Milchwirtschaft: Bilanz 2021 und Ausblick 2022
Massive Kostensteigerungen infolge Corona und Ukrainekrieg

 

Massive Kostensteigerungen infolge Corona

Das Jahr 2021 war noch immer von den Auswirkungen der Corona Pandemie geprägt, dabei machten der Milchwirtschaft nicht nur Lieferausfälle infolge von Schließungen im Tourismus und in der Gastronomie zu schaffen, sondern die massiven Kostensteigerungen bei Vorleistungen, insbesondere bei Rohstoffen und Verpackungen, Treibstoffen, Gas, Strom, Früchten und diversen Dienstleistungen. Diese betreffen die Molkereien und die Landwirte.

Ukrainekrieg verschärft Kostendruck und Gasversorgung

Der Ukrainekrieg brachte bei Vorleistungen weitere Verschärfungen und Mehrkosten. Auch wurden verschiedene Futtermittel drastisch verteuert. Besonders wichtig ist für die Milchwirtschaft die sichere Versorgung mit Gas, das zu 80 % aus Russland kommt.

Kostensteigerungen nicht abgegolten

Die internationalen Notierungen für Milchprodukte erreichten vor diesem Umfeld Rekordwerte, allerdings konnten die eingetretenen Kostensteigerungen und die steigenden internationalen Notierungen bei Milchprodukten aufgrund der gegebenen Handelskonzentration am österreichischen Markt nur zu einem kleinen Teil bzw. mit Verspätung umgesetzt werden. So sind die Preise für Milchprodukte insgesamt im Geschäft im Jahresvergleich um lediglich 3 % gestiegen, allein bei Butter lag der Wert bei 21,6 %. Der Österreicher gibt im Durchschnitt 1,5 % seines Einkommens für Milchprodukte aus.

Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie weiter ausgebaut

Vor diesen herausfordernden Rahmenbedingungen hat die Milchwirtschaft weitere Schritte zum Ausbau der österreichischen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie gesetzt, bzw. werden diese weiter ausgebaut. „Die österreichische Milchwirtschaft sieht ihre Aufgabe darin die Lebensmittelversorgung mit hochwertigen und nachhaltigen Milchprodukten sicher zu stellen. Wir wollen dazu unsere Vorreiterrolle bei Qualität und Nachhaltigkeit auch in schwierigen Zeiten weiter ausbauen“, erklärte dazu der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Dir. Helmut Petschar.

Milchanlieferung 2021 leicht gestiegen

Die Gesamtanlieferung ist mit 3,4 Mio. t in Österreich um 0,5 % leicht gestiegen, wobei zu Beginn des Jahres eine niedrigere und in der zweiten Jahreshälfte eine steigende Anlieferung zu beobachten war.

Bioanteil weiter steigend

Der Anteil von Biomilch konnte weiter gesteigert werden, Österreich erreichte mit 19,4 % bzw. 613.000 t den höchsten Bioanteil in der EU. Dazu kommen mit Heumilch und der Biowiesenmilch weitere höherwertige Milchsorten.

Großhandelspreise stark gestiegen

Die Großhandelspreise für Milchprodukte zeigten zuletzt eine sehr feste Entwicklung. Bereits vor dem Ukrainekrieg kam es zu unüblich festen Notierungen, die infolge des Ukrainekrieges nochmals anstiegen. Hintergrund ist eine stabile Absatzsituation und eine weltweit gute Nachfrage, während die Produktion in großen Milchproduktionsländern der EU und auch in anderen wichtigen Exportländern rückläufig war.

Rückläufige Anlieferung in der EU

Erstmals seit zwölf Jahren verzeichnete die EU damit eine rückläufige Anlieferung. Die Gründe dafür sind rückläufige Kuhzahlen und dramatisch gestiegene Kosten, verbunden mit einer teils geringeren Futtergrundlage infolge von Trockenheit oder strengere Umweltauflagen in wichtigen Produktionsgebieten.

Erzeugermilchpreise gestiegen

Die Erzeugerpreise konnten in Österreich sowie in der EU zulegen, besonders in den letzten Monaten. Die Zuschläge bei den Erzeugerpreisen erreichten aber nicht die Anstiege der Notierungen auf den Spotmärkten. Hier lassen die bisherigen Abschlüsse mit den Handelsketten nur eine gebremste Preisentwicklung zu. Der durchschnittliche Auszahlungswert konnte 2021 auf 44,82 Cent (2020 42,65 Cent) für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen inkl. USt. um 5,1 % zulegen. Für gentechnikfreie Qualitätsmilch wurden durchschnittlich 36,01 Cent/kg erzielt (2020: 34,26 Cent, für Milch mit 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß, ohne USt.), im Februar 2022 39,43 Cent. Dieser Preisentwicklung stehen bei den Landwirten massive Kostensteigerungen bei Futtermitteln, Treibstoffen und Baukosten gegenüber.

Umsätze leicht gestiegen

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind 2021 insgesamt um ca. 3,3 % auf 3,05 Mrd. € gestiegen, wobei die Zuwächse bei den Lieferungen an den Lebensmittelhandel im In- und Ausland zu verzeichnen waren.

Corona bedingte Lieferausfälle

Lieferungen an Gastronomie und Tourismus waren noch immer von den Corona bedingten Schließungen betroffen, wofür die Molkereien keinen Ausgleich erhielten. Besonders getroffen hat hier der gänzliche Ausfall der Wintersaison 2021 bzw. teilweise noch im heurigen Jahr. Diese Verschiebungen am Markt infolge der Corona Krise haben sich mit den Öffnungen erst teilweise wieder ausgeglichen.

Knappe Ertragslage

Die Ertragslage der Molkereien ist weiter gesunken, zumal die massiven Preissteigerungen bei den Vorleistungen und die Corona bedingten Schutz- und organisatorischen Maßnahmen zusätzliche Kosten verursachten. Erzielte Preissteigerungen bei den Milchprodukten konnten die massiv gestiegenen Kosten in den Molkereien und bei den Landwirten nicht abdecken. Das Ergebnis vor Steuern der öst. Milchverarbeiter bezogen auf den Umsatz ergab 2021 einen Wert von 0,8 % und war nach einem Vorjahreswert von 1,5 % damit neuerlich rückläufig.

Weniger Milchbauern

Die Anzahl der Milchbauern verringerte sich 2021 um 3,2 % von 24.645 auf 23.868. Der Milchkuhbestand hat mit 526.461 leicht zugelegt, im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 22,1 Kühe, international gesehen ein kleiner Wert. Die durchschnittliche Milchlieferleistung der Kühe erreichte mit 6.464 kg (+ 0,2 %) im internationalen Vergleich einen moderaten Wert, der die nachhaltige Produktion dokumentiert. Die durchschnittliche Anlieferung je Landwirt stieg von 137,3 t auf 142,6 t. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Landwirt (Umsatz aus Milchverkauf) lag mit 63.907 € um 9,1 % über dem Vorjahr.

Exporte weiter gestiegen

Die österreichischen Milchexporte erreichten 2021 auf Basis der vorläufigen Zahlen der Statistik Austria mit 1,359 Mrd. € einen neuen Höchstwert und konnten um 3,6 % zulegen. Bei den Importen gab es mit 0,7 % einen geringen Zuwachs auf 842 Mio. €, was zu einem gestiegenen, positiven Außenhandels-saldo von 517,3 Mio. € (+ 8,8 %) führte. Die Exportquote bezogen auf den Umsatz betrug 44,6 %, die Importquote 27,6 %.

Qualitätsstrategie im Export erfolgreich

Wichtigstes Außenhandelsprodukt war die Kategorie Käse. Hier wurden 170.268 t (+ 9,5 %) im Wert von 730,2 Mio. € (+ 9,6 %) exportiert, während die Importe mit 132.848 t (+ 1,8 %) auf 529 Mio. € kamen. Dabei konnten durchschnittliche Exportpreise von 4,29 € und Importpreise von 3,98 € pro kg erzielt werden, was den Erfolg der Qualitätsstrategie auch im Export verdeutlicht.

Deutschland wichtigstes Export-  und Importland

Wichtigstes Exportland mit einem Anteil von 52,4 % ist weiterhin Deutschland, gefolgt von Italien, - neu an dritter Stelle Griechenland -  dann China, den Niederlanden und Slowenien. Die Importe erfolgten zu 58,5 % aus Deutschland, gefolgt von Italien, den Niederlanden, Frankreich und Griechenland. Weiter gut entwickelt hat sich der Außenhandel mit den EU- Erweiterungsländern, hier standen Exporte von 109,9 Mio. € (+ 20,6 %) Importen im Ausmaß von 28,7 Mio. € (+ 7,9 %) gegenüber.

Herkunftskennzeichnung dringend notwendig

Auffallend in der Entwicklung des Außenhandels im abgelaufenen Jahr war die Entwicklung der Importe. Hier zeigten Quartale mit Corona bedingten Schließungen stärkere Rückgänge bei den Importen, was auf den hohen Anteil des Einsatzes von Importprodukten im Tourismus und in der Gastronomie hinweist. „Gerade hier wäre daher eine Herkunftskennzeichnung dringend notwendig“, so Petschar.

Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie weiter ausgebaut

Die Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie wird auch in herausfordernden Zeiten weiter ausgebaut: Besondere Schwerpunkte bilden dabei der Bereich Tierwohl, Fütterung und Klimaschutz.  Aktuell wird an einer weiteren Verbesserung des Tierwohlstatus durch den Aufbau einer branchenweiten Tierwohlkennzeichnung gearbeitet. „Damit soll der Tierwohlstatus in der österreichischen Milchwirtschaft insgesamt, aber auch das Angebot an Produkten aus besonders tierfreundlichen Haltungsformen weiter ausgebaut werden“, erklärte dazu Petschar und hofft gleichzeitig auf Unterstützung der Konsumenten und des Handels auf diesem Weg.
Gleichzeitig werden im Bereich Fütterung mit dem Verbot von Soja aus Übersee, dem Verbot von Palmöl und von Milchaustauschern in der Fütterung der Kälber und der Gentechnikfreiheit international vorbildliche Standards gesetzt und weiterentwickelt, um die Nachhaltigkeitsstandards und die vorbildlichen Klima-schutzwerte weiter zu verbessern.

Agrarpolitische Rahmenbedingungen entscheidend

Nach Verabschiedung der neuen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) mit dem Green Deal und der Farm to Fork- Strategie auf EU-Ebene geht es nunmehr um die Ausgestaltung der österreichischen Umsetzung. Die Milchwirtschaft erwartet hier unterstützende Rahmenbedingungen für unsere Nachhaltigkeits- und Qualitätsstrategie, einen besonderen Schwerpunkt bei Investitionen zur Verbesserung des Tierwohls und Modernisierungen bei der Finanzierung und den Strukturen der AMA Marketing für die beteiligten Organisationen. Bei der generellen Ausrichtung der Agrarpolitik und der Außenhandelspolitik müssen Nachhaltigkeit, Resilienz und die Versorgungssicherheit der EU im Mittelpunkt stehen, besonders sind hier auch überwirtschaftliche Effekte und die Auswirkungen für Berggebiete zu beachten.

Milch sehr wertvolles Lebensmittel

Bei der Ausgestaltung der ernährungspolitischen Rahmen-bedingungen, wie Nährwertkennzeichnung, Bezeichnungsschutz, der Nachhaltigkeits- und Qualitätspolitik, ist der hohen Wertigkeit des Lebensmittels Milch Rechnung zu tragen. Hochwertige Milchprodukte dürfen nicht mit Werbeverboten belegt werden, weiters darf Milch als Lebensmittel mit einer sehr ausgewogenen Nährwertzusammenstellung bei systematisierten Nährwertkennzeichnungssystemen nicht diskriminiert werden. Eine möglichst umfassende Herkunftskennzeichnung, die auch Importprodukte umfasst, ist dringend notwendig, um den Konsumenten die unterschiedlichen Qualitätsstandards bewusst zu machen.

Sachliche Verpackungspolitik

Die österreichische Milchwirtschaft ist bekannt für innovative und sehr umweltfreundliche Verpackungslösungen. Weiters laufen verschiedene Projekte zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Teure, ideologisch motivierte und sachlich nicht notwendige Belastungen sind hier zu vermeiden, etwa die Einführung eines Pfandes auf Einwegkunststoffflaschen bei Milchprodukten.

Mehrkosten sind abzugelten

„Für die österreichische Milchwirtschaft ist in diesem sehr herausfordernden Umfeld entscheidend, dass jetzt die richtigen Weichenstellungen erfolgen. Es muss gewährleistet sein, dass die erhöhten Kosten für Vorleistungen abgegolten werden und nicht aufgrund der Handelskonzentration eine Teilhabe an einer positiven, internationalen Marktentwicklung verwehrt wird.  Dazu bedarf es auch einer fairen Abgeltung der erhöhten Aufwendungen der Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie, wie sie von Handel und der Gesellschaft gefordert werden. All das ist Voraussetzung für eine künftige, sichere Versorgung mit hochwertigen Milch-produkten und den sonstigen umfassenden Leistungen der Milchwirtschaft in Österreich“, schloss Petschar.



Weitere Informationen:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Tel.: 01/90664-2558, Email:
voem@milch.or.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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