Milchwirtschaft: Bilanz 2013 und Ausblick 2014
2013 stabile Entwicklung - 2014 weiter grundsätzlich stabiler Markt


 2013 ein Jahr mit stabiler Entwicklung

2013 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr mit stabiler Entwicklung. Eine gute internationale Nachfrage und begrenzte Verfügbarkeit von Mengen in wichtigen Exportländern führten zu einer deutlichen Dynamik auf den Weltmärkten, die auch für Europa und Österreich stabile Marktverhältnisse brachte.

2014 weiter grund­sätzlich stabiler Markt

Für 2014 gehen die meisten Prognosen von grund­sätzlich stabilen Marktverhältnissen aus, zuletzt einge­tretene Preiskorrekturen im Milchfettbereich sowie höhere Anlieferungsmengen sollten aufgrund der nach wie vor guten Nachfrage am Weltmarkt keine gravierenden Rückschläge für das heurige Jahr be­wirken.
Die Erzeugermilchpreise erreichten zu Beginn 2014 einen Höchstwert und das Niveau vor dem EU-Beitritt vor 20 Jahren. Bei den Exporten konnte ein Rekordwert erzielt werden, ebenfalls gestiegen sind die Importe. 2014/15 wird das letzte Jahr der EU-Milchquoten sein.

2013 – ein Jahr mit stabiler Entwicklung

Das Milchwirtschaftsjahr 2013 war europaweit und in Öster­reich von einer stabilen Entwicklung geprägt: Witterungs-be­dingt reduzierte Anlieferungen in Österreich und geringe Steigerung in der EU sowie eine sehr gute Nachfrage auf den internationalen Märkten führten zu einer deutlichen Dynamik am Milchmarkt, besonders ab dem zweiten Halb­jahr.

Weltmarkt bestimmt Entwicklung des Milchmarktes

Die international zu beobachtende Preisdynamik war in Österreich aufgrund der starken Stellung des Lebens­mitteleinzelhandels – im Vergleich zu Deutschland – erst mit Verspätung bzw. nur teilweise spürbar. Die EU-Inter­ventionslager sind leer, auch werden seit Jahren keine Ex­portbeihilfen seitens der EU gewährt, der EU-Milchmarkt hat sich im Jahr 2013 am Weltmarkt orientiert.

Umsätze um 5,9 % gestiegen

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2013 mit ca. 2,33 Mrd. Euro Umsatz um 5,9 Prozent ge­stiegen. Dies resultierte aus höheren Verwertungs-beträgen bei Milchprodukten (plus 7,6 Prozent) bei einer um 1 Prozent geringeren Milchmenge.

Äußerst knappe Gewinne bei Molkereien

Das bereinigte EGT bezogen auf den Umsatz der öster­reichischen Molkereien kam im Durchschnitt bei 0,8 Prozent zu liegen. Dies zeigt den hohen Wettbewerb am heimischen Milchmarkt, gleichfalls die Tatsache, dass die öster­reichischen Molkereien die erzielten Erlöse an die Milch­bauern in Form von Erzeugermilchpreisen weitergeben.

Verwertungserlös je kg Milch gestiegen

Der durchschnittliche Verwertungserlös je Kilogramm ver­arbeiteter Milch ist im Jahr 2013 von 69,53 Cent auf 74,80 Cent gestiegen (plus 7,6 Prozent lt. Hochrechnung des Raiffeisenverbandes Oberösterreich).

Anlieferung um 1 % gesunken

Die österreichische Milchanlieferung lag 2013 mit 2,93 Mio. Tonnen um 1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Während im 1. Halbjahr und über den Sommer des Jahres 2013 durchwegs Mengenrückgänge zu beobachten waren, kam die Produktion ab Spätherbst 2013 und die ersten Monate des Jahres 2014 wieder deutlich in Schwung, so dass wir für das Milchjahr 2013/14 (April bis März) neuerlich eine Superabgabe für voraussichtlich 90.000 bis 100.000 Tonnen er­warten. EU-weit ist die Milchanlieferung um 0,7 Prozent leicht gestiegen, die Gesamtquote der EU wird im heurigen Milchjahr voraussichtlich um 5 Prozent unterschritten. Ob­wohl die Milchprodukte international sehr gut vermarktbar sind, ist für österreichische Milchbauern die Superabgabe nach Brüssel zu entrichten.

Erzeugerpreise um 10,8 % gestiegen

Die Erzeugerpreise sind 2013 von 37,96 Cent auf 42,06 Cent um 10,8 Prozent gestiegen (Milch mit natür­lichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. Mwst). Gegen Ende 2013 erreichten die Milchpreise in Österreich einen Höchstwert seit dem EU-Beitritt vor 20 Jahren.

Österreichische Er­zeugerpreise leicht über EU-Durchschnitt

Die Erzeugerpreise konnten sich im letzten Jahr EU-weit sehr positiv entwickeln. Sie lagen in Österreich im Jahr 2013 noch leicht über dem EU-Durchschnitt, auch wenn einzelne Vergleichsländer deutlich höhere Preise als Öster­reich ausbezahlen konnten. Ein Vergleich der Europäischen Union weist für Österreich durchschnittliche Erzeugerpreise von 37,55 Cent exkl. MwSt. lt. EU-Berechnungsmethode bei einem EU-Durchschnitt von 36,51 Cent aus – dies trotz höherer strukturbedingter Kosten in der Erzeugung und Logistik sowie höherer Qualitätsstandards in Österreich. Eine deutlich höhere Dynamik in der Preisentwicklung war auch in Ländern zu beobachten, die stärker auf den Welt­markt ausgerichtet sind und somit stärker von der Preis­steigerung auf den Weltmärkten profitieren konnten. (Quelle: EU-Kommission)
Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der öster­reichischen Molkereien an die Bauern konnte von 32.780  auf 37.054 Euro um 13 Prozent erhöht werden, wobei diese Steigerung sowohl von den höheren Preisen als auch von der höheren Anlieferung je Betrieb resultiert. Zu beachten ist aber, dass dahinter auch höhere Qualitätsanforderungen wie Gentechnikfreiheit, höhere Umwelt- und Tier­schutz-standards, Produktion in Berggebieten sowie ge­stiegene Kosten im Futtermittelbereich stehen und daher diese Entwicklung für die bäuerliche Einkommens­absicherung höchst notwendig ist.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2013 von 34.322 auf etwa 33.300 Milchproduzenten um 3 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg hingegen von 86,4 auf 88,1 Tonnen pro Milchbauer und Jahr (plus 2 Prozent) bei durchschnittlich 15,9 Milchkühen je Betrieb. Dennoch hat Österreich im EU-Vergleich eine sehr geringe Durch­schnittsanlieferung je Betrieb.

Konsumentwicklung differenziert

2013 war auf dem österreichischen Markt eine differenzierte Entwicklung beim Milchabsatz feststellbar: Während die weiße Palette (Trinkmilch) mit 1,2 Prozent und die bunte Palette (Joghurts und Desserts) mit 4,3 Prozent rückläufige Mengen zu verzeichnen hatten, konnte im Bereich Käse ein Plus von 3 Prozent erreicht werden. Insgesamt entwickelten sich die wertmäßigen Umsätze der Milchprodukte mit plus 3,5 Prozent positiv (Quelle: RollAMA).

Österreichische Milch­produkte haben höchste Qualität und sind günstig

 
Österreichische Milch­produkte haben höchste Qualität und sind günstig    Trotz einiger Preisanpassungen im abgelaufenen Jahr sind die österreichischen Milchprodukte immer noch sehr günstig, äußerst preiswert und ernährungsphysiologisch sehr wertvoll. Wichtige Milchprodukte liegen nach wie vor nominell unter den Preisen vor 20 Jahren. Besondere Be­achtung verdient aber die deutlich höhere Qualität der öster­reichischen Produkte:

  .) flächendeckende Gentechnikfreiheit in der Milchpro­duktion
  .) Herkunftskennzeichnung bei Verwendung des AMA-Gütezeichens
  .) höhere Qualitätsstandards
  .) regionale Produkte
  .) über 70 Prozent stammen aus Berggebieten
  .) Produktion in überschaubaren Strukturen
  .) Produktion unter hohen Umwelt- und Tierschutz­­auf­lagen
  .) höchster Biomilchanteil der EU mit 15 Prozent

Diese höhere Qualität verdient auch eine ent­sprechende Abgeltung, denn ansonsten ist dieser Mehr­aufwand auf Dauer im offenen Wettbewerb nicht erbringbar. Einseitige Preisvergleiche, wie diese von der Arbeiter­kammer durchgeführt werden, wägen in der Regel höchst unterschiedliche Qualitäten gegeneinander ab, daher wäre ein Vergleich identer Qualitäten umso aufschlussreicher. Die hohe Qualität der heimischen Produkte wird auch laufend von den sehr guten Ergebnissen bei internationalen Prämierungen bestätigt.  

Neuer Rekord bei milchwirtschaftlichem Außenhandel

Österreich konnte im Jahr 2013 im Außenhandel einen neuen Rekord verbuchen: Milchprodukte im Wert von 1,126 Mrd. Euro (plus 8,1 Prozent) sowie Importe im Ausmaß von 663 Mio. Euro (plus 7,6 Prozent) ergaben ein positives Außenhandelssaldo von 463 Mio. Euro (plus 8,7 Prozent). Mit diesen Werten wurden historische Höchststände erreicht, sie untermauern die Beliebtheit und Wertschätzung der heimischen Produkte im Ausland. Zudem stellen sie die hohe Leistungsfähigkeit und die Top-Qualitätsstandards der heimischen Milchprodukte unter Beweis. 48,3 Prozent der Milchprodukte werden exportiert, 28,4 Prozent importiert.
Die erhöhten Auslandsabsätze konnten trotz geringerer Milchanlieferung erreicht werden: Österreichs Milch-wirtschaft konnte von den ge­stiegenen Weltmarktpreisen im abgelaufenen Jahr mit höheren Exportzahlen profitieren, wobei alle Exporte ohne Exporterstattungen am freien Weltmarkt getätigt wurden.

Käse wichtigstes Exportprodukt

Im Bereich flüssige Milchprodukte gab es mit 810.000 Tonnen einen Rückgang von 2,7 Prozent, bei einer Preisver­besserung von 15 Prozent – Hauptexportprodukt in diesem Bereich ist die H-Milch. Bei Joghurt und Sauermilchprodukten wurden 144.000 Tonnen (minus 2,8 Prozent) zu 0,9 Prozent höheren Preisen exportiert, importiert wurden hier 38.000 Tonnen (minus 5,1 Prozent) zu 10,3 Prozent höheren Preisen. Bei Butter ist Österreich bereits seit längerem ein Importland, Exporte gab es im Ausmaß von 1.900 Tonnen (minus 1,4 Prozent), Importe von 14.300 Tonnen (plus 5,1 Prozent), bei beidseitig ge­stiegenen Preisen um 9 Prozent. Die hohen Importmengen gehen großteils in die Preiseinstiegsmarken der Handels­ketten und in die Weiterverarbeitung. Wichtigstes Außen­handelsprodukt ist Käse – exportiert wurden 117.600 Tonnen (plus 1 Prozent), während die Importe mit 97.200 Tonnen gleich blieben.

Deutschland und Italien Hauptabnehmer

Wichtigste Auslandsabnehmer für österreichische Milch­produkte sind nach wie vor Deutschland (45,6 Prozent) und Italien (23 Prozent). Weiters interessant ist die Ent­wicklung der Exporte in die Erweiterungsländer der EU, hier fallen vor allem Slowenien und Ungarn als wichtigste Ab­nehmer auf. Auf diese entfielen 7,7 Prozent der Gesamt­exporte. Der milchwirtschaftliche Außenhandel mit den Er­weiterungs-ländern erbrachte im abgelaufenen Jahr Exporte von 86,3 Mio. Euro und Importe von 25,9 Millionen Euro und damit einen positiven Saldo von 60,4 Millionen Euro.

Höchste Zuwächse bei Drittlandexporten

Die markanteste Steigerung im abgelaufenen Jahr war bei den Exporten in Drittländer zu verzeichnen, hier kam die gute weltweite Nachfrage (plus 22,5 Prozent) zum Tragen, die auch von österreichischen Exporteuren genutzt wurde. Insgesamt gehen derzeit ca. 10 Prozent der öster­reichischen Exporte in Drittländer. Die wichtigsten Export­länder sind die Schweiz, Libyen, Russland und China. Ins­gesamt wird in 110 Länder der Erde exportiert.

Lebensmitteleinzelhandel in Österreich hoch konzentriert

Die Situation mit dem österreichischen Lebensmittel-einzelhandel ist für die österreichische Milchwirtschaft nach wie vor nicht einfach, die drei größten Handelsketten haben einen Marktanteil von 86,1 Prozent. Eine Untersuchung der Ent­wicklung der durchschnittlichen Abgabepreise aller öster­reichischen Milchprodukte sowie des Verkaufspreis-index VPI ergab eine deutliche Aus­einanderentwicklung dieser Werte (Quelle: ÖSTAT). Während im Beobachtungs-zeitraum zwischen 2008 und 2013 die Molkerei­abgabe-preise um 3,6 Prozent zurückgingen, ist der VPI im gleichen Zeitraum um 6,5 Prozent gestiegen. Dies bedeutet, dass die Preisentwicklungen im Lebens­mitteleinzelhandel nur zum Teil aus der Änderung der Molkereiabgabepreise resultieren. Auch ist in diesem Zeit­raum der Anteil der Eigenmarken des Handels weiter ge­stiegen.

Aussichten 2014 grundsätzlich positiv

Während im Jahr 2013 der Milchmarkt sich weltweit auf einen Höchststand entwickelt hat, begannen die ersten paar Monate des Jahres 2014 auf hohem Niveau. Trotz zwischenzeitlicher Preiskorrekturen vor allem im Fett­bereich gehen die meisten Prognosen für das heurige Jahr von einer grundsätzlich stabilen Entwicklung aus. Auch wenn in einzelnen produktionsintensiven Gebieten derzeit deutliche Mengensteigerungen zu beobachten sind, so scheint die gute internationale Nachfrage diese vorerst gut aufzunehmen. Auch bestehen keine großen Lagermengen und die internationale Konjunktur läuft gut. Interessanteste Abnehmerländer am Weltmarkt sind vor allem China und Russland, beide mit ungebremstem Bedarf.

EU-Milchpolitik: Milch­quote läuft aus, mehr Milch zu erwarten

Das Milchjahr 2014/15 ist das letzte Jahr unter dem Regime der EU-Milchquote. Wenn diese mit Ende März 2015 aus­läuft, so erwarten wir in Europa aber auch in Österreich eine steigende Milchproduktion – für Österreich im Ausmaß zwischen 10-15 Prozent im Laufe der nächsten 10 Jahre. Dabei wird es vor allem von den internationalen Markt-gegebenheiten abhängen, zu welchen Bedingungen diese Mengen von den Märkten aufgenommen werden. Insgesamt räumen internationale Prognosen dem Milch­markt durchaus gute Zukunftschancen ein, auch wenn mit höheren Volatilitäten gerechnet werden muss. Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Agrarpolitik ist die private Lagerhaltung für Butter und die Intervention nur mehr als Kriseninstrument konzipiert. Daher kommen beide Markt-instrumente derzeit nicht zur Anwendung, ebenfalls sind die Exporterstattungen seit Jahren ausgesetzt.

Neugestaltung der EU-Agrarförderung

Für die österreichischen Milchbauern ist die Neugestaltung der EU-Agrarförderungen von besonderer Bedeutung. Schließlich gilt es durch diese Instrumente die erhöhten Kosten der österreichischen Milchbauern wirksam abzu­gelten, um so eine Teilnahme am internationalen Markt zu ermöglichen. Auf EU-Ebene werden verschiedene Ver­schärfungen im Bereich Lebensmittelrecht, Lebens­mittel­kennzeichnung sowie bei Lebensmittelkontrollen er­wartet.

Österreich setzt auf Qualität

Die österreichische Milchwirtschaft sieht sich gemäß ihrer Zukunftsstrategie als Qualitätsproduzent: Österreich hat hervorragende Voraussetzungen für die Produktion höchster Qualität. Sie hat gerade in den letzten Jahren im Bereich Bio-Produkte, im Bereich regionale Produkte, Heumilch oder Wiesenmilch hervorragende neue Qualitäts­produkte her­vorgebracht. Diese gilt es entsprechend weiter zu ent­wickeln und vor allem auch im Ausland stärker zu platzieren. Durch diese Qualitätsstrategie, die bereits am Bauernhof beginnt und durchgehend bis ins Produktregal gezogen werden muss, kann es gelingen, einen ent­sprechenden Qualitätsvorsprung zum Konsumenten zu bringen und nachhaltig Mehrwert zu schaffen.
Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich für diese Qualitätsstrategie auch Unterstützung seitens der Agrar­politik, von der AMA-Marketing GmbH und durch den Lebens­­mitteleinzelhandel.

 

Weitere Informationen:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/90664-2558, eMail: voem@netway.at