Molkereien halten Anhebung der Milchprodukt-Preise für notwendig
Vor allem Butter derzeit zu billig

Wien, 22. August 2012 (aiz.info). - Die erst Ende Juli vom Handel gesenkten Preise für manche Milchprodukte wie länger frischer Milch könnten schon in einigen Monaten wieder anziehen. "Die Märkte zeigen nach oben, im Herbst gibt es grundsätzlich die Tendenz zu weniger Milchanlieferung. Vor allem bei Butter muss der Preis wieder auf ein entsprechendes Niveau angehoben werden", erklärte heute Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, gegenüber der APA. Wie berichtet, war im Juli ein Diskonter vorgeprescht, indem er die Preise für Topfen, Sauerrahm, länger haltbares Schlagobers und Milch um 4 bis 10 Cent je Packung senkte, andere Ketten zogen sofort nach. In den Monaten davor war der Butterpreis österreichweit bereits um 20 Cent pro 250 Gramm-Packung gefallen.

"Viele Bauern klagen derzeit über steigende Futtermittel- und Energiepreise", gab Petschar zu bedenken. Gleichzeitig seien heuer die Erzeugerpreise für Rohmilch spürbar gesunken. "Wir sind daher laufend in Gesprächen mit dem Handel", so der VÖM-Präsident.

Deutscher Milchindustrie-Verband erwartet ebenfalls steigende Preise

Auch der Deutsche Milchindustrie-Verband (MIV) rechnet damit, dass die Preise bei Molkereiprodukten wieder ansteigen werden. "Die starken Preisbewegungen bei den Leitprodukten Butter, Käse und Milchpulver erfassen den gesamten Milchmarkt. Gegen Ende des Sommers gehen die Rohmilch-Anlieferungen auch in Folge der hohen Temperaturen deutlich zurück. Die ersten Butterbestände aus der privaten Einlagerung müssen zum Marktausgleich herangezogen werden. Die öffentlichen Bestände in der EU sind bereits alle abgebaut worden. Wie in vielen anderen Bereichen auch, wird der Verbraucher diese Verknappung in Form steigender Lebensmittelpreise feststellen, das gilt auch für Milchprodukte", stellte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser gestern in Berlin fest.

"Noch im Frühjahr bewegte sich die Milchanlieferung in der EU auf sehr hohem Niveau, was die Erzeugerpreise unter Druck setzte. Zum Herbst hin erwarten alle Marktexperten eine Befestigung der Lage. Jetzt nach den Sommerferien steigt erfahrungsgemäß der Verbrauch stark an. Das Ende des Ramadan zeigt ebenfalls seine Wirkung auf der Nachfrageseite", erläuterte Heuser. Das Exportgeschäft entwickle sich derzeit unterschiedlich. Die Eurokrise erleichtere nicht gerade das Geschäft. Andererseits bringe der weltweit hohe Ölpreis Kaufkraft in die OPEC-Staaten, diese seien wichtige Kunden der deutschen Molkereiwirtschaft.