Österreichs Bauernmilchpreis lag 2005 über dem EU-Schnitt
Extreme Preisunterschieder innerhalb Europas

Wien, 20. Februar 2006 (AIZ). - Die österreichischen Erzeugermilchpreise lagen im Jahr 2005 im Schnitt über dem EU-Mittel: Wie aus einem internationalen Preisvergleich des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervorgeht, zahlten führende EU-Molkereien im Vorjahr durchschnittlich EUR 28,53 Cent je kg Milch, um 0,7 Cent weniger als 2004. In der Alpenrepublik lag der auf gleicher Basis errechnete Durchschnittswert bei 29,29 Cent. Würde man noch die - auf Grund der klein strukturierten Produktion und der geografischen Benachteiligungen - höheren Erfassungskosten von 1,53 Cent dazurechnen, so käme man auf einen österreichischen Durchschnittswert von 30,82 Cent je kg.

Die von LTO erhobenen EU-Molkereiauszahlungspreise wurden alle auf Basis einer Jahresanlieferung ab 350.000 kg, einem Fettgehalt von 4,20% und 3,35% Eiweiß, einer Keimzahl von 25.000 und einer Zellzahl von 250.000 sowie ohne Umsatzsteuer berechnet. Die dabei berücksichtigten Molkereiunternehmen repräsentieren rund 50% der Milchproduktion in der EU-15.

Sehr große Preisunterschiede in der EU

Betrachtet man die durchschnittlichen Auszahlungspreise des Jahres 2005, so stellt man innerhalb der EU sehr große Preisunterschiede fest. An erster Stelle innerhalb der EU lag 2005 die finnische Kymppi-Gruppe mit einem Jahresdurchschnittspreis von 34,13 Cent. An zweiter Stelle folgte das französische Molkereiunternehmen Danone mit 29,78 Cent. Am unteren Tabellenende rangierten - so wie in den Jahren zuvor - das britische Molkereiunternehmen First Milk mit 24,17 Cent und der auch in Großbritannien tätige skandinavische Molkereiriese Arla Foods mit 26,96 Cent. Unter dem EU-Schnitt lagen auch deutsche Großmolkereien wie Nordmilch (27,25 Cent) und die Humana Milch Union (27,49 Cent).

Österreich lag 2005 über deutschem und bayerischem Niveau

In einem direkten Vergleich zwischen Österreich und Deutschland schnitten im Jahr 2005 die heimischen Molkereien besser ab. Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn zahlten die deutschen Molkereien im Schnitt 27,22 Cent je kg (ab Hof, bei 3,7% Fett und 3,4% Eiweiß, ohne Steuern). Speziell im benachbarten Bayern wurden 27,91 Cent erlöst. Hier zu Lande erhielten die Bauern nach Angaben der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) mit durchschnittlich 27,95 Cent mehr als ihre deutschen beziehungsweise bayerischen Berufskollegen. "Während sich bei uns ein (fettbereinigter) Preisanstieg ergab, wurde in Deutschland ein Rückgang registriert", stellt VÖM-Präsident Hans Steiner fest.

Tiefstpreis in Neuseeland

Noch größer fiel 2005 der Unterschied zwischen europäischen und neuseeländischen Milchpreisen aus: Während der EU-Schnitt bei 28,53 Cent lag, zahlten neuseeländische Molkereien wie Fonterra gar nur 18,10 Cent, also um ein Drittel weniger. Damit wird auch verständlich, warum Neuseeland auf dem Weltmilchmarkt so erfolgreich ist, warum es keine Exportstützungen für Milchprodukte beansprucht und dies innerhalb der WTO auch von anderen Ländern fordert. US-Milchverarbeiter zahlten im Jahr 2005 laut vorläufigen Zahlen 27,96 Cent je kg.