Aktuelle Entwicklungen in der Milchwirtschaft
2012 - Ein Jahr mit wechselhafter Entwicklung

Österreichs Molkereien waren im laufenden Jahr mit einer wechselhaften Entwicklung konfrontiert: Zunächst gab es auf den internationalen Märkten deutliche Preiskorrekturen nach unten, die auch die österreichischen Erzeugermilchpreise unter Druck setzten. Gleichzeitig kamen aber noch die Preiserhöhungen des letztes Jahres zur Wirkung, sodass der durchschnittliche Milchauszahlungspreis der österreichischen Molkereien bei 38,69 Cent/kg (Jänner bis Juli 2012, natürliche Inhaltsstoffe, brutto) und damit auf dem Vergleichswert des Vorjahres lag. Im Juli lag der entsprechende Auszahlungswert bei 34,78 Cent/kg (Juli 2011: 38,74 Cent/kg).

Zuletzt war auf den internationalen Märkten eine Trendwende nach oben zu beobachten, die sich mit entsprechender Verzögerung auch auf das heimische Preisniveau niederschlagen wird. „Angesichts der Kostensteigerungen, erachten die Molkereien eine Stabilisierung der bäuerlichen Einkommen für notwendig und gerechtfertigt und hoffen daher, dass in absehbarer Zeit auch für den Milchsektor wieder stabile Preisentwicklungen zu vermelden sind“, erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Direktor Helmut Petschar.

Der Milchmarkt ist heuer europaweit und international insbesondere durch die deutlich höhere Anlieferung (Österreich bis 20.08. + 3,9 %, EU im ersten Halbjahr + 1,9 %) unter Druck gekommen. Zuletzt erfolgte vor allem in den MOEL eine stärkere Produktionsausweitung.

Lebensmittelhandel als Partner

Problematisch ist daher die Politik des österreichischen Lebensmittelhandels, der im heurigen Sommer bei vielen Produkten Preisrückgänge durchsetzen konnte, die aufgrund der aktuellen Entwicklung nicht gerechtfertigt sind. Hier ist eine ehestbaldige Trendumkehr geboten, auch gilt es, die steigende Kostenentwicklung in der Landwirtschaft und bei den Verarbeitern in den Kalkulationen entsprechend anzusetzen. „Es ist nicht möglich, höchste österreichische Qualität zu billigsten internationalen Preisen auf den Markt zu bringen“, ergänzte dazu Petschar, der damit auf die einzigartig hohe Qualität der heimischen Produkte mit Gentechnikfreiheit, hohen Tierschutz- und Umweltstandards hinweist. „Diese Einzigartigkeit der heimischen Milchprodukte darf daher nicht mit den Billigstanbietern auf dem europäischen Markt verglichen werden“, so Petschar. Des Weiteren wird eine partnerschaftliche Vorgangsweise des Lebensmitteleinzelhandels erwartet, um den Milchstandort Österreich mit seinen hohen Qualitäten dauerhaft absichern zu können.

Vehement wehrt sich die Österreichische Milchwirtschaft gegen unseriöse Preisvergleiche mit dem Ausland. So erfolgen die Preisvergleiche nur mit dem billigsten Land, die anderen Länder haben höhere Preise, z.B. bei Trinkmilch, weiters wird dabei der Qualitätsaspekt völlig ignoriert.

Österreichische Molkereien bereiten sich auf Quotenende vor

Österreichs Molkereien erwarten für die Zeit nach Ende der Milchquote im Jahr 2015 eine steigende Milchmenge, die es zu verarbeiten und zu vermarkten gilt. Wie hoch die Steigerung ausfallen wird, wird von mehreren Faktoren und von aktuellen Rahmenbedingungen auf den Märkten abhängen. Für die österreichischen Molkereien bedeutet es jedenfalls bereits jetzt sich darüber im Klaren zu sein, dass unter diesen verschärften Wettbewerbsbedingungen höhere Mengen zu bewältigen sein werden und diese hauptsächlich im Export unterzubringen sein werden. Dazu müssen Märkte aufgebaut und Produktstrategien entwickelt werden. Insgesamt gilt es für die österreichische Milchwirtschaft alle Potentiale zu heben und zu nutzen, die in der Vermarktung und in der Verarbeitung möglich sind.

Die österreichischen Molkereien sehen ihre Aufgabe darin, auch nach Ende der Quoten für die österreichischen Milchbauern die bestmögliche Verwertung der österreichischen Milch zu erreichen. Dies erfordert einen weiteren Ausbau und Fokussierung auf die österreichische Qualitätsstrategie, die Vermittlung dieser Werte an unsere Konsumenten und die Entwicklung neuer Absatzschienen für Mehrmengen in den Export.

Für den weiteren Ausbau und zukünftige Gestaltung des Milchstandortes Österreich ist weiteres eine gute und partnerschaftlichen Zusammenarbeit entlang der Lebensmittelkette und zwischen allen Organisationen, die in der Milchwirtschaft tätig sind, ein Gebot der Stunde. „Wir glauben, dass die Schaffung eines Branchenverbandes für die österreichische Milchwirtschaft ein guter Ansatz ist“, ergänzte Petschar.

 

Rückfragehinweis:
Mag. DI Johann Költringer
VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenplatz 1, A – 1020 Wien
Tel:     +43/1/211 36 – 2558
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