Milchjahr 2005 mit stabiler Entwicklung

Das Milchjahr 2005 zeigte in Österreich trotz harter Vorgaben durch die EU-Marktordnungsreform eine stabile Entwicklung. Anders als in Deutschland, Bayern und den restlichen EU-Mitgliedsstaaten, in denen Preiseinbußen zu verzeichnen waren, konnten die österreichischen Molkereien die Milchpreise stabil halten, auch wenn es durch die institutionellen Preisabsenkungen am Markt zu deutlichen Rückgängen kam (z.B. Butter). Gab es unter Einbezug der Milchprämie für den Bauern bereits im Jahr 2004 ein Plus von ca. 1 Cent/kg, so haben die stabilen Preise in Österreich und die verdoppelte Milchprämie im Jahr 2005 neuerlich zu einer erfreulichen Verbesserung der Einkommenssituation bei den österreichischen Milchbauern gesorgt.

 

Für die weitere Entwicklung des österreichischen und des EU-Milchmarktes wird der Ausgang der WTO-Verhandlungen sowie die EU-Marktordnung und deren Administration von entscheidender Bedeutung sein, schließlich müssen noch immer an die 24 Mio. t Milch mit Hilfe von Marktordnungsmaßnahmen auf den einzelnen Märkten untergebracht werden.

 

Bei den WTO-Verhandlungen darf es zu keinen weiteren Zugeständnissen kommen, auch halten wir eine neue Quotendebatte für entbehrlich. Augenmerk muss schließlich auf die Ausnutzung der diversen Möglichkeiten der EU-Marktordnung durch die Europäische Kommission gelenkt werden, ein zu restriktiver Kurs auf Grund der jüngsten Budgetkürzungen in der EU gefährdet letztlich die stabile Entwicklung auf den Milchmärkten. Für die österreichische Milchwirtschaft wird es also in Zukunft darum gehen, auf offeneren Märkten mit weniger staatlichen und politischen Marktinstrumenten, unter der Voraussetzung von Überproduktion und im verschärften globalisierten Wettbewerb erfolgreich zu bestehen.

 

Zunächst einmal geht es natürlich darum, am Heimmarkt den richtigen Geschmack zu treffen. Der österreichischen Milchwirtschaft ist es bisher gelungen, am Heimmarkt erfolgreich zu agieren, der Konsument vertraut den hohen Qualitätsstandards der österreichischen Milchprodukte. Die Absatzzahlen haben sich durchwegs gut entwickelt. Milch und Milchprodukte liegen im Trend einer gesunden und modernen

 

Ernährung. Die österreichische Milchwirtschaft wird den Kurs der hohen Qualität auch in Zukunft beibehalten und weiter ausbauen. Erst jüngst wurde eine Umfrage der AMA über alle Lebensmittel in Österreich veröffentlicht, bei der die österreichischen Konsumenten Milch und Milchprodukten die höchste Qualitätseinstufung bescheinigen.

 

Neben dem Heimmarkt ist der Export für die österreichische Milchwirtschaft zusehends wichtiger, über 40 % der Milchprodukte werden bereits im Ausland abgesetzt. Wir konnten die milchwirtschaftlichen Exporte seit dem EU-Beitritt auf das 6-fache auf 714 Mio. € steigern. Das Außenhandelssaldo stieg auf das 16-fache auf mittlerweile 287 Mio. €. Die Milchwirtschaft hat einen wesentlichen Anteil daran, dass Österreich erstmalig im letzten Jahr eine positive Handelsbilanz bei Lebensmittel hatte. Uns freut es auch besonders, dass höherwertige Produkte exportiert als importiert werden. Unsere Hauptexportländer sind nach wie vor Deutschland und Italien, aber auch die Erweiterungsländer sind im Focus.

 

Der Erfolg der österreichischen Milchwirtschaft wird in Zukunft noch stärker von ihrer Performance auf den Märkten abhängen, vom Vertrauen der Konsumenten in öster-reichische Produkte, vom Innovationsgrad der Produkte und einer wettbewerbsfähigen und kosteneffizienten Be- und Verarbeitung. Voraussetzung ist natürlich auch eine hochqualitative Rohstoffbasis, der verantwortungsvolle Umgang mit Themen, die unsere Konsumenten bewegen, z.B. Gentechnik, und auch die Bereitschaft des Handels, österreichische Produkte entsprechend zu forcieren.