Milchwirtschaft: Bilanz 2009 und Ausblick 2010
Österreichische Qualtität gibt bestmögliche Sicherheit.

 
2009: Nach starken Preisrückgängen Stabilisierung in Sicht    

2009 war für die österreichische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr. Auch wenn es der österreichischen Milchwirtschaft gelungen ist, deutlich bessere Preise als in Deutschland sowie im EU-Durchschnitt zu erwirtschaften, so gab es dennoch deutliche Preisrückgänge mit spürbaren Einkommenseinbußen bei den Bauern. Ursache war vor allem die Entwicklung auf den internationalen Milchmärkten sowie die schwierige Wirtschaftssituation mit einhergehender Kauf-zurückhaltung bei den Verbrauchern. Erst im 2. Halbjahr 2009 sowie Anfang 2010 war eine Stabilisierung am Milchmarkt zu verzeichnen. Auch im Außenhandel schlugen die Preisrückgänge durch.

       
Anlieferung leicht gesunken

Die Milchanlieferung lag 2009 mit 2,709 Mio. t mit  4,19 Prozent durchschnittlichen Fettgehalt um 0,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dieser Umstand, die halbierte Fettkorrektur und die von der EU erhöhte Milchquote bewirken im laufenden Milchwirtschaftsjahr nach 13 Jahren erstmalig wiederum den Entfall der Superabgabe nach Brüssel durch die österreichischen Milchbauern.       

Umsatz in Molkereien reduziert, Ergebnis stabilisiert
  
Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten 2009 mit 1,98 Milliarden ein Minus von          ca. 7,5  Prozent. Dies ist vor allem auf die rückläufigen Preise bei Milchprodukten zurückzuführen. Das bereinigte EGT hat sich von minus 0,5 Prozent im Jahr 2008 wieder auf 1,5 Prozent eingependelt und erreichte damit das durchschnittliche Niveau der Jahre zuvor.
Die Wertschöpfung je Kilogramm eingesetzter Milch ist von 77,56 Cent auf 68,27 Cent gefallen, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ für die österreichische Milchwirtschaft.
       
Deutliche Rückgänge bei Erzeugerpreisen  

Die österreichischen Molkereien mussten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) von 43,57 Cent/kg auf             32,48 Cent/kg im Jahr 2009  (minus 25,5 Prozent) zurücknehmen, wobei gegen Ende des Jahres eine leichte Erholung einsetzte. Ursache war der Absturz am EU-Milchmarkt sowie der schwache Inlandsabsatz infolge der Wirtschaftskrise und der verstärkte Einsatz von Imitatprodukten in der industriellen Weiterverarbeitung von Lebensmitteln.
       
Schwierige Einkommensentwicklung bei den Milchbauern

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je österreichischem Bauern ging von 30.262,-- € auf 22.854,-- € (minus 24,5 Prozent) zurück und unterstreicht somit die schwierige Einkommenssituation der österreichischen Milchbauern im abgelaufenen Jahr.
       
Österreichische Milchpreise deutlich über EU-Durchschnitt    

Trotz der empfindlichen Rückgänge bei den Preisen lagen im Jahr 2009 die österreichischen Auszahlungspreise um 3,66 Cent oder 15,2 Prozent über den Vergleichswerten Deutschlands (Quelle: ZMB), dies trotz der erhöhten Erfassungskosten für die österreichischen Molkereien aufgrund der strukturbedingten Nachteile. Die österreichischen Preise liegen auch deutlich über den EU-Durchschnittswerten. Diese höheren Milchpreise im Vergleich zum Ausland haben den österreichischen Bauern im abgelaufenen Jahr ca. 100 Mio. € (exkl. USt) gebracht, durchschnittlich ca. 2.600,-- € je Landwirt.  Diese höheren Preisniveaus der österreichischen Molkereien im internationalen Vergleich sind Ergebnis der konsequenten Qualitätsarbeit in der österreichischen Milchwirtschaft, sie spiegeln aber auch die Bemühungen der österreichischen Molkereien nach einem möglichst hohen Auszahlungspreis für unsere Landwirte wider.
       
Strukturwandel geht weiter    

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2009 von 39.107 auf 38.500 um 1,6 Prozent zurück.
Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg damit von 69.500 kg auf 70.400 kg pro Jahr und Milchbauer.

      
2009 ein schwieriges Jahr für die EU-weite Milchwirtschaft  

Das Jahr 2009 war für die europäische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr. Nach den deutlich besseren Preisen im Jahr 2008 war ein starker Preis- und Verbrauchsrückgang die Folge, der erst durch das Eingreifen der Europäischen Kommission mit Intervention und der zeitweiligen Wiederaufnahme von Exporterstattungen aufgefangen wurde. Diese Marktmaßnahmen wurden nach der leichten Erholung der internationalen Märkte zwischenzeitlich wiederum eingestellt. Für die österreichische Milchwirtschaft ist weiterhin ein Engagement der Europäischen Kommission zur Belebung der Milchmärkte sinnvoll, dies auch um bessere Auszahlungspreise für die heimischen Bauern und damit eine Stabilisierung ihrer Einkommen zu erreichen.
       
Österreichischer Milchabsatz mit verhaltener Entwicklung    

2009 war abermals aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Situation ein Jahr mit schwieriger Absatzentwicklung. Erst ab dem 2. Halbjahr konnte eine leichte Belebung vermerkt werden. Dies bedeutet eine konstante Absatzmenge bei einem durchschnittlichen Preisrückgang von 3,3 Prozent (Daten RollAMA). Auch EU-weit herrscht im abgelaufenen Jahr eine schwierige Absatzsituation, erst der Einsatz von Marktmaßnahmen durch die EU-Kommission und ein Anziehen der Exporte konnte die Märkte etwas beleben. Derzeit plant die EU keine neuen Interventionsmaßnahmen, im Gegenteil es ist zu erwarten, dass die Interventionsmengen des letzten Jahres im heurigen Jahr zumindest teilweise abgebaut werden und somit eine zusätzliche Belastung auf dem Milchmarkt zu erwarten ist.


Die VÖM appelliert hier, eine sorgsame Vorgangsweise an den Tag zu legen, um den sensiblen Milchmarkt nicht neuerlich unter Druck zu bringen.
       
Milch und Molkereiprodukte für Konsumenten billiger    

Milch und Milchprodukte sind für die österreichischen Konsumenten im abgelaufenen Jahr billiger geworden, zum Beispiel ist eine Verringerung der Preise für Milchprodukte mit Februar 2010 im Jahresabstand um 3 Prozent festzustellen, der Verbrauch ist allerdings aufgrund der allgemeinen Wirtschaftssituation nicht gewachsen. Aktuell liegen die Preise für wichtige Milchprodukte deutlich unter jenen vor dem EU-Beitritt vor 15 Jahren (Trinkmilch minus 11,0  Prozent, Butter minus 36,6 Prozent).       

Großer Druck durch Lebensmittelhandel
  
Die Situation in der österreichischen Milchwirtschaft verschärft sich durch das aggressive Verhalten des österreichischen Lebensmittelhandels bei Diskontpreisen für wichtige Milchprodukte, die oftmals aus billiger Produktion aus dem Ausland stammen. Gleichzeitig setzt der Handel verstärkt auf austauschbare Ware mit Eigenmarken und verstärkt die Preisaktionen bei Milchprodukten.
       
Milchwirtschaftlicher Außenhandel erleidet preisbedingte Rückgänge  

Im Jahr 2009 mussten österreichische Molkereien auch im Außenhandel bei vergleichbaren Mengen umsatzmäßig Rückgänge verbuchen. Damit ist auch die Exportquote von 43,5 Prozent auf 42,2 Prozent zurückgegangen. Die Exporte beliefen sich auf 835 Mio. € (minus 10,4 Prozent), die Importe schrumpften von      533 Mio. € auf 489 Mio. € um 8,4 Prozent, was auch zu einem Rückgang des positiven Außenhandelssaldos von 398 Mio. € auf 346 Mio. € um 13 Prozent führte.     

Käse wichtigstes Außenhandelsprodukt    

Nach wie vor wichtigstes Außenhandelsprodukt ist Käse, hier konnte Österreich auch unter schwierigen Marktverhältnissen mit seiner Qualitätsstrategie im Export punkten, während die Handelsketten verstärkt billige Mengen für Eigenmarken importierten, ebenfalls in der Lebensmittelweiterverarbeitung. Der Durchschnittspreis der exportierten Käse lag mit 3,73 €/kg deutlich über dem Durchschnittspreis, der importierte Käse mit 3,50 €/kg.
       
Höhere Veredlung bei Flüssigmilchexporten     

Die österreichische Milchwirtschaft hat auch im abgelaufenen Jahr auf eine möglichst hohe Verarbeitung ihrer Milchprodukte gesetzt. Dies bedeutet, dass auch im Sektor Flüssigmilch ein höherer Anteil an verarbeiteten Milchprodukten exportiert wurde, während der Anteil der Tankmilchexporte durch die Molkereien auf 3,8 Prozent des Gesamtumsatzes zurückging.
       
Steigende Butterimporte    Vor allem auf die Politik der Lebensmittelhandelsketten sind die steigenden Importmengen (15.500 t) von Butter (plus 12,5 Prozent) zurückzuführen.
       
Kompromisslose Qualität als Chance der österreichischen Milchwirtschaft    Österreichs Milchwirtschaft setzt seit Jahren auf einen konsequenten Ausbau der Qualitätsstrategie. Wir wollen dem Wunsch unserer Konsumenten entgegenkommen, die ehrliche und unverfälschte Produkte wollen, die aus überschaubaren Strukturen in einer intakten Landschaft stammen und unter strengen Auflagen erzeugt werden, die auch kontrolliert werden.

       
Österreichische Milch ist Gentechnik-frei    

Daher setzt die österreichische Milchwirtschaft auch auf die Gentechnik-freie Produktion ihrer Produkte, die seit Beginn des Jahres 2010 flächendeckend erfolgt. Weiters gibt es einen hohen Anteil der Bauern, die bei freiwilligen Umweltprogrammen mitmachen, einen hohen Anteil an biologischer Produktion sowie spezielle Qualitäts-programme einzelner Organisationen. Wichtig für uns ist auch die klar dokumentierte Herkunft. Vor allem gilt es missbräuchliche Kennzeichnungen hinsichtlich Herkunft und Verwendung von Imitatprodukten strenger zu verfolgen.
       
Hohe Qualitätsstandards stellen hohen Wert dar    

Die Qualitätsoffensive der österreichischen Milchwirtschaft ist die beste Voraussetzung, die Sicherheit der heimischen Produkte zu erhöhen. Dieses Konzept kann allerdings nur dann nachhaltig sein, wenn es gelingt, die hohe Qualität und den Mehrwert an Sicherheit heimischer Produkte am Markt umzusetzen. Daher ist es auch notwendig, dass für diese hohe Qualität Preise bezahlt werden, die diese Qualität auch absichern.
       
Aussichten 2010    

Auch wenn wir derzeit von den Rekordtiefstständen des letzten Jahres entfernt sind, so sind dennoch weitere  Verbesserungen am Markt notwendig. Diese könnten durch eine stärkere Belebung im Außenhandel erfolgen. Weiters gilt es der „Geiz ist geil“-Mentalität im österreichischen Lebensmittelhandel eine stärker qualitätsbetonte Strategie entgegenzusetzen. Schließlich darf die EU-Kommission durch den verantwortungsvollen Einsatz diverser Marktinstrumente nicht außer Acht gelassen werden.

Im Hinblick auf das Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 gilt es die Wettbewerbssituation der Milcherzeuger und Milchverarbeiter in der Lebensmittelkette zu verbessern, um zu einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis zu kommen. Schließlich sollten öffentliche Maßnahmen ergriffen werden (z.B. strategische Lagerhaltung von Milchprodukten), die die bisher zurückliegende hohe Volatilität auf den Milchmärkten eindämmen und eine stabile Entwicklung auf den Märkten gewährleisten. Wir erwarten durch die anstehenden Beschlüsse in der EU eine Klarheit hinsichtlich Lebensmittelkennzeichnung für die Konsumenten, sodass in weiterer Folge irreführende Bezeichnungen unterbunden werden und damit der höheren Qualität stärker zum Durchbruch verholfen wird.       
    
„Österreichs Milchwirtschaft hat hervorragende Voraussetzungen für höchstqualitative Lebensmittel, die in weiterer Folge auch bestmögliche Sicherheit in der Lebensmittelversorgung bieten. Österreich hat als erstes Land EU-weit flächendeckend eine Gentechnik-freie Produktion in der Milchwirtschaft umgesetzt, um neuerlich einen Qualitätsvorsprung zu haben. Diese hohen Qualitätsstandards  sind eine gute Basis für beste Produkte. Die Milchwirtschaft sieht daher für den Milchstandort Österreich gute Zukunftsaussichten“ ergänzte Präsident Helmut Petschar.    

 

Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at