Pressegespräch: Milchmarkt weltweit unter Druck
Milchwirtschaft fordert Maßnahmen zur Standortsicherung

Sechs Monate nach dem Auslaufen der Quotenregelung steht der Milchmarkt aufgrund internationaler Vorgaben auch in Österreich unter Druck. Hintergrund sind die Auswirkungen des russischen Importembargos, sowie die verhaltene Nachfrage in China und in anderen Exportdestinationen. „Die aktuell schwierige Lage auf den Milchmärkten erfordert engagierte Maßnahmen seitens der Marktteilnehmer und der politischen Verantwortungsträger, um eine positive Weiterentwicklung der Milchwirtschaft zu gewährleisten“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichische Milchverarbeiter, Direktor Helmut Petschar angesichts der aktuellen Marktentwicklung.

Diese Entwicklung hat auch die Situation in Österreich bestimmt. So sind die heimischen Erzeugerpreise in den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres mit durchschnittlich 37,78 Cent/kg um 16,7 % unter dem Wert des Vorjahres (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, brutto). Die heimischen Milchverarbeiter unternehmen in dieser schwierigen Situation alles, um das bestmögliche zu erreichen.


Österreich setzt auf Qualität

So setzt die heimische Milchwirtschaft weiterhin auf eine konsequente Qualitätsstrategie. „Die österreichische Milchwirtschaft ist überzeugt, daß nur mit hoher Qualität den Anforderungen der heimischen Konsumenten bestmöglich entsprochen wird, wir erwarten dafür allerdings auch eine entsprechende Abgeltung und Wertschätzung durch Handel, Gastronomie und Konsumenten“, so Petschar. Dies hat auch erste Erfolge gebracht, die Milchpreise für die heimischen Bauern, welche mit höheren Kosten wirtschaften müssen als in den Nachbarstaaten, liegen über den Werten in anderen Ländern. Dennoch sind sich die heimischen Molkereien bewusst, daß die aktuelle Situation äußerst angespannt ist, umso mehr sind der österreichische Handel, die Gastronomie und Konsumenten auch in Zukunft gefordert, diese heimische Qualitätsstrategie entsprechend mitzutragen. Denn nur, wenn Qualität entsprechend belohnt wird, wird es diese auch in Zukunft geben“, so Petschar. Der Ernst der Lage auf den Höfen zeigt sich auch in den vielen, europaweiten Aktionen. Schließlich hängt an der Milchwirtschaft weit mehr als die Milchproduktion selbst, es geht um die Aufrechterhaltung und Pflege der heimischen Landschaft.

Die Milchanlieferung zeigt sich 2015 verhalten. In den ersten vier Monaten lag die Anlieferung unter den Vorjahreswerten, seit Quotenende liegt sie nur geringfügig über den Vorjahreswerten. Positiv entwickelt hat sich im abgelaufenen Jahr der Absatz von Milchprodukten, vor allem der Käseabsatz konnte mit 8 % deutlich zulegen und liegt nunmehr bei 21,6 kg pro Jahr.

Kein Verständnis zeigt Petschar an den wiederholten Aussagen einzelner Verantwortungsträger z.B. zuletzt von Bundeskanzler Werner Faymann und der Arbeiterkammer, wenn versucht wird die heimischen Lebensmittel als teuer und Ursache für die schwache heimische Konjunktur hinzustellen. „Wer glaubt, mit Billigstrategie und Verlust von heimischen Arbeitsplätzen die Wirtschaft anzukurbeln, hat nicht verstanden, daß österreichische Bauern und Arbeitnehmer durch den Verkauf ihrer Produkte viele Arbeitsplätze sichern. Nur dadurch kann eine Wertschöpfung erfolgen, mit Einnahmen, von denen sowohl Landwirte, als auch Mitarbeiter in den Verarbeitungsbetrieben und im Handel leben können“, so Petschar. Die Forderung von Bundeskanzler Faymann mit gesenkten Lebensmittelpreisen, die Konjunktur anzukurbeln geht somit ins Leere, die heimische Konsumenten geben im Übrigen nur 12 % ihrer Einkommen für Lebensmittel aus. Gerade die österreichische Milchwirtschaft ist es, die mit ihrem hohen Exportanteil von ca. 50 % viele Arbeitsplätze sichert.

Politische Maßnahmen gefordert

Beim Sonder-Agrarministerrat der EU am 7. September 2015 wurden erste Maßnahmen für die Bewältigung der aktuellen Milchkrise beschlossen: Zunächst geht es darum, daß die Gelder der Superabgabe, welche von österreichischen Milchbauern an die EU entrichtet werden mussten, wieder zur Stärkung der heimischen Milchwirtschaft verwendet werden. Es ist nicht gerechtfertigt, wenn die EU die Milchbauern belastet und diese Mittel für andere Zwecke verwendet. Eine Valorisierung der Interventionspreise ist überfällig, diese liegen seit über 15 Jahren bei ca. 21 Cent. Wir erwarten uns zur Entlastung der Märkte den weiteren Ausbau des Exports, eine weitergehende Unterstützung durch entsprechende Marketingmaßnahmen und die handelspolitische Öffnung von Märkten, sowie den Abschluss von Veterinärabkommen. Schließlich geht es auch darum, die Funktionsweise der Lebensmittelkette zu durchleuchten und stärker darauf zu achten, daß keine strukturellen Ungleichgewichte in der Lebensmittelkette bestehen. Die österreichische Milchwirtschaft sieht die EU auch gefordert, strukturelle Marktentlastungsmaßnahmen wie die Schulmilch-Aktion attraktiv zu gestalten und darauf zu achten, daß nicht durch eine überzogene Gesetzgebung der Verbrauch von hochwertigen Milchprodukten in Mitleidenschaft gezogen wird. Milch ist ein sehr hochwertiges Lebensmittel, mit Milch kann ein nützlicher Beitrag für eine gesunde Ernährung geleistet werden.

Auch die heimische Politik ist gefordert den Milchstandort Österreich zu unterstützen, dies zunächst durch einen Stopp bei Belastungen, überzogener Bürokratie, Steuern und Abgaben, Unterstützung bei Kostennachsteilen z.B. bei strukturell bedingt höheren Transportkosten, bei Investitionen zur Verbesserung der Verarbeitungsstruktur, bei Qualitätsprogrammen oder beim Aufbau von Exportmöglichkeiten durch die österreichischen Behörden. Schließlich sollte es Standard werden, daß bei öffentlichen Ausschreibungen nicht nur der Billigstpreis, sondern Qualitätskriterien maßgebend sind. Der Export hat sich für die heimische Milchwirtschaft als äußerst wichtiges Standbein erwiesen. Hier ist eine bestmögliche Zusammenarbeit zwischen Behörden, Kammern und exportierenden Unternehmen erforderlich.



Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
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