Pressegespräch: Aktuelle Entwicklungen in der Milchwirtschaft
2010 - Das Jahr nach der großen Milchkrise

Österreichs Molkereien ist es zusehends gelungen aus der schwierigen Marktsituation des vergangen Jahres wieder herauszukommen. Bekanntlich war das Jahr 2009 ein sehr schwieriges Jahr für die europäische und österreichische Milchwirtschaft, umso erfreulicher ist die Tatsache, dass sich die Situation im heurigen Jahr europaweit und in Österreich wiederum stabilisiert hat. Mit einem durchschnittlichen Milchauszahlungspreis von 33,97 Cent (Jänner – Juli 2010: natürliche Inhaltsstoffe, brutto) konnten die österreichischen Molkereien ihren Milchbauern bessere Preise als im Jahr 2009 auszahlen, auch wenn die Notierungen unter den Werten des Jahres 2007 und 2008 liegen. Damit konnte die äußerst schwierige Einkommenssituation der österreichischen Milchbauern des letzten Jahres heuer etwas entschärft werden. „Wir hoffen, dass dieser positive Trend auf den Märkten weiter zum Tragen kommt und damit auch für unsere Milchbauern, die unter schwierigen Bedingungen wirtschaften müssen, ein akzeptables Einkommen erzielt werden kann“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Direktor Helmut Petschar.

Gründe zur Überwindung der Krisensituation auf dem EU-Milchmarkt ist vor allem in der Hoffnung auf ein Ende der Wirtschaftskrise und damit ein Wiederanspringen eines positiven Absatzes am Inlandsmarkt, die verstärkte Nachfrage im Export in Folge der verbesserten Nachfrage in wichtigen Exportdestinationen sowie die Stellung des Euro zu wichtigen Export-währungen. Maßgeblich ist weiters, dass die Inlandsproduktion trotz politischer Quotenerhöhung nicht über die Absatzmöglichkeiten gestiegen ist und der Markt auch die verkauften Interventionsmengen bei Butter aufgenommen hat.

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf absolute Qualität

Österreichs Milch wird seit Beginn dieses Jahres zu 100% kontrolliert gentechnikfrei produziert. Damit erhalten unsere Konsumenten einen weiteren Beweis für die hohe Qualität und Einzigartigkeit unserer Produkte. Österreich ist das einzige Land, welches den Konsumenten flächendeckend gentechnikfrei produzierte Milch anbieten kann. Weiters unterliegt unsere Produktion höchsten Umwelt- und Tierschutzstandards, ein hoher Anteil wird biologisch erzeugt, und unsere Molkereien suchen laufend Verbesserungen in der Produktgestaltung und Verpackung, um den Konsumenten bestmögliche Produkte anzubieten. Um den Konsumenten die Vorteile heimischer Produkte und der hohen Qualitätsaspekte stärker ins Bewusstsein zu bringen, wird es allerdings notwendig sein, diesen verstärkt über die Vorteile heimischer Produkte zu informieren. „Die Kommunikation mit den Konsumenten muss verstärkt geführt werden. Wir müssen wegkommen von Preisdebatten und die hohe Qualität in den Vordergrund stellen“, erklärte dazu Petschar.

Österreichische Milchwirtschaft für die Zukunft fit machen

Österreichs Milchwirtschaft hat sich seit dem EU-Beitritt im harten EU-Wettbewerb sehr gut geschlagen. Mit einer durchschnittlichen Exportquote von 44% sind wir auch massiv auf die internationalen Märkte angewiesen. Die österreichischen Milchverarbeiter haben ihre Betriebe ausgebaut und exportieren heute zum allergrößten Teil konsumfertig verarbeitete Produkte.

Mit der Öffnung der Märkte durch die weitere Liberalisierung des Milchmarktes durch Abschaffung der Milchquoten im Jahr 2015 ist es aber notwendig, dass sich die österreichische Milchwirtschaft verstärkt auf dieses Zukunftsszenario vorbereitet. Zum Einen bleibt zu hoffen, dass aus den politischen Beratungen der High-Level-Gruppe die richtigen Schlüsse gezogen werden. Vor allem ist es wichtig, dass auch für die Zukunft ausreichende marktpolitische Instrumentarien zur Verfügung stehen, die Milchkrisenzeiten überwinden helfen. Es ist dafür Vorsorge zu treffen, dass in der gesamten Lebensmittelkette faire Wettbewerbsbedingungen bestehen und dass nicht durch Imitate und versteckte Tricks die Konsumenten hinters Licht geführt werden. Wir erwarten uns z.B. dass mit dem Lebensmittelkenn-zeichnungspaket, welches derzeit zwischen Europaparlament und EU-Rat verhandelt wird, die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt werden, dass in Zukunft kein Schindluder mit Imitatprodukten und irreführenden Bezeichnungen getrieben werden kann. Auch soll es klare Regelungen betreffend Herkunftsangaben geben, die für alle Gültigkeit haben, erklärte der Vizepräsident DI Josef Braunshofer (Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter) hinsichtlich aktueller Forderungen der Milchwirtschaft.


Österreichische Milch bei Verarbeitungsprodukten forcieren

In Folge der sich ändernden Ernährungsgewohnheiten, des verstärkten Konsums von weiterverarbeiteten Produkten, des steigenden Außer-Haus-Verzehrs, des hohen Anteils der Verwendung von Milch und Milchprodukten in Gastronomie und Betriebsverpflegungen sieht die österreichische Milchwirtschaft einen wichtigen Absatzzweig in diesem Sektor. Speziell bei verarbeiteten Produkten, bei denen der Konsument nicht auf den ersten Blick sieht, woher die Bestandteile kommen, soll auf die hohen Qualitätsstandards heimischer Produkte gesetzt werden. Die Qualität eines fertig verarbeiteten Produktes kann nicht höher sein als die der Ausgangsprodukte, daher ist auch in diesem Segment verstärkt auf die hohen Qualitätsparameter, die österreichische Produkte bieten, zu achten. Wir werden daher verstärkte Akzente setzen, dass auch in diesem wichtigen Segment wieder mehr auf heimische Qualität gesetzt wird. Dazu gehören zum Einen Aufklärungskampagnen als auch der verstärkte Hinweis auf die Verwendung von regionalen Produkten. „Schließlich wollen die Konsumenten auch wissen, woher ihre Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden“, ergänzte Braunshofer


Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenplatz 1, A – 1020 Wien
Tel:     +43/1/211 36 – 2558
Email:    voem@netway.at