VÖM-Pressegespräch anläßlich der Milchwirtschaftlichen Tagung
Aktuelle Entwicklungen auf dem Milchmarkt

Österreichs Erzeugermilchpreise 2008 deutlich gesteigert

VÖM warnt vor Preisdumping mit ausländischen Produkten

„Trotz international schwierigerer Marktlage im heurigen Jahr konnten die österreichischen Molkereien ihren Bauern in den ersten 7 Monaten 2008 für Milch (mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß) brutto 45,29 Cent/kg, d.s. netto 40,43 Cent/kg, deutlich bessere Preise als im letzten Jahr auszahlen. Dadurch ist es gelungen, die erfreuliche Einkommensentwicklung bei den österreichschen Milchbauern auch im heurigen Jahr zu verstärken. Höhere Preise waren für unsere Bauern insbesondere auf Grund der deutlich gestiegenen Kosten bei Treibstoff und Futtermittel dringend erforderlich," erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Generaldirektor Günther Geislmayr.

Seit Beginn des heurigen Jahres hat sich die Marktlage auf den internationalen Milchmärkten aber eingetrübt. Zum Einen wurde an die europäischen Molkereien im ersten Halbjahr um ca. 1 Mio. t mehr Milch angeliefert, die Quoten wurden erhöht und gleichzeitig gab es auf Grund der starken medialen Preisdiskussion im Energie- und Lebensmittelbereich Zurückhaltung bei den Konsumenten. Auch versuchten industrielle Verarbeiter Milchprodukte mit billigeren Substituten zu ersetzen.

Die österreichischen Molkereien konnten jedoch im Vergleich zum Vorjahr für die österreichischen Bauern die Preise um mehr als 31 % erhöhen. So lagen diese vom Jänner bis Juli mit 40,43 Cent/kg (ohne Mehrwertsteuer) um ca. 3,9 Cent über den Vergleichswerten in Deutschland, auch waren sie um ca. 1 Cent höher als in Italien und ca. 1,9 Cent über dem bayrischen Niveau.

Dennoch waren einzelne Molkereien bereits gezwungen, die höheren Auszahlungspreise wieder anzupassen, eine Maßnahme, die unsere Molkereien soweit wie möglich vermeiden wollen. In diesem Zusammenhang warnt die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter auch vor Dumpingimporten aus dem Ausland, wie sie derzeit einzelne Handelsketten vornehmen, um mit Billigstprodukten Markt zu machen. Mit dieser zutiefst unösterreichischen Vorgangsweise wird das Vertrauen der Konsumenten in eine nationale Lebensmittelstrategie untergraben. Das Image der Handelsketten, mit ihrem Bekenntnis zu österreichischen Produkten wird damit unglaubwürdig und letztlich wird auch den Österreicherinnen und Österreichern kein guter Dienst erwiesen, wenn durch verstärkten Preisdruck und Importe von Billigstprodukten österreichische Produktion und Verarbeitung in Gefahr geraten.

Die VÖM fordert daher auf, diese Praktiken einzustellen und Vorrang für hochqualitative österreichische Produkte.

Österreichs Milchprodukte wertvoll und günstig

Milchprodukte sind auch billiger als in den meisten anderen EU-Staaten. „Gemessen am relativen Preisniveau war die statistische Produktgruppe Milch, Käse und Eier in Österreich im Jahr 2006 innerhalb der Eurozone am viertbilligsten" (hinter den Niederlanden, Deutschland und Spanien), berichtet eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Februar 2008. Dies bedeutet, dass die Österreicher Milchprodukte im internationalen Vergleich sehr günstig einkaufen und die internationalen Preisvergleiche der Arbeiterkammer, in denen österreichische Milchprodukte als teuer dargestellt werden, einseitig und nicht repräsentativ sind.

Österreichs Milchprodukte von höchster Qualität

Österreichs Milch wird von unseren Bauern unter strengen Haltungs- und Tierschutzbedingungen täglich gemolken und von den Molkereien und öffentlichen Stellen laufend kontrolliert. Der Großteil der österreichischen Milch wird gentechnikfrei produziert, die Molkereiprodukte unterliegen dem österreichischen Lebensmittelkodex, der in vielen Bereichen über den EU-Standard hinausgeht. Zudem werden viele zusätzliche spezifische Qualitätsprogramme, wie z.B. Bioprodukte, AMA-Gütesiegel, Heumilch oder andere regionale Programme verwirklicht. Damit erhält unser Konsument absolute Sicherheit im

Hinblick auf Qualität, Herkunft und Verarbeitungsstandard. Dies stellt ein hohes Gut dar, um das uns international sehr viele beneiden. Die hohe Qualität unserer Milchprodukte wird auch durch die vielen Auszeichnungen und Prämierungen bei internationalen Wettbewerben eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

„Angesichts dieser Tatsachen kann keineswegs von teuren Milchprodukten in Österreich gesprochen werden, im Gegenteil

<dir>

· Österreichs Milchprodukte sind heute billiger als vor 15 Jahren,

· Österreich Konsumenten erfreuen sich günstigerer Milchprodukte als in den meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten, dies bei höherer österreichischer Qualität und teureren Produktionsbedingungen,

· Österreichs Molkereiwirtschaft ist der Garant dafür, dass die österreichische Bevölkerung immer und immer mehr Kunden auch im Ausland die hochqualitativen Lebensmittel zu günstigen Preisen erhalten,

· weiters werden damit Österreichs Kulturlandschaft und Beschäftigung in Österreich gesichert", ergänzte Geislmayr.

</dir>

EU-Health check: Herausforderung für österreichsche Milchwirtschaft

Die Vorschläge zur Überprüfung der gemeinsamen Agrarpolitik „Health check" beinhalten auch für die österreichische Milchwirtschaft substantielle Weichenstellungen: So muss es gelingen, auch für die Zeit nach dem geplanten Auslaufen der Quoten mit 2014/15 ein Instrumentarium bereitzustellen, welches auch für die österreichische Milchwirtschaft mit ihren strukturbedingten höheren Kosten Chancen bedeutet. Die anvisierte Milchkuhprämie ist dazu ein geeignetes Instrument, auch dürfen nicht Marktinstrumente über Bord geworfen werden, um weiterhin eine planbare Entwicklung in der Milchwirtschaft zu gewährleisten. Schließlich darf der Milchmarkt nicht durch vorzeitige Quotenerhöhungen zusätzlich gefährdet werden.

 

 Weitere Informationen:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM - Vereinigung Österrreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/21136-2558
Mail: voem@netway.at