Strategien zur Steigerung der Wertschöpfung
Hohe österreicische Qualität muss honoriert werden

„Das Milchjahr 2019 hat EU-weit und in Österreich mit einer geringeren Anlieferung begonnen. Gründe dafür waren die Dürre und schlechte Futtersituation in wichtigen Produktionsgebieten der EU im letzten Jahr. Eine höhere Butterproduktion drückte die Preise für Butter auf den internationalen Märkten, hingegen erholten sich die Preise für Eiweiß nach dem Verkauf der Interventionsmengen. Aktuell stellen vor allem ein ungeordneter Brexit sowie angedrohte Handelssanktionen eine Bedrohung für den europäischen und österreichischen Milchmarkt dar“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Dir. Helmut Petschar.

So haben sich die Preise für Milch EU-weit auf Basis schwächerer Fett- und höherer Eiweißnotierungen insgesamt zuletzt leicht rückläufig entwickelt, zu Beginn des Jahres lagen diese noch über den Vorjahreswerten. In Österreich erbrachte in den ersten Monaten eine verringerte Anlieferung ein leichtes Plus bei den Erzeugerpreisen. Sorgen machen auch in Österreich derzeit vor allem die Notierungen auf den Fettmärkten mit schwachen Butterpreisen, in deren Folge auch die heimischen Molkereien zuletzt die Milchpreise etwas reduzieren mussten, weiters
die Tatsache, dass Kostensteigerungen bei den Löhnen und Gehältern, im Transport, bei Verpackungsmaterial, bei Energie und erhöhte Kosten infolge höherer Qualität nicht die entsprechende Abgeltung finden.
Die Anlieferungsmengen lagen in Österreich im Juni wieder über dem Vorjahr, in den ersten sieben Monaten lag das Milchaufkommen in Österreich um 1,2% unter dem Vorjahr.

Mengenmäßig weiter positiv entwickelt hat sich die Produktion von Biomilch, diese liegt nun bei 18,7 % der Gesamtproduktion und damit EU-weit auf dem höchsten Niveau.

Der durchschnittlich ausbezahlte Erzeugermilchpreis lag in den ersten sieben Monaten bei 42,22 Cent/kg und damit um 1,9 % über dem Vorjahr (Durchschnitt aller Qualitäten, natürliche Inhaltsstoffe, inkl. MwSt.). Der Durchschnittspreis für konventionelle, gentechnikfreie Qualitätsmilch mit einem Fettgehalt von 4,0% lag in den ersten sieben Monaten bei 34,15 Cent/kg (exkl. MwSt.). Im Juli 2019 betrugen die Werte 40,62 Cent/kg und 33,48 Cent/kg.

Exporte 2019 rückläufig

Während im Jahr 2018 bei den Exporten noch Spitzenwerte erreicht wurden, gingen diese im heurigen Jahr aufgrund der geringeren Anlieferung in den ersten Monaten zurück. Hauptexportländer sind weiters Deutschland und Italien, gefolgt von Australien und China.

Brexit stellt Bedrohung dar

Die Entwicklungen rund um den Brexit werden von der österreichischen und europäischen Milchwirtschaft mit großer Sorge betrachtet, nachdem Großbritannien mit bisherigen Importen von ca. 480.000 t Käse und ca. 90.000 t Butter mangels ausreichender Eigenversorgung ein großer Importeur von EU Milchprodukten ist. Ein ungeregelter Brexit könnte über Nacht große Marktstörungen bringen. Bisherige Exporteure nach Großbritannien sind auf der Suche nach neuen Absatzmärkten in der EU, was einen zusätzlichen Marktdruck bringt. Für die Milchwirtschaft ist daher weiterhin ein Marktzugang in das Vereinigte Königreich sehr wichtig.

Österreichische Qualität Basis für Wertschöpfungsstrategie

Mit Gentechnikfreiheit, strengen Nachhaltigkeitsauflagen wie Verzicht auf Soja aus Übersee und Palmöl in der Fütterung, Verzicht auf bedenkliche Pflanzenschutzmittel, hohen Tierwohlstandards und höchstem Anteil an biologischen Produkten, einer hohen Teilnahme an staatlichen Umweltprogrammen, vielen regionalen Produkten und Spezialprodukten wie Heumilch und Biowiesenmilch, strengen Standards und Kontrollen durch das AMA Gütesiegel, sowohl in der Produktion als auch in der Verarbeitung, setzt die heimische Milchwirtschaft seit Jahren auf eine konsequente Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie. Zudem erfolgt die Produktion in Österreich großteils im Berggebiet in überschaubaren Einheiten und hat die EU-weit geringsten CO2-Emissionen.

Das Problem dabei ist allerdings, dass diese Standards von der Gesellschaft und von den Abnehmern gewünscht werden, allerdings nicht immer die entsprechende Abgeltung finden. Oft wird mit Preisen von Produkten ohne diese hohen Standards verglichen. Diese Qualitätsstrategie kann aber nur dann bestehen, wenn sowohl der Lebensmittelhandel als auch die Konsumenten bereit sind, diese Strategie mitzutragen und zu honorieren. „Gerade die teils dramatischen Entwicklungen im Klimabereich in den letzten Jahren, die auch in Österreich deutlich feststellbare Auswirkungen haben, sollten uns zu mehr Konsequenz beim täglichen Einkauf führen, zumal die Nachhaltigkeitsstrategie der heimischen Milchwirtschaft international höchst vorbildlich ist“, betonte Petschar.

Politische Rahmenbedingungen in Österreich und auf EU-Ebene positiv gestalten

Die Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingungen sowohl in Österreich als auch auf EU-Ebene ist für den Milchstandort Österreich von entscheidender Bedeutung. Dies erfordert, dass sowohl auf EU-Ebene im Rahmen der Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik als auch für die kommende Regierung ein klares Bekenntnis mit entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen für eine nachhaltige Milchwirtschaft gegeben sein muss.

Die EU Marktordnung muss wirksame Maßnahmen zur Abwehr von Krisen am Milchmarkt vorsehen, auch sind Maßnahmen gegen eine hohe Preisvolatilität notwendig.
Der Ausbau der Qualitätsstrategie der heimischen Milchwirtschaft ist weiter zu unterstützen, strukturbedingte Mehrkosten bei der Anlieferung sind zur Sicherung der Produktion in Berg- und benachteiligten Gebieten abzugelten, die Produktion in den Berg- und benachteiligten Gebieten braucht eine besondere Unterstützung, zumal sie in diesen Regionen die Schlüsselproduktion darstellt und durch die Landschaftspflege auch die Basis für den Tourismus ist. Die Kooperation zwischen Milchwirtschaft, regionalen Einrichtungen und Tourismus sollte gezielt gefördert werden um einen regionalen Mehrwert zu schaffen.

Bei internationalen Handelsabkommen ist darauf zu achten, dass diese positiv für den Milchstandort Österreich wirken, es darf dadurch nicht problematischen Produktionsstandards Vorschub geleistet werden, vielmehr ist durch Handels- und Veterinärabkommen der Marktzugang in einzelne Exportdestinationen sicherzustellen. Besonders wichtig ist ein weiterhin ungehinderter Marktzugang nach Großbritannien.

Die Herkunftskennzeichnung ist praktikabel auszubauen, der Konsument soll sehen, was er kauft, woher das Produkt stammt und damit, welche Qualität er kauft. Ein Bekenntnis zu hohen österreichischen Standards darf nicht allein die Forderung an die österreichischen Produzenten sein, wenn gleichzeitig Produkte mit niedrigeren Standards aus anderen Ländern in die Regale genommen werden. Hier ist die Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels wahrzunehmen.
Dem hochwertigen Lebensmittel Milch ist ein gebührender Stellenwert in der Ernährungspolitik einzuräumen, gegen Fake-Produkte, welche versuchen das positive Image und die Bezeichnung Milch zu verwenden, ist entschieden vorzugehen, hier ist der Konsument von unlauteren Täuschungen zu schützen.

Die österreichische Milchwirtschaft ist bei der weiteren Verbesserung des Tierwohls zu unterstützen, ebenfalls soll das AMA-Marketing System als wirksame Marktunterstützung im In- und Ausland weiter ausgebaut und organisatorisch gestärkt werden. Durch ein angepasstes Fördersystem in der Be- und Verarbeitung ist sicherzustellen, dass Rohmilch in Österreich zu hochveredelten Produkten weiterverarbeitet wird und Milchprodukte mit höherer Wertschöpfung exportiert werden. Damit wird ein Mehrwert für die heimischen Bauern und die Beschäftigen in den Molkereien geschaffen.
Ein besonderes Anliegen ist die Verbesserung der Wettbewerbssituation in der Lebensmittelkette, zumal die Entwicklung in den letzten Jahren gezeigt hat, dass aufgrund der hohen Marktkonzentration und des steigenden Eigenmarkenanteils Mehrkosten für objektive Kostensteigerungen und höhere Qualität nicht abgegolten werden und die Wertschöpfung zum Lebensmitteileinzelhandel wandert. Dies erfordert eine wirksame Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken und weitere Maßnahmen um die strukturelle Schieflage in diesem Bereich zu beseitigen.

Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1, A – 1020 Wien
Tel:     +43/1/90 664 – 2558
Email:    voem@netway.at