Heimische Milchwirtschaft erfreut über Exporterstattungen
Költringer: Maßnahmen zur Stabilisierung dringend notwendig

Wien, 16. Jänner 2009 (aiz.info). - Erfreut über die gestrige Ankündigung von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel, Exporterstattungen für Butter, Käse sowie Voll- und Magermilchpulver wieder einzuführen und die Intervention in diesem Bereich zu forcieren, zeigt sich die Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM). "Diese Maßnahmen sind dringend notwendig, um auf dem internationalen Milchmarkt eine Stabilisierung herbeizuführen", stellte heute VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer gegenüber dem AIZ fest. Er bedankte sich in diesem Zusammenhang auch für die Unterstützung durch Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich, dem die VÖM-Vertreter diese Woche einen Besuch abstatteten und dabei auf die Bedeutung von marktstabilisierenden Maßnahmen im Milchbereich hinwiesen. Der Minister habe dieses Thema auch auf EU-Ebene zur Sprache gebracht, so Költringer.

"Gerade die aktuelle Gaskrise zeigt, dass das Anlegen von Reserven immer noch sehr wichtig ist. Umso mehr gilt dies für den sensiblen Lebensmittelbereich. Wir gehen daher davon aus, dass das Instrument der Intervention, die öffentliche Lagerhaltung also, auch weiterhin einen Platz in der Milchmarktpolitik der EU haben wird. Eine Festsetzung der Interventionspreise sollte aber so erfolgen, dass in der Folge auch realistische Erzeugerpreise möglich sind", unterstrich Költringer. Die Finanzkrise wiederum habe klar vor Augen geführt, dass eine grenzenlose Liberalisierung im Wirtschaftsbereich gefährlich sein kann. Die Einführung von Exporterstattungen solle die europäischen Milchverarbeiter wettbewerbsfähiger machen und den durch die steigende Produktion und Absatzprobleme unter Druck geratenen internationalen Milchmarkt entlasten, so der VÖM-Geschäftsführer.

Erstattungen für Butter, Käse sowie Voll- und Magermilchpulver


Wie berichtet, hat Agrarkommissarin Fischer Boel am Donnerstag in Berlin Maßnahmen zur Stützung des Milchmarktes angekündigt. Nächste Woche will die Brüsseler Behörde die Ausfuhrerstattungen für Butter, Käse sowie Voll- und Magermilchpulver wieder einführen. Wenn im März die Interventionskäufe für Milch und Magermilchpulver beginnen, will die Kommission erforderlichenfalls über regelmäßige Ausschreibungen mehr als die im Voraus festgesetzten Mengen aufkaufen. Im November hat die Kommission mit Wirkung vom 01.01.2009 wieder die private Lagerhaltung für Butter eingeführt, dabei wird auch die im Dezember hergestellte Butter berücksichtigt. Damit erfolgte diese Wiedereinführung früher als bisher üblich.

Nach dem bisher einmaligen Preisanstieg für Milch und Milchprodukte im Jahr 2007 und Anfang 2008 hat sich die Marktlage inzwischen vollständig umgekehrt. Durch das gestiegene Angebot auf dem Weltmarkt bei gleichzeitigem Nachfragerückgang auf dem EU-Binnenmarkt haben sich die Preise für Molkereiprodukte der Interventionsschwelle angenähert oder sind sogar noch darunter gefallen. Der den Milcherzeugern gezahlte Preis entwickelt sich ebenfalls rückläufig. Verschärft wird diese Situation noch durch die Probleme infolge der Finanz- und Kreditkrise. Heimische Agrarpolitiker kritisieren, dass im Rahmen des Health Checks weitere Quotenerhöhungen beschlossen wurden und damit die EU-Produktion tendenziell weiter steigen kann. Bekanntlich werden die Referenzmengen ab dem Quotenjahr 2009/10 über fünf Jahre um jeweils 1% aufgestockt und im April 2015 sollen sie überhaupt auslaufen.