, als auch bei den Eigenmarken der Handelsketten.

 

Käse

Wichtigster Sektor für den milchwirtschaftlichen Aussenhandel ist nach wie vor der Käsemarkt: Die Exporte konnten auf 312 Millionen Euro gesteigert werden (305), die Exportmenge ging von 87.000 Tonnen auf 86.000 Tonnen leicht zurück. Verbesserungen gab es bei den Exportpreisen von 3,52 Euro pro Kilogramm auf 3,65 Euro pro Kilogramm, was bedeutet, dass es den österreichischen Molkereien gelungen ist, mit hochqualitativer Ware sich auf den internationalen Märkten durchzusetzen.

 

Die Käseimporte sind zurückgegangen, sowohl in der Menge auf nunmehr 76.000 Tonnen (82.000 Tonnen), als auch im Wert auf 242 Millionen Euro (267). Gefallen ist auch der Durchschnittspreis der importierten Ware von 3,25 Euro auf 3,20 Euro pro Kilogramm, was bedeutet, dass vor allem billigere Ware ins Land kommt.

 

Neue Mitgliedsstaaten

Der Handel mit den neuen Mitgliedsstaaten zeigt eine sehr dynamische Entwicklung. Die Exporte stiegen von 17 Millionen Euro auf 27 Millionen Euro, die Importe von 15 Millionen Euro auf 32 Millionen Euro, was einen negativen Aussenhandelssaldo von 4,7 Millionen Euro im Jahr 2005 ergibt. Stärkstes Segment bei den stark steigenden Importen sind vor allem die flüssigen Milchprodukte, Joghurtprodukte aus Tschechien und Polen, weiters werden Butter und Milchpulver importiert. Bei den Flüssigprodukten handelt es sich um Markenware von etablierten EU-Herstellern, die mit hohem Werbedruck in Österreich vermarkten, Butter und Milchpulver landen vor allem in der weiterverarbeitenden Industrie.

 

Positiv für Österreichs Aussenhandel mit den Erweiterungsländern entwickelte sich neuerlich der Käsemarkt, dieser konnte allerdings die anderen Segmente nicht ausgleichen. Ländermäßig bestehen negative Importsalden mit Polen, Tschechien und Slowakei, positive Aussenhandelssalden vor allem mit Slowenien, Ungarn und Zypern.

 

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die österreichische Milchwirtschaft auf den internationalen Märkten mit ihrer Qualitätsstrategie gut gefahren ist, es werden durchwegs höherwertigere Produkte exportiert als importiert. Österreichische Ware steht im Ausland für hohe Qualität, importiert wird günstigere Waren, die vor allem in die Weiterverarbeitung gehen oder als Eigenmarken des Handels verkauft werden.

 

Ausblick 2006

Mit großer Sorge verfolgen die österreichischen Milchverarbeiter die WTO-Verhandlungen, die im heurigen Jahr noch abgeschlossen werden sollen. Die bisherigen Verhandlungsergebnisse haben für die Milchwirtschaft einen weiteren deutlichen Liberalisierungsschub eingeleitet, vor allem was das Auslaufen der Exporterstattungen sowie die zugesagte stärkere Öffnung der Märkte für Drittlandsimporte bedeutet.

 

„Die Milchverarbeiter fordern von den Verhandlern, dass jedenfalls keine weiteren Zugeständnisse in der Milchwirtschaft gemacht werden, um nicht neuerlichen Druck auf die europäische Milchwirtschaft zu erzeugen. Die Milchwirtschaft bietet neben der Bereitstellung von Produkten mit nachprüfbarer und höchster Qualität auch eine Vielzahl von ausserwirtschaftlichen Leistungen, die es hier zu berücksichtigen gilt“, betont Hans Steiner. Innerhalb der EU werden zusehends Stimmen laut, die an der Quotenregelung rütteln, auch soll im Jahr 2008 eine Zwischenbewertung der Agrarreform erfolgen. Für die österreichische Milchwirtschaft wäre eine vollständige Liberalisierung und Öffnung zu den Weltmärkten jedenfalls höchst gefährlich.

 

Das Jahr 2006 bringt des Weiteren eine neuerliche Absenkung der Interventionspreise für Pulver und Butter (minus 5/minus 7 Prozent), die Milchprämie wird um 1,18 Cent auf 3,56 Cent erhöht. Inwieweit es der heimischen Milchwirtschaft gelingt, unter diesen verschärften Voraussetzungen seitens der EU-Marktordnung das Milchgeld für die Landwirte unter Einbeziehung der erhöhten Milchprämie zu halten, wird von der Entwicklung auf den Märkten, der Kooperation mit dem Handel sowie den Voraussetzungen auf den Drittlandsmärkten abhängen. Es ist jedenfalls der feste Wille der österreichischen Molkereien und Käsereien – so wie in den letzten Jahren – auch in Zukunft bestmöglich für die österreichischen Konsumenten und Landwirte zu wirtschaften.

 

 

 

 

                                                Weitere Informationen:

 

                                                Mag. DI Johann Költringer

                                                VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter

                                      Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at