VÖM-Pressekonferenz: Bilanz 2010 und Ausblick 2011
Stabilisierung auf den Märkten

 

Dir. Helmut Petschar

Geschäftsführer der Kärntnermilch reg.Gen.m.b.H.,

Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM)

 

Mag. DI Johann Költringer

Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM)

 

 

 

Milchwirtschaft: Bilanz 2010 und Ausblick 2011

Stabilisierung auf den Märkten

 

 

2010: Stabilisierung auf den Märkten

2010 war für die österreichische Milchwirtschaft das Jahr der Stabilisierung auf den Märkten. Nach dem schwierigen Jahr 2009 – in Folge der internationalen Milchkrise – ist es im Jahr 2010 der österreichischen Milchwirtschaft gelungen, Preisverbesserungen durchzusetzen und somit zu einer notwendigen Verbesserung der bäuerlichen Einkommen beizutragen. Hintergrund war ein deutlich erholter Weltmilchmarkt, der aufgrund der Offenheit der Märkte auch auf Österreich durchgeschlagen hat. Auch im Außenhandel konnte die österreichische Milchwirtschaft zulegen.

 

2010: Stabilisierung auch auf EU-Milchmarkt

Nach dem schwierigen Jahr 2009 war Europa – und weltweit – eine verbesserte Markt- und Absatzlage feststellbar. Insbesondere kam es auf wichtigen Exportdestinationen der EU zu einer deutlich verbesserten Nachfrage. Die öffentlichen Interventionsmengen konnten abgebaut werden, und auch die europaweit gestiegenen Anlieferungsmengen konnten auf den wachsenden Märkten gut untergebracht werden.

 

Weltweit feste Marktentwicklung

Die aktuell feste Marktentwicklung innerhalb der EU ist im gleichen Ausmaß auch auf den Weltmärkten feststellbar. Die EU hat alle Exportbeihilfen eingestellt und übernimmt auch keine Mengen in die Interventionen. Das aktuelle EU-Preisniveau ist heute weltweit feststellbar und in Ländern mit offenen Märkten sowie in Entwicklungsländern bedeutet dies im Vergleich zu zurückliegenden Jahren eine massive Preiserhöhung, der eine entsprechende Nachfrage gegenübersteht.

 

Umsatz in Molkereien um 5 Prozent gestiegen, Ergebnisse leicht rückläufig

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten 2010 mit 2,08 Milliarden ein Plus von ca. 5 Prozent, dies ist zum einen auf das gestiegene Preisniveau bei Milchprodukten als auch auf die höhere Verarbeitungsmenge zurückzuführen. Das bereinigte EGT ging im Durchschnitt der österreichischen Molkereien von 1,8 Prozent auf 1,5 Prozent des Umsatzes zurück. Der durchschnittliche Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch ist von 67,80 Cent auf 69,95 Cent gestiegen, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes Oberösterreich für die österreichische Milchwirtschaft. Weitere Preisan-passungen werden aufgrund der zu erwartenden Marktlage notwendig sein.

 

Höhere Anlieferung

Die Milchanlieferung lag 2010 mit 2,781 Mio. t bei 4,20 Prozent durchschnittlichem Fettgehalt um 2,7 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies führte trotz Quotenzuteilung im Ausmaß von 2 Prozent dazu, dass für das heurige Quotenjahr wiederum eine Superabgabe nach Brüssel zu entrichten sein wird. Trotz der allgemein steigenden Milchanlieferungsmengen in vielen EU-Mitgliedstaaten ist Österreich eines der wenigen Länder, in denen heuer eine Superabgabe fällig wird.

 

Verbesserungen bei Erzeugerpreisen

Die österreichischen Molkereien konnten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) von 32,48 Cent/kg auf 35,52 Cent/kg um 9,4 Prozent erhöhen. Ursache dafür war die freundliche Entwicklung auf dem Milchmarkt sowie auf den Rohstoffmärkten allgemein, weiters eine stabile Absatzentwicklung und verbesserte Exportmöglichkeiten. Die österreichischen Molkereien haben in den letzten Quartalen eine große Vorleistung durch die Milchauszahlung an die Bauern erbracht.

 

Stabilisierung der Einkommen bei den Milchbauern

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je österreichischem Bauern konnte von 23.215,-- € auf 26.913,-- € um 15,9 Prozent verbessert werden. Damit konnte ein dringend notwendiger Beitrag zur Einkommensstabilisierung auf den österreichischen Bauernhöfen nach der Milchkrise erreicht werden.

 

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2010 von 37.894 auf 36.700 um 3,2 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg von 71,5 t auf 75,8 t pro Jahr und Milchbauer.

 

Österreichische Milchpreise über dem EU-Durchschnitt

Die österreichischen Preise lagen im Jahr 2010 mit 31,8 Cent exkl. MwSt laut EU-Berechnungsmethode um 4,3 Prozent oder 1,3 Cent über dem gewichteten EU-Durchschnitt von 30,5 Cent (Quelle: EU-Kommission) sowie über den deutschen Preisen. Der Abstand zu den deutschen Preisen verringerte sich allerdings in Folge der rascheren Preissteigerungen in Deutschland. Dies ist zum Teil auf eine veränderte Produktionsausrichtung in Deutschland (größerer Anteil an Großhandelsprodukten wie Blockbutter und Milchpulver) zurückzuführen, deren Notierungen stärker und schneller gestiegen sind, vor allem aber auch aufgrund der Tatsache zu erklären, dass es den österreichischen Handelsketten gelungen ist, die notwendigen Preisanpassungen hinauszuschieben. Für die österreichische Milchwirtschaft ist es jedoch unverzichtbar, dass die höheren Qualitätsstandards sowie die kostenbedingten Strukturnachteile in den Preisen abgegolten werden müssen. Höchste Qualität zum billigsten Preis ist auf Dauer nicht möglich.

 

Österreichischer Milchabsatz mit stabiler Entwicklung

2010 war auf dem österreichischen Absatzmarkt eine weitgehend stabile Entwicklung feststellbar. Sowohl hinsichtlich der Mengen (plus 0,2 Prozent) als auch hinsichtlich des Wertes (plus 0,7 Prozent), was bedeutet, dass Milchprodukte inflationsbereinigt sogar billiger wurden. (Quelle RollAMA) Gründe dafür waren die hohen Frequenzen an Sonderaktionen des Lebensmittel-einzelhandels, der verstärkte Druck Richtung billiger Eigenmarken des Handels und die verspäteten Preisanpassungen.

 

Milchwirtschaftlicher Außenhandel konnte sich erholen

Im Jahr 2010 konnte sich der milchwirtschaftliche Außenhandel deutlich erholen. Die Exporte kletterten von 848 Mio. € auf 904,7 Mio. € um 56,4 Mio. € (plus 6,6 Prozent), auch die Importe stiegen von 494,5 Mio. € auf 531,7 Mio. € um 37,2 Mio. € (plus 7,5 Prozent). Dies bedeutet ein höheres positives Außenhandelssaldo von 373 Mio. € (plus 5,4 Prozent) sowie eine Exportquote von 43,5 Prozent und eine Importquote von 25,6 Prozent. Damit konnte der Rückgang des Jahres 2009 zum Großteil wieder aufgeholt werden und das zweitbeste Exportjahr nach 2008 erreicht werden. Gleichfalls waren deutlich steigende Importe vor allem im Bereich Preiseinstieg bei Handelsmarken sowie bei Rohstoffen für die Weiterverarbeitung festzustellen. Die Entwicklung unterstreicht die hohe Abhängigkeit der österreichischen Milchwirtschaft von der Entwicklung am EU- und Weltmilchmarkt.

 

Käse wichtigstes Außenhandelsprodukt

Nach wie vor wichtigstes Exportprodukt ist Käse. Exporte im Ausmaß von 387 Mio. € stehen Importen im Ausmaß von 317 Mio. € gegenüber. Wichtigste Exportländer sind Deutschland und Italien, importiert wird vor allem aus Deutschland und anderen EU-15-Ländern. Beachtenswert ist die Tatsache, dass es der österreichischen Milchwirtschaft gelingt, höherwertigere Produkte zu exportieren, während vor allem günstige Käsesorten im Preiseinstieg, die zumeist als Eigenmarken des Lebensmittelhandels angeboten werden, gegen-überstehen. (Durchschnittlicher Exporterlös 4,11 €/kg, durchschnittlicher Importpreis 3,68 €/kg)

Eine wichtige Position im Außenhandel ist der Export von fermentierten Milchprodukten sowie Joghurt. Hier wurden 160.000 mit einem Exportwert von 170 Mio. € exportiert, während 51.500 t um 57,5 Mio. € importiert wurden. Anhaltend hoch sind nach wie vor die Importe von Butter mit einer Menge von 14.500 t, während nur 2.500 t Butter exportiert werden konnten. Import-Butter landet vor allem bei den Handelsketten sowie in der weiterverarbeitenden Industrie.

 

Außenhandel mit EU-Erweiterungsländern zeigt erfreuliche Entwicklung

Sehr erfreulich hat sich im abgelaufenen Jahr der Außenhandel mit den 12 Erweiterungsländern der EU entwickelt. Exporte im Ausmaß von 87,3 Mio. € (2009: 74,5 Mio. €) standen Importe von 35,7 Mio. € (2009: 40,9 Mio. €) gegenüber. Dies führte auch hier zu einem positiven Außenhandelssaldo von 51,6 Mio. € (2009: 33,6 Mio. €).

Wichtigste Exportmärkte sind Slowenien (31 Mio. €), Ungarn (27,6 Mio. €), Polen (7,8 Mio. €), Slowakei (5,2 Mio. €) und Tschechien (5 Mio. €), primär Käse und fermentierte Produkte. Importiert wurde hingegen vor allem aus Polen und Tschechien, und hier vor allem fermentierte Produkte eines bekannten internationalen Markenherstellers.

 

 

Höhere Veredelung bei Flüssigmilchprodukten

 

Die letzten Jahre hinweg hat der Export von Flüssigmilchprodukten deutlich zugenommen, hier wiederum vor allem als verarbeitete Produkte, während der Export von „Tankmilch“ durch Molkereien lediglich 3,9 Prozent des Umsatzes darstellt und vor allem dem Ausgleich von Anlieferungsspitzen dient. Preisbedingt gewachsen ist der Export von Molkeprodukten.

 

 

Österreich setzt auf Qualitätsstrategie

 

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf hohe Qualität. Mit den hohen Qualitätsstandards, die auch kontrolliert werden, will man den hohen Ansprüchen unserer Konsumenten begegnen. Unverfälschte und bestens kontrollierte Produkte aus umweltfreundlicher und damit klimaschonender Produktion sichern zudem unsere schöne und intakte Landschaft. Zudem hat die österreichische Milchwirtschaft mit der gentechnikfreien Produktion eine internationale Einzigartigkeit, die für die Konsumenten eine zusätzliche Sicherheit bietet. Der hohe Anteil an biologisch produzierenden Landwirten in Österreich, die hohen Standards sowie die freiwillige Teilnahme an Umweltprogrammen bieten die Basis für zusätzliche Qualitätsschienen, wie z. B. Heumilch oder regionale Spezialitäten.

Wichtige Voraussetzung für den weiteren Ausbau dieser Qualitätsschiene ist, dass diese Produkte auch den entsprechenden Gegenwert erhalten und nicht durch eine unlautere Konkurrenz beeinträchtigt werden. Daher wird seitens der Milchwirtschaft auch eine strenge und für den Konsumenten nachvollziehbare Kennzeichnung verlangt, insbesondere dürfen Produkte nicht so gekennzeichnet werden, dass beim Konsumenten ein fälschlicher oder irreführender Eindruck entsteht. Schließlich erfordert diese nachhaltige Strategie auch Preise, die diese zusätzlichen Leistungen ermöglichen.

 

Molkereiprodukte für Konsumenten günstig

Gemäß den Erhebungen der Statistik Austria kam es bei der Gruppe „Molkereiprodukte und Eier“ im Jahr 2010 sogar zu einem Rückgang um 1,3 Prozent. Molkereiprodukte und Eier sind seit 1986 um lediglich 24 Prozent gestiegen, Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um insgesamt 48,5 Prozent, der Gesamtindex um 66,7 Prozent, Wohnen, Wasser und Energie um 101,1 Prozent, sowie die Tariflöhne um 112 Prozent, das heißt, es kann keineswegs von teuren Milchprodukten gesprochen werden.

Auch werden vom durchschnittlichen österreichischen Haushaltseinkommen lediglich 12 Prozent für Lebensmittel ausgegeben, während für Verkehr 13,8 Prozent und für Energie und Wohnen 18,7 Prozent ausgegeben werden.

 

Großer Druck durch Lebensmitteleinzel-handel

Die österreichische Milchwirtschaft sieht sich einem steigenden Druck durch die Politik des stark konzentrierten österreichischen Lebensmitteleinzelhandels konfrontiert. Dies äußert sich in der Massivität von Eigenmarken und Diskontprodukten, diversen „Bestpreisgarantien“, bei denen auch importierte Standardprodukte höherwertigen inländischen Produkten entgegengestellt werden, ausufernder Aktionitis, sowie der Hinhaltetaktik bei notwendigen Preisanpassungen.

Die ungleiche Machtverteilung entlang der Lebensmittelkette zugunsten des stark konzentrierten Lebensmitteleinzelhandels mit diversen negativen Auswirkungen ist mittlerweile Gegenstand mehrerer Initiativen auf EU-Ebene. Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich vom Lebensmittelhandel ein faires Marktverhalten und die Bereitschaft die Vorzüge der heimischen Qualitätsprodukte, auf die in der gesamten Kommunikation massiv gesetzt wird, entsprechend zu honorieren und somit für die Zukunft abzusichern.

 

Aussichten 2011

Ausgehend von der internationalen Entwicklung ist das heurige Jahr gut angelaufen und es bleibt zu hoffen, dass der Milchmarkt auch in nächster Zukunft ausgeglichen bleibt. Somit sollte den Milchprodukten auch der Wert zukommen, den sie brauchen.

Im Hinblick auf das Auslaufen der Milchquote gilt es die Wettbewerbssituation der Milcherzeuger und –verarbeiter weiter zu verbessern, dazu sind derzeit im Rahmen des EU-Milchpaketes Vorschläge in Vorbereitung, die vor allem die Stellung der Milcherzeuger und –verarbeiter in der Lebensmittelkette verbessern sollen und zu einem ausgeglicheneren Kräfteverhältnis führen sollen. Bei der derzeit auf EU-Ebene diskutierten Lebensmittelkennzeichnung erwarten wir Regelungen, die irreführende Bezeichnungen abstellen und somit den höheren Qualitäten zum Durchbruch helfen.

„Österreichische Milchwirtschaft sieht angesichts der derzeitigen Marktlage sowie der erreichten Qualitätsstandards eine gute Voraussetzung, um auch in Zukunft auf offenen Märkten erfolgreich bestehen zu können. Wir erwarten dazu Rahmenbedingungen, die eine hoch qualitative Produktion unterstützen und Kostennachteile in der Milchproduktion ausgleichen, sowie eine partnerschaftliche Vorgangsweise durch den Lebensmittelhandel, um auch weiterhin Österreich mit bestmöglichen Milchprodukten zu versorgen.“, ergänzte Präsident Helmut Petschar.

 

 

 

Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer

VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter

Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at