VÖM-Präsident Petschar: "Qualität gibt`s nicht geschenkt"
VÖM-Präsident Helmut Petschar zur Milchzukunft

In weniger als einem Jahr ist die Milchquote Geschichte; nicht nur in Österreich, nein, in der gesamten Europäischen Union. HelmutPetschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter   (VÖM), rechnet daher bis zum Jahr 2020 mit 15 Prozent mehr Milch für Österreichs Verarbeitungsbetriebe.


Liefern derzeit die rund 33.000 heimischen Milchbauern pro Jahr knapp 3 Millionen Tonnen Milch an Molkereien und Käsereien, so wird diese Menge auf 3,5 Millionen Tonnen anwachsen. Was das für den Markt bedeutet, wollte das "Bauerntournal" im Gespräch mitPetschar wissen. Derzeit exportieren wir, so Petschar, über 48 Prozent unserer Milchprodukte. Diese Quote werde auf über 50 Prozent steigen. Wörtlich: "Das können wir. Wir sind gut aufgestellt und setzen schon seit einigen Jahren sehr konsequent auf Qualität." Die Ausfuhren in mehr als 100 Länder seien da- für der beste Beweis, so Milch-Profi Petschar.

Er erwarte sich jedoch auf diesem Weg auch Begleitung. Dabei denkt Petschar einerseits an eine,Fortsetzung der in der Vergangenheit erfolgreichen Export-Offensiven, andererseits aber richtet er auch einen Appell an die Partner der Bauern und Molkereien, an den Handel: "Uns ist die Wertschöpfung entlang der gesamten Kette ein Anliegen. Da kann man den Bauern und ihren Verarbeitungsunternehmen nicht die schlechteren Karten geben. Denn die höchste Qualität, erzeugt nach den höchsten Auflagen, kann es nicht zum billigsten Preis Europas geben. Da muss man ehrlich sein."

Petschar, er ist Geschäftsführer der "Kärntnermilch", zählt auf: "Österreich ist das einzige Land, in dem Milch zu 100 Prozent gentechnikfrei hergestellt wird. Wir haben Umwelt- und Tierschutzstandards der EU-Spitze. Bei uns gibt es den höchsten Bio-Anteil und wir haben Spezialmilchsorten wie Heumilch oder Wiesenmilch. Es gibt keine Massentierhaltung und die Verarbeitungsqualität ist hoch." Basis für diese hohen Standards sei der österreichische Lebensmittelcodex ebenso wie das AMA-Gütezeichen. Petschar. "Beide schaffen Standards,die über die EU-Vorgaben hinausgehen." So vergehe kein Monat, weist Petscharauf die enorme Kontrolldichte hin, "in dem wir nicht eine unangemeldete Kontrolle in der Molkerei haben".

Er will diesen Weg Richtung Qualität auch in den kommenden Jahren unbeirrt weitergehen. Denn: "Für uns ist auch in Zukunft diese kompromisslose Qualitätsstrategie das Um und Auf. Ich erwarte mir aber auch vom Handel eine entsprechende Haltung. Diesen Dialog werden wir führen." Es könne nämlich nicht sein, dass die heimische Qualitäts-Ausrichtung durch Billigimporte unterlaufen werde: "Das ist doch nicht der Wunsch der Konsumenten!" Denn die österreichischen Konsumenten hielten den österreichischen Bauern und ihren Betrieben die Treue, so Petschar. Deshalb verfolge er auch das europaweit enorm starke Anwachsen der Handelsmarken mit einer gehörigen Portion Skepsis: "Hinter den Handelsmarken sind die Erzeuger und Herkünfte jederzeit austauschbar."

Dass die heimischen Milchprodukte nicht nur von den heimischen Konsumenten geschätzt werden, so der Molkerei-Präsident stolz, belegen zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben: "Zuletzt wurde Österreich bei den internationalen Käseweltmeisterschaften in Wisconsin mit vier Goldmedaillen ausgezeichnet!" Doch noch ehe die Quote endgültig ausläuft, sollte auch die Superabgabe gesenkt oder gar abgeschafft werden, forderte Petschar. Im Wortlaut: "Da unsere Milchbauern schon heute deutlich mehr als die Quote liefern, müssen wir im kommenden Jahr mit einer höheren Superabgabe rechnen. Wir appellieren daher dringend an die Europäische Union, zumindest für das letzte Jahr Erleichterungen bei der Berechnung der Superabgabe zu schaffen, um so zu einer wirksamem Entlastung für die heimischen Milchbauern zu kommen."