VÖM-Pressegespräch: Aktuelle Entwicklungen in der Milchwirtschaft
Russlandkrise bringt Schwierigkeiten für europäischen Milchmarkt

„Nachdem das erste Halbjahr 2014 im Vergleich zum letzten Jahr durchaus gut verlaufen ist und auch die Mehrmengen bei der Anlieferung von über 5 % in Österreich und EU-weit am Markt gut bewältigt wurden, so zeigen die Auswirkungen des Russlandembargos am europäischen Milchmarkt jetzt gravierende Marktstörungen“, erklärte Direktor Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter zur aktuellen Situation am Milchmarkt.

Mit einem durchschnittlichen Milchauszahlungspreis der österreichischen Molkereien von 45,38 Ct/kg (Jänner bis Juli 2014; natürliche Inhaltsstoffe, ab Hof, brutto), wurde eine Steigerung im Vergleich zum entsprechenden Wert des Vorjahrs um 13,4 % erreicht, auch wenn seit den Höchstpreisen im letzten Winter die Preise international etwas rückläufig waren. Dies zeigt, dass die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten trotz der höheren weltweiten Produktion bis zum Sommer funktioniert hat. Maßgeblich dafür waren vor allem die großen internationalen Abnehmer z.B. Russland mit einem Importvolumen von ca. 250.000 Tonnen Käse aus der EU im Jahr 2013 und China mit einem Importvolumen von über 1 Million Tonnen bei Milchpulver, das vor allem aus Ozeanien kommt.

Umso mehr hat das Russlandimportembargo den EU-Milchexportmarkt gestört, dies vor allem in Nachbarländern von Russland, die mit ihren Exporten zu einem wesentlichen Anteil vom russischen Markt abhängig waren, wie beispielsweise Finnland. Für diese Milchmengen werden nunmehr neue Absatzschienen auf anderen Märkten gesucht, was zumindest kurzfristig zu entsprechenden Verwerfungen am Milchmarkt führt.


Wirksame Hilfsmaßnahmen gefordert

„Angesichts der Dimension des Problems für den gesamten europäischen Markt sind daher rasch ausreichende Maßnahmen zur Vermeidung von negativen Auswirkungen erforderlich“, erläutert dazu Direktor Petschar. Die bereits beschlossenen Maßnahmen der EU mit Verlängerung der Intervention, die Einführung der privaten Lagerhaltung für Butter, Milchpulver und Käse sowie die Anhebung der Mittel für Marketingmaßnahmen sind gut und richtig, aber nicht ausreichend. Wir fordern vor allem eine Valorisierung des seit langem unveränderten Interventionspreises von ca. 21 Cent je kg Milchäquivalent, sowie eine ausreichende Finanzierung. Dabei ist zu beachten, dass diese Krise nicht von der Milchwirtschaft verursacht wurde und daher auch nicht der Milchwirtschaft angelastet werden darf. Neben politischen Maßnahmen erwarten wir uns vor allem auch vom österreichischen Lebensmittelhandel Solidarität mit den Milchbauern, wie dies in den Medien bei anderen Produkten mehrfach angekündigt wurde.

Vorbereitung auf das Auslaufen der Milchquote

Neben dem Russlandthema ist das Auslaufen der Milchquoten mit Ende März 2015 das große Thema in der Milchwirtschaft. Wir sehen bei den österreichischen Landwirten einen hohen Motivationsgrad, er zeigt sich u.a. an den vielen Investitionen, die in den Ausbau der Stallungen getätigt werden und die letztlich mehr Milch bringen werden. Die österreichische Molkereiwirtschaft nimmt diese Herausforderungen an und rüstet sich dafür. Dazu gehören ein Ausbau und eine Modernisierung der Verarbeitungsanlagen und die Schaffung von neuen Exportmärkten. Die erwarteten Mehrmengen an Milch führen zu einem höheren Wettbewerbsdruck und zu höheren Exporterfordernissen. Österreich exportiert schon bisher ca. 48 % der Milchprodukte in über 100 Länder. Unsere hohe Qualität ist international gefragt. Dies zeigen auch die vielen internationalen Auszeichnungen bei diversen Qualitätswettbewerben, wo österreichische Milchprodukte immer im Spitzenfeld liegen.

Österreichs Molkereien wollen mit Qualität am Heimmarkt und auf den internationalen Märkten punkten, sie erwarten sich die entsprechende Unterstützung seitens der Politik und des österreichischen Lebensmittelhandels in der Umsetzung dieser Strategie. 100 % Gentechnikfreiheit, höchster Bio-Anteil und höchster Anteil an Produkten aus Berggebieten, hohe Umwelt- und Tierschutzstandards, viele Spezialmilchsorten und regionale Produkte sowie höchste Qualitäts- und Verarbeitungsstandards sind ein wichtiges Asset in der Umsetzung dieser Strategie. Alle Teilnehmer der Lebensmittelkette sind aufgerufen, diese Strategie aktiv mitzutragen, um die hohen Standards der heimischen Milchwirtschaft zu sichern.
„Eine faire Partnerschaft entlang der Wertschöpfungskette: Bauer – Molkerei – Handel – Konsument darf kein Lippenbekenntnis sein!“

„Weiters erwarten wir seitens der Europäischen Kommission eine Unterstützung für die österreichischen Milchbauern, wenn es darum geht, die drohende Superabgabe (Strafzahlung nach Brüssel) zu reduzieren, um hier eine wirksame Starthilfe für den freien Markt zu gewährleisten“, ergänzte Petschar.



Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
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Tel:     +43/1/211 36 – 2558
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