Milchwirtschaft: Bilanz 2014 und Ausblick 2015
2014 erfolgreich abgeschlossen - 2015 neue Herausforderung Quotenende

2014 erfolgreich abgeschlossen

„2014 war für die österreichische Milchwirtschaft insgesamt ein erfolgreiches Jahr. Die zunächst positive Entwicklung auf den Märkten wurde im August 2014 durch das Importembargo Russlands unterbrochen. In weiterer Folge kamen die Märkte durch größere Milch­mengen weltweit unter Druck, was bis zum Ende des Jahres auch in Österreich deutlich zu spüren war, dennoch konnte 2014 ein positives Gesamtergebnis erreicht werden“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Direktor Helmut Petschar.

2015 durch Quotenende neue Herausforderung

Das Jahr 2015 startete mit Druck auf den Märkten. In Folge der deutlich abgesenkten Preise und der drohenden Superabgabe kam es zu einem Rückgang der Milchproduktion in wichtigen Produktionsländern und damit zu einer Erholung auf den Märkten, auch halfen die neuen Euro-US-Dollar Wechselkurse.

Quotenende bringt mehr Milch und mehr Wettbewerb

Die Erzeugermilchpreise erreichten zu Beginn 2014 einen Höchstwert und das Niveau vor dem EU-Beitritt vor 20 Jahren. Dadurch konnte die heimische Milch­wirtschaft die bäuerlichen Einkommen absichern und damit zu einer positiven Entwicklung bei den heimischen Milchbauern beitragen.
Bei den Exporten konnte ein Rekordwert erzielt werden, ebenfalls gestiegen sind die Importe. Mit dem Auslaufen der Milchquote wird ein weiterer deutlicher Liberalisierungsschub sowie ein noch schärferer Wett­bewerb am EU-Milchmarkt erwartet.

Österreichische Milchwirtschaft hat das Jahr 2014 erfolgreich abgeschlossen

Das Milchwirtschaftsjahr 2014 begann in Europa und in Österreich erfolgsversprechend, das Russland-Importembargo brachte ab August den Verlust eines Absatzmarktes der EU für ca. 250.000 Tonnen  Käse und ca. 30.000 Tonnen Butter, Mengen für die neue Märkte gefunden werden mussten. Zudem führten steigende Milchmengen zu einem starken Druck auf den Märkten in der zweiten Hälfte des Jahres. Diese konnten durch private Einlagerungsmaßnahmen der EU etwas abgefangen werden, erst Anlieferungsrückgänge aufgrund deutlich gefallener Marktpreise Anfang 2015, sowie das Wirken der Quoten führten zu einer Erholung auf den Produkten­märkten. Doch die Milchquote endete mit März 2015, seither gibt es keine Mengenbegrenzungen mehr und die Milchmengen entwickeln sich nach Angebot und Nachfrage.

Starker US-Dollar hilft europäischer Milchwirtschaft

Zu den Entwicklungen auf den Märkten trug auch maßgeb­lich der neue Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro bei. Milchprodukte auf den Weltmärkten werden traditionell in Dollar gehandelt, was den europäischen Milchpreis stützt. Aufgrund der starken Liberalisierung der Märkte besteht seit längerem ein direkter Zusammenhang zwischen dem österreichischen, dem europäischen und dem Weltmarkt.

Umsätze um 4,2 % gestiegen

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2014 mit ca. 2,43 Mrd. Euro um 4,2 Prozent gestiegen, dabei erhöhten sich die durchschnittlichen Verarbeitungs­erlöse je Kilogramm Milch auf 75,94 Cent um 1,2 Prozent.

Äußerst knappe Gewinne bei Molkereien

Das bereinigte EGT bezogen auf den Umsatz der öster­reichischen Molkereien kam im Durchschnitt bei 0,4 Prozent sehr knapp zu liegen. Dies zeigt zum Einen den hohen Wettbewerb am heimischen Milchmarkt, gleichfalls die Tat­sache, dass die österreichischen Molkereien die erzielten Erlöse an die Milchbauern in Form von Erzeugermilch­preisen weitergeben.

Anlieferung um 4,4 % gestiegen

Die österreichische Milchanlieferung lag erstmalig über 3 Mio. Tonnen und stieg um 4,4 Prozent auf 3,062 Mio. Tonnen.

Superabgabe gestiegen

Für das letzte Quotenjahr fällt mit einer geschätzten Über­lieferung von ca. 160.000 Tonnen eine Superabgabe von ca. 45 Mio. Euro an. Bisherige Bemühungen, diese Super­abgabe auf EU-Ebene zu senken konnten nicht umgesetzt werden, sodass für das letzte Jahr der Milchquoten eine Rekordsupergabe nach Brüssel zu entrichten ist. Bedaue­rlicherweise wird dieses Geld nicht für den Milchsektor herangezogen. Die österreichische Milchwirtschaft hat wiederholt gefordert, dass zum Ausstieg aus dem Quoten­system diese Belastung für die heimische Milchwirtschaft deutlich reduziert wird, denn sie stellt eine zusätzliche Belastung für die Zeit nach der Quote dar.

Erzeugerpreise um 5,1 % gestiegen

Die Erzeugerpreise sind 2014 von 42,06 Cent auf 44,19 Cent um 5,1 Prozent gestiegen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. MWSt). 2014 erreichten die Milchpreise in Österreich somit einen Höchstwert und ein vergleichbares Niveau wie vor dem EU-Beitritt vor 20 Jahren, allerdings ohne jegliche Inflationsabgeltung.

Österreichische Erzeugermilchpreise über EU-Durchschnitt

Die Erzeugerpreise konnten im letzten Jahr in Österreich stärker zulegen, als auf EU-Ebene. Sie lagen in Österreich damit 2014 mit 39,46 Cent um 2,34 Cent über dem Vergleichswert der EU (Durchschnitt aller Qualitäten exkl. MwSt. gemäß EU-Berechnungsmethode. Anzuführen ist dabei auch, dass in Österreich von den Molkereien höhere strukturbedingte Logistik- und Anfuhrkosten zu leisten sind, ein Nachteil, für den kein Ausgleich besteht).

Durchschnittliches Milchgeld um 14,4 % gestiegen

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der öster­reichischen Molkereien an die Bauern konnte von 37.552  auf 42,959 Euro um 14,4 Prozent erhöht werden, dies ergibt sich aus der Steigerung der Preise und der höheren Anlieferung je Betrieb.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2014 von 32.850 auf etwa 31.500 Milchproduzenten um 4,1 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg hingegen von 89,3 auf 97,2 Tonnen pro Milchbauer und Jahr (plus 8,9 Prozent) bei durchschnittlich 16,8 Milchkühen je Betrieb, was im EU-Vergleich eine sehr geringe Durchschnittsan­lieferung je Betrieb darstellt.

Konsumentwicklung differenziert

2014 war auf dem österreichischen Markt eine differenzierte Entwicklung beim Milchabsatz zu beobachten: Während die weiße Palette (Trinkmilch) und die bunte Palette (Joghurts und Desserts) mengenmäßig leichte Rückgänge erbrachten, konnte sich der Käseabsatz mengenmäßig stabilisieren. Butter legte mengenmäßig zu, wertmäßig ergab der Markt für Molkereiprodukte in Österreich ein Plus von 4 Prozent (Quelle: RollAMA). Höhere Mengen dürften in die Weiterverarbeitung gegangen sein.

Österreichische Milchprodukte mit höchster Qualität

Trotz einiger Preisanpassungen im abgelaufenen Jahr sind die österreichischen Milchprodukte immer noch sehr günstig, ihre Preise liegen nominell noch unter den Preisen vor 20 Jahren. Unumstritten ist jedoch die hohe Qualität der heimischen Milchprodukte:
  .) flächendeckende Gentechnikfreiheit in der Produktion
  .) geprüfte Herkunftskennzeichnung und Qualitäts­sicherung bei Verwendung        des AMA-Gütezeichens
  .) höchste Qualitätsstandards
  .) regionale Produkte
  .) ca. 80 Prozent der heimischen Milchprodukte stammen aus Berg- und            
     benachteiligten Gebieten
  .) die Milch wird in überschaubaren Einheiten produziert
  .) die Produktion erfolgt unter höchsten Umwelt- und Tierschutzstandards
  .) Österreich hat mit 15 Prozent den höchsten Biomilch­anteil in der EU
  .) weiters viele Spezialmilchsorten z.B. Heumilch, Biowiesenmilch, u.a.

Klar ist, dass ohne Abdeckung der Mehrkosten, die hohen österreichischen Qualitäten auf Dauer nicht möglich sind, wichtig ist das Bekenntnis des Handels und der Konsumenten  zu diesem österreichischen Qualitäts­konzept. Die österreichische Milchwirtschaft ist jedenfalls fest entschlossen, diese kompromisslose österreichische Qualität fortzuführen.

Neuer Rekord bei milchwirtschaftlichem Außenhandel

Österreich konnte im Jahr 2014 im Außenhandel einen neuen Rekord verbuchen: Milchprodukte im Wert von 1,185 Mrd. Euro (plus 5,4 Prozent) sowie Importe im Aus­maß von 738 Mio. Euro (plus 12,1 Prozent) ergaben ein positives Außenhandelssaldo von 447 Mio. Euro. Mit diesen Werten wurden neuerlich historische Höchststände erreicht, sie untermauern die Leistungsfähigkeit der heimischen Milchwirtschaft. Die Exportquote kam somit auf 48,7 Prozent zu liegen, die Importquote lag bei 30,4 Prozent.

Käse wichtiges Exportprodukt

Wichtigstes Außenhandelsprodukt der österreichischen Milchwirtschaft ist Käse, hier konnte mit einer Menge von 125.000 Tonnen (plus 6,9 Prozent) und einem Umsatz von 526 Mio. Euro (plus 9,7 Prozent) ein neuer Rekord erreicht werden, was ebenfalls einer Verbesserung bei den Export­preisen um 2,7 Prozent entspricht. Importiert wurden 109.000 Tonnen (plus 13 Prozent) bei allerdings leicht rückläufigen Preisen. Dies zeigt, dass die österreichischen Molkereien auch im Export verstärkt auf Qualität setzen, es ist allerdings auch zu beobachten, dass der Lebens­mitteleinzelhandel im Preiseinstieg und die Lebensmittel­industrie für die Weiterverarbeitung in beachtlichem Aus­maß auf günstige Importware setzt, Ware die den hohen österreichischen Qualitätsanforderungen wie z.B. Gentechnikfreiheit bzw. sonstigen höheren heimischen Standards nicht entspricht.

Flüssige Milchprodukte wurden in Umfang von 365 Mio. Euro exportiert, importiert wurden hier Produkte um 67 Mio. Euro, Joghurt und Sauermilchprodukte brachten im Export 165 Mio. Euro, importiert wurden in diesem Bereich Produkte im Wert von 58 Mio. Euro, was auch in diesem Sektor eine äußerst positive Exportbilanz zeigt. Bei Butter beliefen sich die Exporte auf 2.150 Tonnen, importiert wurden hier jedoch 15.600 Tonnen, ein Trend, der zeigt, dass einerseits in der Weiterverarbeitung und im Preiseinstieg des Lebensmitteleinzelhandels stärker auf ausländische Ware zurückgegriffen wird.
Wichtigste Exportländer waren auch im letzten Jahr Deutschland und Italien, der Außenhandel mit den Erweiterungsländern brachte einen positiven Saldo von 62 Mio. Euro. Wichtigste Exportländer bei Drittländern sind Libyen, die Schweiz, Australien und China. Der Export nach  Russland ist seit dem Importembargo im August zum Erliegen gekommen. Die österreichische Milchwirtschaft hofft, dass dieses Embargo, welches beidseitig nur Nachteile bringt, ehest baldig aufgehoben wird. Insgesamt exportiert Österreich in ca. 100 Länder.

Export wird weiter wachsen

Die österreichische Milchwirtschaft erwartet nach dem Quotenende erhöhte Milchmengen, die vor allem im Ausland zu vermarkten sind, umso wichtiger ist für die österreichische Milchwirtschaft ein möglichst ungehinderter Zugang zu den Exportmärkten, daher sind auch gute Exportmöglichkeiten in die einzelnen Länder sehr wichtig, (z.B. Veterinärabkommen, die einen Export erst ermöglichen), weiters gilt es, bestehende Zollnachteile im Vergleich zu anderen Ländern systematisch zu reduzieren. In diesem Sinn wird auch die Exportinitiative des Ministeriums positiv gesehen, hier geht es darum, optimale Rahmenbedingungen für Exporte zu schaffen.

Lebensmitteleinzelhandel in dominanter Position

Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Österreich sehr stark konzentriert, die drei größten Handelsketten haben einen Marktanteil von 85,7 Prozent, was auch innerhalb der EU einen vergleichsweise sehr hohen Anteil darstellt. Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich nach dem Quotenende vom Lebensmitteleinzelhandel eine partner­schaftliche Vorgangsweise, getragen vom Bekenntnis zur Weiterentwicklung der hohen heimischen Qualität. Weiters ist dafür Sorge zu tragen, dass die starke Marktposition des Lebensmitteleinzelhandels nicht ungerechtfertigt gegenüber den Lieferanten ausgenutzt wird. Schließlich erwartet die heimische Milchwirtschaft, dass bei Angeboten aus dem Ausland die Konsumenten informiert werden, wenn hier die hohen heimischen Standards nicht gegeben sind. Hier sollte auch durch eine entsprechende Kennzeichnung vor­gesorgt werden.

Aussichten 2015

Mit Ende der Milchquote zum 31.03.2015 steht die europäische Milchwirtschaft vor einer neuen Ära, die österreichische Milchwirtschaft rechnet mit einer steigenden Milchmenge, weiter verschärftem Wettbewerb und hoher Volatilität. Die heimische Milchwirtschaft hat sich seit längerem auf das Auslaufen der Milchquote vorbereitet.

Milchverarbeiter bringen Wertschöpfung ins Land

So wurden 2014 über 100 Mio. Euro in den Ausbau der Werke investiert. Durch die Arbeit und die Weiterveredelung der Milch in den Molkereien wird die Wertschöpfung der heimischen Milchwirtschaft fast verdoppelt, sie steigt vom Milchgeld an die Bauern im Ausmaß von 1,35 Mrd. auf 2,43 Mrd. Euro Umsatz. In den Molkereien werden 4.600 Arbeitsplätze und Know-How geschaffen, was vor allem den ländlichen Regionen wichtige wirtschaftliche Impulse gibt.
Die Milchwirtschaft fordert engagierte Maßnahmen, um das Potential, welches die heimische Milchwirtschaft bietet, bestmöglich umzusetzen. Dazu brauchen wir:
  .) Rahmenbedingungen durch die EU und die nationale Politik, die den
     Milchstandort Österreich unterstützt
  .) keine diskriminierenden Gesetze und Kostenbe­lastungen durch hohe
     Gebühren und Abgaben
  .) Vorrang für hochqualitative österreichische Produkte in der öffentlichen
     Beschaffung
  .) Unterstützung beim Export z.B. durch Veterinärab­kommen
  .) weitere Entbürokratisierungsmaßnahmen
  .) Unterstützung zum Ausgleich von höheren Kosten z.B. bei den Anfuhrkosten
  .) Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen innerhalb der österreichischen
     Lebensmittelkette
  .) Abgeltung von Leistungen der heimischen Milchwirt­schaft für Umwelt- und
     Landschaftspflege
  .) Besondere Unterstützungen für den Erhalt der Milch­wirtschaft in Berg- und
     benachteiligten Gebieten
  .) Förderung von Qualitätsprogrammen

EU Milchpolitik: Milchstandort Österreich sichern

„Die heimische Milchwirtschaft fordert für die Zeit nach Quotenende eine verstärkte Zusammenarbeit aller konstruktiven Kräfte aus Politik, den Interessens-vertretungen, den Behörden und dem Handel. Nur mit verstärkten Kraftanstrengungen ist es möglich, den Erfolgsweg der heimischen Milchwirtschaft fortzuführen“, schloss Petschar.

 

Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM - Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/90664-2558, eMail: voem@netway.at