VÖM-Pressekoferenz: Bilanz 2012 und Ausblick 2013
2012 wechselhafte Entwicklung - 2013 stabile Signale

Dir. Helmut Petschar
Geschäftsführer der Kärntnermilch reg.Gen.m.b.H.,
Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM)

Mag. DI Johann Költringer
Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM)

 


2012 ein Jahr mit wechselhafter Entwicklung – 2013 stabile Signale

2012 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr mit wechselhafter Entwicklung. Bis in den Sommer 2012 hinein war der Milchmarkt aufgrund internationaler Vorgaben unter Druck, erst ab dem Herbst waren wieder stabile Entwicklungen am Milchmarkt spürbar. Diese setzen sich auch im heurigen Jahr fort. Die Milchpreise für die Bauern sind im Vergleich zum Jahr 2011 etwas zurückgegangen, die Molkereien verdienten wenig und die Umsätze stagnierten. Am Inlandsmarkt gab es Konsumzurückhaltung. Bei den Exporten konnte ein Rekordwert erzielt werden, 47,5 Prozent der Erlöse wurden im Ausland erzielt, gleichzeitig stiegen die Importe.

2012 Jahr mit wechselhafter Entwicklung

Das Milchwirtschaftsjahr 2012 war europaweit und auch in Österreich von einer wechselhaften Entwicklung geprägt: Bei steigender Anlieferung gab es bis zum Sommer rückläufige Preisentwicklungen auf den internationalen Märkten, die auch für die österreichischen Molkereien spürbar waren. Erst in den letzten Monaten des Jahres 2012 konnte auf den Märkten eine deutliche Aufwärtsentwicklung festgestellt werden. Die EU-Interventionsläger sind leer, auch werden seit Jahren keine Exportbeihilfen von der EU gewährt, sodass der EU-Markt sich in Abhängigkeit vom Weltmarkt entwickelt.

Ab Herbst 2012 positive Signale

Steigende Exporte in Drittländer konnten den EU-Markt ab der zweiten Jahreshälfte entlasten. Dazu kam, dass das weltweite Wachstum der Milchproduktion unter der Nachfrageentwicklung zu liegen kam und somit ein Preisauftrieb zum Ende des Jahres feststellbar war.

Umsätze gleich geblieben

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2012 mit ca. 2,2 Milliarden Euro gleich geblieben, dies resultierte aus höheren Mengen und niedrigeren Abgabepreisen bei Milchprodukten.

Äußerst knappe Gewinne bei Molkereien

Das bereinigte EGT bezogen auf den Umsatz der österreichischen Molkereien kam im Durchschnitt bei 0,6 Prozent zu liegen. Die Ursache dafür ist zum Einen der harte Wettbewerb am österreichischen Milchmarkt und die hohe Handelskonzentration, insbesondere aber eine Reihe von Preisreduzierungen im Sommer des Jahres 2012 am österreichischen Markt, zu einer Zeit als international bereits gegenteilige Preisentwicklungen feststellbar waren und diese von den Handelsketten dennoch durchgesetzt werden konnten.

Verwertungserlös je kg Milch gesunken

Der durchschnittliche Verwertungserlös je Kilogramm verarbeiteter Milch ist im Jahr 2012 von 72,36 Cent auf 70,32 Cent zurückgegangen (minus 2,8 Prozent, Hochrechnung des Raiffeisenverbandes Oberösterreich). Dies zeigt, dass in den Molkereien äußert knapp kalkuliert wird und die Kalkulationen ohne Spielräume erfolgen.

Anlieferung 2,1 Prozent gestiegen

Die Milchanlieferung lag 2012 mit 2,97 Mio. t in Österreich um 2,1 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Für das mit Ende März 2013 abgelaufene Milchwirtschaftsjahr 2012/13 ergab dies eine Überlieferung der nationalen Quote um voraussichtlich 111.500 t, was in weiterer Folge eine ähnlich hohe Superabgabe wie im Vorjahr erwarten lässt. EU-weit ist die Milchanlieferung 2012 um 0,6 Prozent gestiegen, die Gesamtquote der EU wird weiterhin deutlich unterschritten.

Erzeugerpreise um 4,2 Prozent gefallen

Die Erzeugerpreise sind 2012 von 39,62 Cent auf 37,96 Cent um 4,2 Prozent gefallen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. MwSt).

Österreichische Erzeugerpreise über EU-Durchschnitt

Die Erzeugerpreise kamen EU-weit unter Druck, dennoch lagen die Milchpreise in Österreich auch im Jahr 2012 über dem EU-Durchschnitt. Ein Vergleich der Europäischen Union weist für Österreich durchschnittliche Erzeugerpreise von 33,8 Cent/kg (exkl. MwSt.) laut EU-Berechnungsmethode bei einem EU-Durchschnitt von 32,6 Cent/kg (plus 3,7 Prozent, Quelle: EU-Kommission) aus. Dabei ist zu bedenken, dass die österreichische Milchwirtschaft aufgrund der kleinen Struktur mit um ca. 1,5 Cent höheren Erfassungskosten, flächendeckend höheren Qualitätsstandards in Form von garantierter Gentechnikfreiheit, höheren Umweltstandards und erhöhten Kosten durch die Produktion in  Berg- und benachteiligten Gebieten konfrontiert ist.
Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der österreichischen Molkereien an die Bauern konnte von 32.529 € auf 33.112 € um 1,8 Prozent erhöht werden, wobei diese Steigerung aus der höheren Anlieferung je Betrieb und dem Strukturwandel resultiert. Zu beachten ist aber, dass die höheren Qualitätsanforderungen (Gentechnikfreiheit, höhere Umwelt- und Tierschutzkosten, Bewirtschaftung in Berggebieten sowie gestiegene Kosten im Futtermittelbereich) weitere Schritte in der Einkommensabsicherung erforderlich machen.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2012 von 35.374 auf etwa 34.000 um 3,9 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg hingegen von 82,1 auf 87,2 t pro Milchbauer und Jahr (plus 6,3 Prozent) bei durchschnittlich 15,4 Milchkühen je Betrieb. Dennoch hat Österreich im EU-Vergleich eine sehr geringe Durchschnittsanlieferung je Betrieb.

Konsumzurückhaltung im Inland

2012 war auf dem österreichischen Markt eine leicht rückläufige Entwicklung beim Absatz feststellbar. Der gesamte Absatz fiel wertmäßig um 0,7 Prozent, mengenmäßig um minus 2,3 Prozent besonders in der bunten Palette und etwas bei Trinkmilch, mehr konnte bei Käse abgesetzt werden (Quelle: RollAMA).

Österreichische Milchprodukte von höchster Qualität und günstig

Milchprodukte sind ernährungsphysiologisch höchst wertvolle Lebensmittel. Ein entsprechender Anteil von Milchprodukten in der menschlichen Ernährung ist die beste Voraussetzung für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Milch beinhaltet viele wichtige Nährstoffe, Spurenelemente und Vitamine, auf die das ganze Leben nicht verzichtet werden soll. Zudem sind Milchprodukte angesichts der höheren Wertigkeit äußerst preisgünstige Lebensmittel. Heute sind viele Milchprodukte noch immer billiger zu haben als vor über 30 Jahren.

Österreichs Milch von höchster Qualität

Auch Vergleiche mit dem Ausland braucht Österreichs Milch nicht zu scheuen, schließlich erfüllt die österreichische Milch höchste Qualitätsansprüche, sie unterliegt strengen Qualitätskriterien, Österreichs Milch wird gentechnikfrei und unter hohen Umwelt- und Tierschutzauflagen produziert.

Höhere Kosten in Österreich

Hohe Kosten verursachen im Vergleich zu anderen EU-Staaten höhere Lohn- und Lohnnebenkosten, höhere Erfassungskosten aufgrund der kleinbäuerlichen Struktur und der Produktion in Berggebieten, erhöhte Logistikkosten in der Verteilung und höhere Kosten durch strengere Auflagen aufgrund des österreichischen Lebensmittelbuches, das die Voraussetzung für die Teilnahme am AMA-Gütesiegelprogramm ist. Daher ist es nicht gerechtfertigt, diese höhere österreichische Qualität mit den billigsten Qualitätsstufen aus anderen Ländern zu vergleichen und dabei die erhöhten Kosten in Österreich gänzlich außer Acht zu lassen. Daher lehnen wir verkürzte Preisvergleiche, wie diese von der Arbeiterkammer immer wieder vorgenommen werden vehement ab, sie sind schlichtweg zu kurz gegriffen und kommen zum falschen Ergebnis, weiters gefährden sie österreichische Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Lebensmittelindex wächst nicht stärker als in Deutschland

Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie des Ökonomen Bruckbauer hat ergeben, dass über die letzten fünf Jahre die Indexentwicklung bei Lebensmittel in Österreich nicht über der Entwicklung in Deutschland zu liegen kam, sich aber Wohnungsmieten um 15 Prozent stärker als in Deutschland und auch andere Kostengruppen deutlich über dem deutschen Index entwickelten, womit das Märchen von stärker steigenden Lebensmittelpreisen in Österreich als in Deutschland eindeutig widerlegt ist.

Milchwirtschaftlicher Außenhandel: Rekord bei Exporten und Importen

Im Jahr 2012 erreichte der milchwirtschaftliche Außenhandel einen neuen Rekord: Die Exporte stiegen vom 970 Mio. € auf 1.043 Mio. € um 73 Mio. € (plus 7,5 Prozent), gleichfalls stiegen die Importe von 585 Mio. € auf 618 Mio. € um 33 Mio. € (plus 5,6 Prozent). Dies bedeutet auch ein höheres positives Außenhandelssaldo von 425 Mio. € (plus 10,4 Prozent) sowie eine Exportquote von 47,5 Prozent und eine Importquote von 28,1 Prozent (Quelle: Statistik Austria). Die gestiegenen Exporte resultieren aus der Mehranlieferung in Österreich, gleichfalls kam es aber zu steigenden Importen, die vor allem vom Lebensmittelhandel für den Preiseinstieg und für Handelsmarken genutzt wurden, teilweise auch für die Weiterverarbeitung bzw. Weiterverbringung in das Ausland. Für die österreichische Milchwirtschaft ist jedenfalls die hohe Abhängigkeit von den Märkten im Ausland sehr wichtig, fast jeder zweite Liter Milch wird im Ausland verkauft. Im Hinblick auf die Entwicklung nach Quotenende rechnen wir mit einer Exportquote von über 50 Prozent.

Käse mit 116.000 t wichtigstes Exportprodukt

Wichtigstes Exportprodukt ist Käse. Erstmals konnten 116.000 t exportiert werden, importiert wurden 97.000 t. Die Exporte beliefen sich wertmäßig auf 460 Mio. €, die Importe auf 386 Mio. €. Wichtigste Exportländer sind nach wie vor Deutschland und Italien, importiert wird vor allem aus Deutschland und anderen EU-15-Ländern.
Bei fermentierten Milchprodukten und Joghurt wurden 148.000 t mit einem Exportwert von 156,8 Mio. € exportiert, während 41.000 t um 51,1 Mio. € importiert wurden. Gestiegen sind nach wie vor die Importe von Butter mit einer Menge von 13.700 t, während 1.900 t Butter exportiert wurden. Die Exporte von Molke wurden von 206.000 auf 218.000 t gesteigert und brachten 71 Mio. €.
Der Export von flüssigen Milchprodukten ist von 309 auf 322 Mio. € gewachsen, wobei vor allem der Export von ESL- und H-Milch nach Deutschland und in südliche EU-Länder um 8,7 Prozent auf 378.000 t gestiegen ist. Der Export von „Tankmilch“ durch Molkereien lag bei 4,5 Prozent des Gesamtumsatzes.

Außenhandel mit EU-Erweiterungsländern entwickelt sich weiter positiv

Die Österreichische Milchwirtschaft konnte 2012 Milchprodukte in die 12 EU-Erweiterungsländer um 85 Mio. €  (plus 3 Mio.) exportieren, importiert wurde hingegen um 30 Mio. € (minus 2 Mio.), was einen positiven Außenhandelssaldo von 55 Mio. € (50 Mio. € 2011) ergab. Hier zeigt sich eine sehr erfreuliche Entwicklung, die weiter ausgebaut wurde. Wichtigste Importprodukte sind Joghurts aus Polen und Tschechien, die in Österreich als westeuropäische Markenprodukte verkauft werden, wichtigste Exportmärkte sind vor allem Käse und Joghurt für Slowenien und Ungarn.

Lebensmitteleinzelhandel in Österreich hoch konzentriert

Der österreichische Lebensmitteleinzelhandel ist hoch konzentriert, die drei größten Handelsketten haben 83,9 Prozent Marktanteil. Die große Macht der Handelsketten führt zu laufenden Steigerungen der Handelsmarken, mit denen versucht wird die Machtverhältnisse in der Lebensmittelkette weiter zu Gunsten des Handels zu verschieben. Ein großes Problem stellen die „Bestpreisgarantien“ und ähnliche Vergleiche mit zumeist ausländischen Billigprodukten dar, die auf deutlich geringeren Qualitätsstandards basieren als die österreichischen Produkte, die aber trotzdem als Benchmark Verwendung finden.

Aussichten 2013: positive Signale

Während das Jahr 2012 mit Schwierigkeiten am Markt gestartet hat, gibt es in den ersten Monaten des Jahres 2013 vom internationalen Markt positive Signale: zum Einen gibt es aufgrund der Witterung, sowie aufgrund höherer Futterkosten in der EU und weltweit derzeit Produktionsrückgänge, während sich die internationale Nachfrage, vor allem in Drittmärkten positiv entwickelt. Die Interventionsläger sind leer und dies führt zu einer deutlichen Belebung der Märkte. Auf mehreren Märkten gab es bereits Preisanpassungen nach oben (z.B. Deutschland), die in Österreich noch nicht umgesetzt wurden. Die Erzeugerpreise lagen in den ersten drei Monaten 2013 bei 39,63 Cent/kg (natürliche Inhaltsstoffe, inkl. Steuern) und damit 4,4 Prozent über dem Durchschnittwert des Jahres 2012.

GAP nach 2013 für Zukunft Milchwirtschaft maßgeblich

Derzeit werden seitens der europäischen und österreichischen Milchwirtschaft mit Spannung die Verhandlungen zur Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 sowie zu den Budgetbeschlüssen verfolgt, die für die europäische Milchwirtschaft maßgeblich sein werden. Wichtig für die österreichischen Milchbauern ist vor allem, dass ein Förderungspaket ausverhandelt wird, die unseren Bauern, die vornehmlich im Berg- und benachteiligten Gebieten sowie unter höheren Umweltanforderungen und Qualitätsauflagen arbeiten, ihre Zukunft sichert.
Mit der Abschaffung der Milchquote ist im Jahr 2015 ein weiterer großer Liberalisierungsschritt zu erwarten, derzeit werden mit dem Europäischen Parlament Modelle für die Zeit nach 2013 diskutiert, bei denen Zu- und Abschläge für Mehr- oder Minderlieferung im Krisenfall vorgesehen sind. Die Molkereien bereiten sich bereits jetzt auf die Zeit nach dem Ende der Milchquoten vor, für die mehr Milch zu verarbeiten sein wird. Ebenfalls novelliert wird derzeit die Schulmilchaktion auf EU-Ebene, diese wird seitens der österreichischen Milchwirtschaft als wichtig erachtet. Schließlich gibt es laufend Entscheidungen im Bereich Lebensmittel, Lebensmittelrecht und Lebensmittelkennzeichnung, hier fordert die Milchwirtschaft sachliche Lösungen, die den Konsumenten helfen eine gute Auswahl zu treffen und die Missbrauchsmöglichkeiten unterbindet.

Partner der Milchbauern und Konsumenten

Die österreichische Milchwirtschaft sieht sich als Partner der österreichischen Milchbauern und Konsumenten, die bestrebt ist bestmögliche Milchprodukte anzubieten. Sie hat in den letzten Jahren laufend Produktverbesserungen durchgeführt und mit Bio-, Regional- und Heumilchprodukten international beachtete Qualitätsschienen hervorgebracht. Sie ersucht die österreichischen Konsumenten und den österreichischen Handel sowie alle verantwortungsbewussten Stellen im Lande diese österreichische Qualitätsstrategie weiterhin mitzutragen und zu unterstützen.
Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich von der kommenden Regierung Rahmenbedingungen, die den Milchstandort Österreich bestmöglich unterstützen. Wir sehen in der globalen Entwicklung am Lebensmittelmarkt und insbesondere für die Milchwirtschaft grundsätzlich gute Rahmenbedingungen, die wir auch entsprechend nutzen wollen, ergänzte Präsident Helmut Petschar.


Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/21136-2558, mail: voem@netway.at