Pressegespräch: Die Milchquote endet
Österreichs Milchwirtschaft stellt sich den Herausforderungen

Milchwirtschaft seit längerem in Vorbereitung auf Ende der Milchquote

Nach 37 Jahren stellt die Abschaffung der Milchquoten eine wichtige Zäsur für die Milchwirtschaft dar. Ursprünglich wurden die Milchquoten eingeführt, um die „Überschüsse“ in der österreichischen und der europäischen Milchwirtschaft zu begrenzen, die damals mit öffentlichen Stützungsmitteln auf den Weltmarkt gebracht wurden. Nunmehr stellt sich die weltweite Marktlage seit einigen Jahren anders dar, die Preise in der EU und am Weltmarkt haben sich aufgrund diverser Liberalisierungsschritte angenähert, damit wurde dieses Mengensteuerungssystem als nicht mehr zeitgemäß erachtet und auf EU-Ebene abgeschafft. Hintergrund ist dabei die international steigende Nachfrage nach Lebensmitteln.

„Für die österreichische Milchwirtschaft sind diese Rahmenbedingungen seit längerem bekannt, daher haben sich die heimischen Milchverarbeiter vorbereitet. So wurden in den letzten Jahren massive Investitionen in die Verbesserung der Verarbeitungskapazitäten getätigt“, erklärte Direktor Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer.

2015 bringt auch auf den Märkten neue Herausforderungen

Neben dem Ende der Milchquoten stellt aktuell die Entwicklung auf den Märkten eine Herausforderung für die heimische Milchwirtschaft dar: nachdem bis zum Sommer 2014 die Entwicklung auf den internationalen Märkten und auch in Österreich gut gelaufen ist, brachte das Russland-Embargo und zusätzlich die international steigende Milchmenge die Märkte unter Druck. Dies führte dazu, dass das Jahr 2014 für die heimische Milchwirtschaft – und auch EU-weit – insgesamt mit einer positiven Entwicklung abgeschlossen wurde, jedoch im heurigen Jahr auch hier die Preise unter Druck kamen. Der Rückgang der Preise führte zuletzt auch zu einem Rückgang der Milchanlieferung auf EU-Ebene, was in weiterer Folge positive Signale bei internationalen Notierungen brachte.

Quotenende bringt mehr Milch und mehr Wettbewerb

Die österreichische Milchwirtschaft erwartet zum Ende der Milchquote einen Anstieg der Milchproduktion in Österreich und europaweit und eine höhere Volatilität, diese Entwicklung ist bereits in den letzten Jahren deutlich zu verspüren. Gleichzeitig bringen diese Mehrmengen einen verschärften Wettbewerb, auf den sich die heimischen Molkereien bestmöglich vorbereiten.

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf Qualität

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf eine kompromisslose Qualitätsstrategie: Österreichs Milch bietet dazu gute Voraussetzungen, die 100%-Gentechnikfreiheit in der Milchproduktion, 78% Milch aus Berg- und benachteiligten Gebieten, überschaubare Einheiten in der bäuerlichen Produktion, hohe Qualitäts-, Umwelt- und Tierschutzstandards, ein hoher Anteil an Spezialmilchsorten, wie Biomilch, Heumilch oder Wiesenmilch sowie viele regionale Produkte unterstreichen unseren breiten Qualitätsansatz. „Wir glauben, dass wir in Zukunft mit unserer kompromisslosen Qualitätsstrategie eine Chance haben, vor allem, wenn es darum geht, den Heimmarkt zu verteidigen, aber in zunehmendem Ausmaß auch auf internationalen Märkten im Export“, so Petschar.

Österreichische Molkereien bringen Wertschöpfung

Strategisches Ziel der heimischen Milchwirtschaft ist die Wertschöpfung des kostbaren Rohstoffs Milch bestmöglich zu erhöhen. Dies geschieht durch entsprechende Weiterverarbeitung und Veredelung in den Molkereien, nur so kann die hohe Qualität der heimischen Milch zu den Konsumenten gelangen.

Kritik an verantwortungsloser Strategie der Arbeiterkammer

Umso mehr sieht die heimische Milchwirtschaft es als unpassend, wenn ein Sozialpartner immer wieder die heimische Lebensmittel- und Milchwirtschaft an den Pranger stellt, wenn Österreich nicht das billigste Land in Europa ist. „Höchste Qualität zum billigsten Preis kann es nicht geben, in der Arbeiterkammer soll man sich entscheiden, ob man die hohe österreichische Qualität haben möchte, damit sind auch Jobs in der Landwirtschaft, in der Verarbeitung und im Handel verbunden, und wieviel die österreichische Qualitätsstrategie wert ist. Seriöse internationale Vergleiche zeigen jedenfalls, dass Milchprodukte in Österreich im EU-weiten Vergleich günstig sind, die Qualität jedenfalls top ist. Dies zeigt letztlich auch die Wahl unserer Konsumenten, die bei ihrem täglichen Einkauf darüber abstimmen“, so Petschar.

Österreichische Milchexporte steigen weiter

Österreichs Milchwirtschaft setzt auf neue Akzente im Export, die österreichische Milchwirtschaft hat gemäß Außenhandelsstatistik bereits jetzt einen Exportanteil von ca. 48 %, dieser wird sich weiter erhöhen. Wir erwarten uns dafür entsprechende Unterstützung, wenn es zB darum geht, internationale Abkommen für den Export in einzelne Destinationen auszuverhandeln oder in Form der Exportinitiative, die von Bundesminister Rupprechter neu initiiert wurde. Das kleine Land Österreich exportiert schon jetzt in mehr als 100 Länder. Diese breite Aufstellung im Export kann auch bei verschiedentlichen Sperren oder negativen Entwicklungen in einzelnen Ländern bestmöglich helfen.

Handel wichtiger Partner für Österreichs Milchwirtschaft

Die österreichische Milchwirtschaft setzt auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Partnern in der Lebensmittelkette. Der österreichische Handel ist ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, die hohe heimische Qualität zum Konsumenten zu bringen. Wir freuen uns daher auch, wenn der österreichische Handel ein Bekenntnis zu heimischer Qualität abgibt, etwa im Zusammenhang mit den Diskussionen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP. Österreichs Milchwirtschaft bietet dazu schon jetzt die entsprechenden Produkte, z.B. 100% Gentechnikfreiheit durch heimische Milchprodukte. Wir erwarten, dass diese Bekenntnisse auch glaubhaft gelebt werden und hochwertige heimische Produkte mit besonderen Standards nicht durch Billigstprodukte, die nicht die heimischen Qualitätskriterien erfüllen, ersetzt werden. Schließlich stehen wir für faire Umgangsformen mit den Handelspartnern und erwarten auch seitens der Behörden praktikable Wettbewerbsregeln, welche diese unterstützen und garantieren.

Rahmenbedingungen für Milchstandort Österreich absichern

„Das Ende der Milchquoten erfordert auch neue milchpolitische Rahmenbedingungen für die österreichische Milchwirtschaft. Der Milchstandort Österreich hat Potential und die politischen Rahmenbedingungen sollen die Ausschöpfung dieses Potentials entsprechend unterstützen. Damit werden nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Österreich geschaffen und erhalten, damit werden auch die überwirtschaftlichen Leistungen der heimischen Milchwirtschaft, die Sicherung unserer schönen Landschaft als Voraussetzung für den Tourismus, aber auch die regionale Bedeutung der Milchwirtschaft in Randlagen unterstützt“, ergänzt Petschar.

 

Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Friedrich Wilhelm-Raiffeisenplatz 1, A – 1020 Wien
Tel:     +43/1/90 664 – 2558
eMail:    voem@netway.at