Milchwirtschaft: Bilanz 2011 und Ausblick 2012
2011 Stabilisierung - 2012 differenzierte Entwicklung

2011 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr weiterer Stabilisierung. Aufgrund der festen Vorgaben vom EU- und Weltmarkt konnten die Molkereien die Milchauszahlungspreise in Österreich bei gestiegener Anlieferung erhöhen und damit zu einer notwendigen Verbesserung der bäuerlichen Einkommen beitragen. Die Molkereien selbst verdienten deutlich weniger, dies aufgrund der mangelnden Bereitschaft des Handels zu erforderlichen Preisanpassungen. Bei den Exporten  konnte ein Rekordwert erzielt werden, gleichzeitig stiegen die Importe. Zuletzt erfolgten bei den internationalen Notierungen einige Preiskorrekturen, die auch in Österreich Auswirkung zeigten.

2011: Weitere Stabilisierung auf EU- und Weltmarkt

Im Laufe des Jahres 2011 war in Europa und weltweit zum Großteil eine stabile Entwicklung auf den Märkten feststellbar. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass sowohl höhere Mengen als auch höhere Preise registriert wurden; maßgeblich war der Absatz in der EU und eine gute Nachfrage im Export. Die letzten Interventionsmengen konnten geräumt werden. Die europa- und weltweit gestiegenen Anlieferungsmengen konnten auf den Märkten gut untergebracht werden. Ingesamt war im Jahr 2011 ein durchwegs hohes Lebensmittel- und Rohstoffpreisniveau feststellbar, die EU stellte die Exportbeihilfen und Interventionsmaßnahmen ein.

Umsatz in Molkereien um 6 Prozent gestiegen, Ergebnisse um 58 Prozent gefallen

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten im Jahr 2011 mit 2,2 Milliarden ein Plus von ca. 6 Prozent, dies zum einen aufgrund des gestiegenen Preisniveaus bei Milchprodukten als auch aufgrund der höheren Verarbeitungsmenge. Das bereinigte EGT des Umsatzes im Durchschnitt der österreichischen Molkereien ging jedoch von 1,2 Prozent auf nur mehr 0,5 Prozent zurück. Die Ursache dafür ist vor allem, dass es nicht  möglich war, die notwendigen Preisanpassungen beim Handel, die aufgrund der gestiegenen Rohstoffkosten zu vermerken waren, entsprechend umzusetzen. Der durchschnittliche Verwertungserlös konnte je Kilogramm Milch im Jahr 2011 von 69,51 Cent auf 73,00 Cent gesteigert werden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes Oberösterreichs für die Österreichische Milchwirtschaft. Dies zeigt, dass in den Molkereien äußert knapp kalkuliert wird.

4,4 Prozent höhere Anlieferung

Die Milchanlieferung lag 2011 mit 2,9 Mio. t um 4,4 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Daraus ergibt sich für das laufende Milchwirtschaftsjahr – dieses läuft von April bis März -  eine Überlieferung zur nationalen Quote von ca. 120.000 t, was in weiterer Folge eine hohe Superabgabe ergeben wird. Auch EU-weit ist die Milchanlieferung um 2,1 Prozent gestiegen, liegt aber deutlich unter der EU-Quote.

Steigerung bei Erzeugerpreisen um 11,5 Prozent - Österreichische Erzeugerpreise über EU-Durchschnitt

Die Erzeugerpreise stiegen EU-weit, wobei die österreichischen auch 2011 deutlich über den EU-Schnitt zu liegen kamen. Die österreichischen Erzeugerpreise lagen im 2011 mit 35,4 Cent/kg (exkl. MwSt) laut EU-Berechnungsmethode um 4,1 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 34,0 Cent/kg (Quelle: EU-Kommission). Dabei ist zu bedenken, dass die österreichische Milchwirtschaft mit flächendeckender Gentechnikfreiheit,  hohen Umweltstandards und kleinen Strukturen, zum Großteil in Berg- und benachteiligten Gebieten und damit mit deutlich höheren Kosten produziert. Daher ist es auch notwendig, dass diese erhöhten Kosten auch entsprechend abdeckt werden.

Stabilisierung bei bäuerlichen Einkommen

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld österreichischer Bauern konnte von 29.366 € auf 34.246 € um 16,6 Prozent erhöht werden, damit erfolgte ein notwendiger Beitrag zur Stabilisierung der bäuerlichen Einkommen.
Strukturwandel geht unverändert weiter
Die Zahl der Milchlieferanten ging 2011 von 36.583 auf etwa 35.400 neuerlich um 3,2 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg hingegen von 76 auf 82 t pro Jahr und Milchbauer um 7,9 Prozent recht deutlich.

Milchabsatz in Österreich mit stabiler Entwicklung

2011 war auf dem österreichischen Markt eine weitgehend stabile Entwicklung feststellbar. Die gesamte Absatzmenge blieb gleich, etwas mehr wurde bei Käse, etwas weniger bei der bunten Palette abgesetzt, die Werte sind jedoch aufgrund der höheren Preise um 5,7 Prozent gestiegen (Quelle: RollAMA).

Österreichische Milchprodukte günstig

Trotz einzelner moderater Preiserhöhungen bei einzelnen Milchprodukten im Jahr 2011 sind Milchprodukte in Österreich nach wie vor günstig, dies zeigt ein Vergleich der Entwicklung des Verbraucherpreisindexes 1986, demzufolge der Gesamtindex in diesem Zeitraum um 74 Prozent gestiegen ist, Nahrungsmittel um 59 Prozent, aber Milchprodukte nur um 34 Prozent, während hingegen Wohnung, Wasser und Energie um 112 Prozent und die Lohnentwicklung sich um 119 Prozent erhöhte. Von teuren Lebensmitteln kann daher keine Rede sein, auch ist der Anteil des durchschnittlich für Lebensmittel ausgegeben Einkommens laufend zurückgegangen und beträgt derzeit ca. 12,1 Prozent, 1,64 Prozent werden für Milchprodukte ausgegeben. Die Preise für Standardprodukte bei Butter und Käse liegen zurzeit deutlich unter den Preisen vor 30 Jahren.

Milchwirtschaftlicher Außenhandel: Rekord bei Exporten und Importen

Im Jahr 2011 erreichte der milchwirtschaftliche Außenhandel neue Rekorde: Die Exporte stiegen vom 908 Mio. € auf 970 Mio. € um 62 Mio. € (plus 6,8 Prozent), gleichfalls stiegen die Importe von 534 Mio. € auf 584 Mio. € um 50 Mio. € (plus 9,4 Prozent). Dies bedeutet auch ein höheres positives Außenhandelssaldo von 386 Mio. € (plus 3 Prozent) sowie eine Exportquote von 44,1 Prozent und eine Importquote von 26,5 Prozent (Quelle: Statistik Austria). Die gestiegenen Exporte resultieren aus der Mehrlieferung in Österreich, gleichfalls kam es zu steigenden Importen, die vor allem vom Handel für den Preiseinstieg bei Handelsmarken genutzt werden, teilweise auch für die Weiterverarbeitung bzw. Weiterverbringung in das Ausland. Für die österreichische Milchwirtschaft ist jedenfalls die hohe Abhängigkeit von den Auslandsmärkten sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung nach Quotenende.

Mehr als 100.000 t Käse exportiert

Wichtigstes Exportprodukt ist Käse. Erstmals konnten 102.000 t exportiert werden, importiert wurden 89.000 t. Die Exporte beliefen sich wertmäßig auf 415 Mio. €, die Importe auf 351,5 Mio. €. Wichtigste Exportländer sind nach wie vor Deutschland und Italien, importiert wird vor allem aus Deutschland und anderen EU-15-Ländern. Österreich versucht gerade im Käsebereich höherwertige Produkte zu exportieren, während günstige Käsesorten vor allem im Preiseinstieg der Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels angeboten werden (durchschnittlicher Exporterlös ist 4,07 €/kg, durchschnittlicher Importpreis 3,95 €/kg).
Bei fermentierten Milchprodukten und Joghurt wurden 150 Mio. t mit einem Exportwert von 154,8 Mio. € exportiert, während 45,1 Mio. t um 54,1 Mio. € importiert wurden. Hoch sind nach wie vor die Importe von Butter mit einer Menge von 12.900 t, während 1.600 t Butter exportiert wurden.
Der Export von flüssigen Produkten ist von 268 auf 311 Mio. € gewachsen, wobei vor allem der Export von ESL- und H-Milch nach Deutschland und in südliche EU-Länder gestiegen ist. Der Export von „Tankmilch“ durch Molkereien ist weiterhin auf niedrigem Niveau und lag bei 4,2 % des Gesamtumsatzes und dient vornämlich dem Ausgleich von Anlieferungsspitzen. Bei Molke konnten deutlich höhere Exportmengen verbucht werden.

Außenhandel mit EU-Erweiterungsländern positiv

Die Österreichische Milchwirtschaft konnte 2011 mit den 12 EU-Erweiterungsländern einen Export von 82 Mio. €  und Importe von 32 Mio. € verbuchen, was einen positiven Außenhandelssaldo von 50 Mio. € ergab. Damit zeigt sich, dass diese Märkte noch ein höheres Potential haben und für die Milchwirtschaft interessant sind.

Österreichs Milchprodukte von höchster Qualität

Die österreichische Milchwirtschaft setzt in ihrer gesamten Ausrichtung auf höchste Qualitätsstandards, beginnend in der landwirtschaftlichen Produktion und in der Verarbeitung. Dies drückt sich auch durch entsprechende Innovationen im Qualitätsbereich aus, z.B. Heumilchprodukte, dem hohen Biomilchanteil und den vielen regionalen Spezialitäten. Mit dem AMA-Gütezeichen gibt es ein anerkanntes Qualitätslabel, das österreichische Herkunft garantiert und besondere Qualitätsmaßstäbe auf Basis des österreichischen Lebensmittelcodex, der deutlich über EU-Lebensmittelrechtsbestimmungen hinausgeht. Zusätzlich wird auf strenge Umweltprogramme und hohe Tierschutzstandards in der Landwirtschaft geachtet.

Preisvergleiche der Arbeiterkammer sagen nicht die Wahrheit

Klar ist, dass derartige Produkte somit nicht die billigsten innerhalb der EU sein können, wie dies z.B. von der Arbeiterkammer vorgehalten wird, zumal gentechnikfreie Produktion und höhere Qualitätsniveaus bei diesen Preisvergleichen nie erwähnt werden. Trotz dieser höheren Qualitätsanforderung in der heimischen Milchwirtschaft ist Österreich im EU-Vergleich als sehr günstig einzustufen, zumal Milchprodukte in den meisten Ländern deutlich teurer als in Österreich sind. Auch sind Preisvergleiche mit Deutschland, dem billigsten Land in Westeuropa, wo auch ganz andere Produktions- und Vermarktungsstrukturen herrschen, wenig zweckmäßig.

Lebensmitteleinzelhandel in Österreich hoch konzentriert

Die österreichische Milchwirtschaft ist beim österreichischen Lebensmitteleinzelhandel mit einer sehr starken Marktkonzentration konfrontiert, woraus unter anderem eine laufende Erweiterung der Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels resultiert. Gleichzeitig werden vor allem im Preiseinstieg Billigstprodukte aus dem Ausland platziert. Diese wurden in weiterer Folge über „Bestpreisgarantien“ mit heimischen Produkten verglichen, die auf deutlich höheren Standards basieren.

Aussichten 2012 differenziert

Während im Laufe des Jahres 2011 die internationalen Notierungen für einzelne Produkte noch gestiegen sind, kam es zwischenzeitlich zu einzelnen Preiskorrekturen, die auch in Österreich bereits spürbar geworden sind. Angesichts der nach wie vor fundamental guten Absatzlage in Europa und auf den internationalen Märkten ist derzeit die weitere Marktentwicklung spannend. Ziel ist es, den Durchschnittspreis für Erzeugermilch aus 2011 zu halten.
Die Erzeugerpreise lagen in der ersten 2 Monaten 2012 bei durchschnittlich 41,58 Cent/kg (natürliche Inhaltsstoffe, inkl. Steuern) und damit um 6,7 Prozent über dem Niveau von 2011.

EU-Milchpaket beschlossen

Vom Europäischen Parlament und EU-Rat wurde das sogenannte „Milchpaket“ beschlossen. Dieses wurde nach der Milchkrise 2008/09 erarbeitet, um die Stellung der Milcherzeuger in der Lebensmittelkette zu stärken und im Hinblick auf das Auslaufen der Milchquote mit 2015 neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Die österreichischen Milchverarbeiter rechnen nach Auslaufen der Quote in Österreich mit einer tendenziell steigenden Milchanlieferung, die es bestmöglich zu verarbeiten und zu vermarkten gilt, zum Großteil auf den internationalen Märkten, der auch eine gute Entwicklung zeigt.
Bei den anstehenden Verhandlungen zur Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 müssen  Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Milchproduktion in Österreich auch weiterhin ihren Stellenwert hat und insbesondere die naturbedingten Nachteile durch die Produktion in Berg- und benachteiligten Gebieten sowie die zusätzlichen Kosten für Umweltprogramme weiterhin abgegolten werden.

Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich seitens der maßgeblichen österreichischen Stellen des politischen Lebens entsprechend Unterstützung, um sich für diese weitere Liberalisierung auf den Markt bestmöglich vorbereiten zu können und den Milchstandort Österreich zu sichern. Nur so kann die wichtigste Säule der österreichischen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion entsprechend erfolgreich ausgebaut und weiterentwickelt werden. Wir denken, dass wir mit unseren hohen Standards in der Produktion und in der Verarbeitung die Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung haben, diese müssen in einer partnerschaftlichen Vorgangsweise der betroffenen Akteure entsprechend weiterentwickelt werden, ergänzte Präsident Helmut Petschar.


Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at